• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 21.10.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Indien: Trendwende beim Monsun

Erwärmung des Subkontinents macht Regenzeit seit 2002 wieder stärker

Überraschende Wende: Der indische Monsun hat seinen langjährigen Trend umgekehrt. Nachdem er jahrzehntelang immer trockener wurde, bringt er seit 2002 wieder mehr Regen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich die ungewöhnlich starke Erwärmung des Subkontinents, kombiniert mit einer Abkühlung des Indischen Ozeans, wie Forscher im Fachmagazin "Nature Climate Change" berichten. Dieser Gegensatz macht den Monsun stärker. Warum sich Indien allerdings so stark aufheizt, ist noch unklar.
Regenwolken über Nordindien während des Monsun

Regenwolken über Nordindien während des Monsun

Der Monsun ist für Indien Wasserspender und Flutbringer zugleich: Die Regenzeit löst zwar immer wieder schwere Überschwemmungen aus, gleichzeitig aber liefert sie dem Subkontinent rund 80 Prozent des jährlichen Niederschlags und sichert damit die Wasserversorgung von gut einem Fünftel der Weltbevölkerung.

Trocknet Indien aus?


Entsprechend groß ist die Sorge, wenn der Monsunregen ausbleibt oder schwächelt. Doch genau dies war seit 1950 der Fall: Der Sommermonsun brachte immer weniger Regen nach Mittel- und Nordindien. Gleichzeitig prognostizierten Klimaforscher, dass sich dieser Trend durch den Klimawandel künftig noch verstärken könnte.

"Es gibt diese Vorstellung, dass Indien austrocknen wird", erklärt Chien Wang vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). "Denn die indische Monsunsaison erlebte eine längere Trockenphase als alle anderen Monsunsysteme." Ob dies nach wie vor stimmt, haben Wang und sein Kollege Qinjian Jin jetzt anhand von Messdaten und Klimamodellen überprüft.


Trendwende im Jahr 2002


Das überraschende Ergebnis: Die Trockenphase des indischen Monsuns ist vorbei. Von 1950 bis 2002 nahmen die Regenfälle zwar tatsächlich langsam und stetig ab. Seither jedoch haben sich die täglichen Niederschlagsmengen während der Regenzeit wieder erhöht – immerhin um 1,34 Millimeter pro Dekade, wie die Forscher berichten.

"Modellsimulationen hatten vorhergesagt, dass die Trockenperiode noch bis in dieses Jahrhundert anhalten würde", berichtet Wang. Umso überraschender sei dieser plötzliche Wechsel des Trends. "Der indische Monsun gilt immer als Lehrbuchbeispiel und als klar definiertes Phänomen", so der Forscher. "Wir glauben, wir wüssten alles über ihn – aber das stimmt nicht."

Für die Menschen in Indien ist dies eine gute und schlechte Nachricht zugleich: Einerseits bringt ihnen der stärkere Monsun damit ausreichend Wasser. Andererseits aber häufen sich damit auch Überschwemmungen und sintflutartige Starkregen.

Die Landfläche Indiens hat sich seit 2002 besonders stark erwärmt.

Die Landfläche Indiens hat sich seit 2002 besonders stark erwärmt.

Was ist die Ursache?


Was hinter dieser Trendwende des Monsuns steckt, haben die Wissenschaftler ebenfalls untersucht. Dabei zeigte sich: Seit 2002 hat sich die indische Landfläche besonders stark erwärmt – um 0,1 bis 1 Grad pro Jahr. Zur gleichen Zeit jedoch verlangsamte sich die Erwärmung des Indischen Ozeans, einige Meeresgebiete kühlten sich sogar leicht ab.

Die Folge: Die Temperaturunterschiede zwischen Land und Meer haben sich deutlich verstärkt. "Diese drastische Zunahme des Land-Meer-Temperaturgradienten resultierte in einer Verstärkung des Monsunregens", erklären Wang und Jin. Durchbrochen wurde dies nur im Jahr 2015 durch den starken El Nino: Er heizte den Ozean stark auf und schwächte damit den Monsun. In diesem Jahr litt Indien daher unter Dürre und besonders starken Hitzewellen.

Unklar ist allerdings, warum sich Indien seit 2002 so stark erwärmt. "Der Grund könnte eine Kombination von natürlichen Klimaschwankungen und anthropogenen Einflüssen sein", sagt Wang. "Wir sind noch dabei, die physikalischen Prozesse zu ergründen, die diese Trendumkehr verursacht haben könnten." Bisher gebe es dabei jedoch mehr Fragen als Antworten, so die Forscher. (Nature Climate Change, 2017; doi: 10.1038/nclimate3348)
(Massachusetts Institute of Technology, 26.07.2017 - NPO)
 
Printer IconShare Icon