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Freitag, 21.07.2017
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Mysteriöse Laute im Marianengraben

Unbekannter Gesang aufgezeichnet – vielleicht von einem Bartenwal

Geheimnisvolle Rufe: Forscher haben unbekannte Töne aus den Tiefen des Marianengrabens aufgefangen. Die komplexen Rufe könnten von dort tauchenden Bartenwalen stammen, sie ähneln aber keinem der bisher bekannten Walgesänge. Der fünfteilige Ruf umfasst eine enorme Frequenzspanne und reicht von tiefem Stöhnen bis zu einem hohen Quietschen. Welche Wale diese Laute abgeben, muss nun untersucht werden.
Unterwasser-Mikrophone haben einen unbekannten, komplexen Ruf aufgezeichnet. Von wem er stammt, ist noch unklar.

Unterwasser-Mikrophone haben einen unbekannten, komplexen Ruf aufgezeichnet. Von wem er stammt, ist noch unklar.

Wale sind für ihre teilweise komplexen Laute bekannt. Die langgezogenen Töne und Strophen der Buckelwale sind mehrere Kilometer weit zu hören, denn die Druckwellen des Schalls werden vom Wasser effektiv übertragen. Aber auch Delfine und Orcas kommunizieren über Laute und ein Weißwal lernte sogar, die menschliche Stimme nachzuahmen.

Doch was Sharon Nieukirk von der Oregon State University und ihre Kollegen im Marianengraben erlauschten, ist etwas ganz Neues. Die Forscher hatten Aufzeichnungen von autonomen Tauchgleitern ausgewertet, die mit Mikrophonen und Sensoren ausgerüstet monatelang im Gebiet des tiefsten Meeresgrabens der Erde unterwegs waren.

Vom Stöhnen bis zum Quietschen


In den Aufnahmen ertönte mehrfach ein völlig unbekannter Ruf: "Er ist sehr eigen und hat einige wirklich seltsame Komponenten", berichtet Nieukirk. So hält die fünfteiligen Lautfolge zwischen 2,5 und 3,5 Sekunden an und deckt ein ungewöhnliches großes Spektrum an Frequenzen ab. Die Tonhöhen des rätselhaften Gesangs reichen von tiefen 38 Hertz bis zu hohen, fast metallisch klingenden 8.000 Hertz.


Die Biologen vermuten, dass diese Laute von einem Wal stammen. Von welchem, ist jedoch unbekannt. "Der niederfrequente, stöhnende Teil ist typisch für Bartenwale", erklärt die Forscherin. "Aber der hohe, scharfe, fast näselnde Laut macht diesen Laut wirklich einzigartig." Am ehesten ähnele der unbekannte Gesang noch einem Ruf, den Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata) im Great Barrier Reef von sich geben.

So klingt der seltsame Laut:


Ein Zwergwal könnte der Urheber der mysteriösen Laute sein - sicher ist dies aber nicht.

Ein Zwergwal könnte der Urheber der mysteriösen Laute sein - sicher ist dies aber nicht.

Vielseitige "Sänger"


Diese auf fast der gesamten Nordhalbkugel verbreitete Walart ist dafür bekannt, regional sehr unterschiedliche Laute zur Kommunikation zu nutzen. Typisch für Zwergwale im Atlantik ist beispielsweise eine gleichmäßig gepulste Abfolge tiefer Töne, im Nordpazifik sind dagegen "Boing"-Laute und auch komplexe Tonfolgen typisch.

Diese Vielseitigkeit könnte dafürsprechen, dass ein Zwergwal die mysteriösen Rufe aus dem Marianengraben von sich gegeben hat. "Wir wissen bisher nicht viel über die Verbreitung der Zwergwale in den niedrigen Breiten", sagt Nieukirk. "Sie halten sich kaum an der Meeresoberfläche auf und leben meist auf offener See. Aber sie rufen relativ oft."

Suche nach Quelle des Lauts geht weiter


Sollte der geheimnisvolle Ruf von einem Zwergwal stammen, wirft dies aber weitere Fragen auf. Denn typischerweise rufen diese Meeressäuger vor allem im Winter und während der Paarungszeit. Aber der "Western Pacific Biotwang" getaufte Wallaut wurde das ganze Jahr hindurch immer wieder aufgezeichnet. "Wenn das wirklich ein Paarungsruf ist, warum hören wir ihn dann das ganze Jahr hindurch?", fragt Nieukirk.

Die Forscher hoffen, dass weitere akustische Aufzeichnungen das Geheimnis dieser Wallaute lüften werden. Möglicherweise wurden diese Walgesänge auch schon früher aufgezeichnet, aber wenig ihres extrem breiten Frequenzbereichs nicht erkannt. "Wir hoffen, dass auch andere Forscher diese Rufe in alten und neuen Daten identifizieren und dass wir so die Quelle dieses Lautes finden", sagt Nieukirk. (Journal of the Acoustical Society of America, 2016; doi: 10.1121/1.4962377)
(Oregon State University, 16.12.2016 - NPO)
 
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