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Mittwoch, 18.10.2017
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Diesel-Skandal: Mehr Abgase bei Kälte

Tests enthüllen: Bei niedrigen Temperaturen schalten einige Autos ihre Abgasreinigung ab

Perfide Manipulation: Einige Dieselfahrzeuge setzen bei kühlerem Wetter ein Vielfaches der angegebenen Abgase frei. Der Grund: Die eingebaute Abgasreinigung wird unterhalb bestimmter Temperaturen einfach abgestellt. Messungen zeigen, dass einige Modelle dadurch den Stickoxid-Grenzwert bis zum 13-Fachen überschreiten. Als Folge fluten Diesel-Fahrzeuge im Herbst und Winter die Innenstädte mit besonders vielen Abgasen.
Im Herbst und Winter schalten viele Dieselfahrzuege ihre Abgasreinigiung einfach ab

Im Herbst und Winter schalten viele Dieselfahrzuege ihre Abgasreinigiung einfach ab

Abgas-Skandale in Serie: Dass Autohersteller Fahrunterschiede im Teststand und auf der Straße nutzen, um bei Abgasmessungen systematisch zu schummeln, ist inzwischen nichts Neues mehr. VW bekam im Herbst 2016 für diese perfide Mogelei sogar den Ig-Nobelpreis. Doch zum Lachen ist dies eigentlich nicht. Nach Schätzungen von Forschern könnte der übermäßige Abgasausstoß allein in den USA pro Jahr 40 vorzeitige Todesfälle verusacht haben.

Bis zu 13-fach über den Grenzwerten


Jetzt zeigt sich, dass die Autohersteller weitere Tricks einsetzen, um strenge Umweltauflagen zu umgehen. Messungen im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) enthüllen, dass einige Diesel-Fahrzeuge ihre Abgasreinigung bei niedrigen Temperaturen abschalten. Bei manchen Modellen erfolgt dies bei unter zehn Grad, bei andern sogar schon unterhalb von 17 Grad.

Konkret ergaben die Messungen auf der Straße und in speziellen Kältekammern Überschreitungen der Stickoxid-Grenzwerte um das bis zu 13-Fache. Negativer Spitzenreiter ist ein aktueller Fiat 500x mit 1.380 Milligramm NOx pro Kilometer (mg/km), gefolgt vom Renault Captur mit 1.320 mg/km. Als schmutzigster deutscher Diesel-PKW erweis sich der Mercedes B 180 d. Mit durchschnittlich 1.039 mg/km NOx überschreitet er den NOx-Grenzwert um das 13-Fache, wie die DUH mitteilt.


Dreckschleudern mit grüner Plakette


Damit halten diese Diesel 6-Fahrzeuge der neuesten Generation nicht einmal die Grenzwerte für die älteren Euro 1-Dieselfahrzeuge ein. "Es ist unglaublich, dass Autohersteller ihren Kunden in 2016 noch immer Autos verkaufen, die auf der Straße nicht einmal die Grenzwerte von Euro 1 einhalten", sagt DUH-Verkehrsexperte Axel Friedrich. "Diese Fahrzeuge haben auf unseren Straßen nichts zu suchen."

Dieselabgase sind eine der Quellen von Feinstaub in der Stadt.

Dieselabgase sind eine der Quellen von Feinstaub in der Stadt.

Autokonzerne begründen die Abschaltung der Abgasreinigung bei Kälte damit, dass dies dem Schutz des Motors gelte. Doch dieses Argument ist nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe nicht stichhaltig. Denn unter den Prüfbedingungen im jeweils betriebswarmen Zustand mit einer Öltemperatur von mindestens 80 Grad Celsius gebe es keinerlei technologische Begründung für die Aktivierung der Abschalteinrichtung über die Außentemperatursensoren des Fahrzeugs, so die Prüfer.

Fahrverbote bei Kälte?


Die Folgen dieser Manipulationen tragen die Stadtbewohner: Im Herbst und Winter werden die Innenstädte mit Abgas-Schadstoffe geradezu geflutet. Selbst die Umweltzone schützt dagegen nicht, weil diese Fahrzeuge laut Abgasmessung im Teststand die Auflagen erfüllen. Sie tragen daher die grüne Plakette, obwohl sie unter realen Straßenbedingungen im Winter erheblich mehr Stickoxide ausstoßen als erlaubt.

Schon jetzt gibt es in vielen Städten Straßenzüge, in denen die erlaubten Schadstoffwerte fast ständig überschritten werden. Eine Abhilfe sehen Umweltorganisationen inzwischen nur noch in konsequenten Fahrverboten für Dieselfahrzeuge – beispielsweise sobald die Grenzwerte überschritten sind. Angesichts der neuen Erkenntnisse fordert die DUH nun Städte und Kommunen auf, auch bei Temperaturen unter zehn Grad Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu erlassen.
(Deutsche Umwelthilfe, 24.11.2016 - NPO)
 
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