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Dienstag, 24.01.2017
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Feinstaub: Rekordwerte bei Hochdruckwetter

Ferntransport entscheidend an Schadstoffbelastung Berlins beteiligt

Die Großwetterlage hat einen großen Einfluss auf die Feinstaubkonzentration in Berlin. Vor allem bei Hochdruckwetter steigen die Feinstaubkonzentrationen auf Spitzenwerte an. Dies geht aus Untersuchungen im Rahmen des Graduiertenkollegs "Stadtökologische Perspektiven" der Humboldt-Universität zu Berlin hervor.
Autoabgase

Autoabgase

Die höchsten Belastungen und die meisten Überschreitungen des seit Januar gültigen EU-Limits von 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft treten demnach bei so genannten antizyklonalen Ostlagen auf: Im Jahr 2002 wurden in Berlin bei stabilem Hochdruckwetter und östlicher Luftströmung sogar am Stadtrand an 13 bis 15 Tagen Konzentrationen über dem Grenzwert gemessen. Für die Wissenschaftler ein Hinweis, dass der Ferntransport erheblich zur Feinstaubbelastung Berlins beiträgt. Am niedrigsten sind die Konzentrationen bei West- und Nordwestwetterlagen, die feuchte Luftmassen vom Atlantik heranführen.

Grundlage für den Vergleich von Schwebstaubkonzentration und Großwetterlagen seit 1991 bildeten Daten des Berliner Luftgüte-Messnetzes (BLUME) und des Deutschen Wetterdienstes.

Insgesamt verzeichneten von 1991 bis 2001 alle Berliner Messstellen einen Rückgang der Feinstaubanteile in der Luft. Von 2001 an steigen die Jahresmittelwerte infolge des wachsenden Kfz-Verkehrs jedoch an allen Messstellen wieder leicht an. Die Auswertung der Feinstaubmessungen in räumlicher Sicht ergibt eine Abnahme der mittleren jährlichen Feinstaubbelastung von der Berliner City zum Stadtrand. Innerhalb der Stadt zeigen die Messstellen an verkehrsreichen Straßen mit dichter Blockrandbebauung die höchsten Belastungswerte. In städtischen Wohngebieten ist die Feinstaubkonzentration deutlich geringer. Aber auch dort kann der EU- Grenzwert an einzelnen Tagen, vor allem im Winter, überschritten werden.


2003 Grenzwert an mehr als 70 Tagen überschritten


2003 wurde an allen Berliner Straßenmessstellen der Grenzwert an über 70 Tagen übertroffen. Die EU-Richtlinie erlaubt Konzentrationen Feinstaubgehalte vom mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an maximal 35 Tagen. Auch der Jahreslangzeitgrenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter konnte nicht eingehalten werden.

Im vergangenen Jahr kam es an den Straßenmessstellen zu mehr als 35 Überschreitungen - obwohl die Witterungsbedingungen nach Einschätzung der Berliner Wissenschaftler bezüglich der Feinstaubbelastung deutlich günstiger waren. Bereits bis Ende März dieses Jahres sind an den Straßenmessstellen zwischen 20 und 30 Überschreitungen zu verzeichnen, so dass die Situation weiterhin als ernst einzustufen ist.

Luftqualität in Innenräumen untersucht


Die Forscher um Geographieprofessor Wilfried Endlicher geht auch der Frage nach, wie es um die Luftqualität in Innenräumen bestellt ist. Erste Pilotmessungen ergaben einen engen Zusammenhang zwischen Außen- und Innenraumbelastung. Das Verhältnis Außenluft zu Innenraumkonzentration ist nach ersten Ergebnissen bei etwa 3 zu 1 anzusetzen. Die Belastung der Atemluft mit Feinstaub in Innenräumen liege damit im unbedenklichen Bereich.

Die Experten weisen außerdem darauf hin, dass nicht nur die Partikelgröße und die Menge des Feinstaubs, sondern auch die Qualität der Feinstaubbelastung relevant sei: Schwarze Kohlenstoffpartikel, zum Beispiel Ruß aus Dieselfahrzeugen, seien gesundheitlich problematischer als natürliche Bestandteile wie Mineralbruchstücke.

Als Fazit Ihrer Untersuchungen stellen die Berliner Forscher fest, dass die aktuelle Feinstaubbelastung nur langfristig und nur durch ein umfangreiches Maßnahmenbündel auf lokaler, regionaler und vor allem internationaler Ebene reduziert werden kann. Rasches Handeln sei notwendig, insbesondere mit Blick auf die zweite Stufe der EU- Richtlinie, die eine weitere Verschärfung der Grenzwerte ab 2010 vorsieht.
(idw - Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG), 15.04.2005 - DLO)
 
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