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Mittwoch, 18.10.2017
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CO2 steigt weiter – trotz stagnierender Emissionen

Rekordanstieg der CO2-Werte durch geschwächte Pufferwirkung der Biosphäre

Paradoxe Zunahme: Obwohl die anthropogenen Treibhausgas-Emissionen seit drei Jahren fast stagnieren, hat das CO2 in der Atmosphäre einen neuen Wachstumsrekord erreicht. 23 Gigatonnen CO2 gelangten im Jahr 2015 in die Luft, 2016 könnten es sogar 25 Gigatonnen werden. Der Grund dafür: Wärme und Trockenheit vor allem in den Tropen hemmen die Pufferwirkung der Landökosysteme.
Hitze und Dürre haben die Pufferwirkung der Regenwälder abgeschwächt - deshalb steigen die CO2-Werte, obwohl unsere Emissionen fast stagniweren.

Hitze und Dürre haben die Pufferwirkung der Regenwälder abgeschwächt - deshalb steigen die CO2-Werte, obwohl unsere Emissionen fast stagniweren.

Eigentlich gibt es Grund für zumindest ein wenig Hoffnung: 2016 werden die weltweiten CO2-Emissionen wahrscheinlich zum dritten Mal in Folge nahezu stagnieren. Laut Berechnungen des Global Carbon Project (GCP) wird der CO2-Ausstoß durch fossile Energien und Industrie dieses Jahr etwa bei 36,4 Gigatonnen (Gt) liegen. 2015 lag er bei 36,3 Gt und 2014 bei 36,2 Gt. Das könnte bedeuten, dass der Klimaschutz es geschafft hat, zumindest das ungebremste Wachstum der Emissionen einzugrenzen.

Allerdings: Für das im Klima-Abkommen von Paris festgeschriebene Ziel von nur zwei Grad Erwärmung wird dies nicht ausreichen. "Die Pause im Emissionswachstum ist zwar eine große Hilfe, reicht aber nicht aus", betont Corinne Le Quéré von der University of East Anglia. "Die Emissionen müssen rapide gesenkt werden."

China hat gesenkt, Deutschland nicht


Zu den Staaten, die ihre CO2-Emissionen gegenüber den Vorjahren gesenkt haben, gehört vor allem China, der weltgrößte Emittent. 2015 reduzierte sich der CO2-Ausstoß um 0,7 Prozent, 2016 könnten es dem "Global Carbon Budget 2016"-Report zufolge weitere 0,5 Prozent weniger werden - wenngleich die Daten aus China noch mit Unsicherheiten verbunden sind.


Wer hat wieviel CO2 und aus welcher Quelle emittiert?

Wer hat wieviel CO2 und aus welcher Quelle emittiert?

In Deutschland dagegen sind die Emissionen im Jahr 2015 trotz der Unterstützung für die Erneuerbaren nicht gesunken, sondern um 0,7 Prozent leicht gestiegen. Ähnlich sieht es auf der europäischen Ebene aus. Auch der Ausstoß der EU ist von 2014 auf 2015 um circa 1,4 Prozent gewachsen. Die EU-Staaten stellen den weltweit drittgrößten Emittenten dar.

Trotzdem Rekordanstieg der CO2-Werte


Doch die Freude über wenigstens kleine Fortschritte wird durch ein weiteres Ergebnis des Global Carbon Budget 2016 getrübt. Denn wie die Forscher berichten, hat der CO2-Gehalt der Atmosphäre trotzdem einen neuen Wachstumsrekord erreicht. 2015 stieg der Gehalt um 23 Gigatonnen pro Jahr, 2016 könnte es sogar 25 Gigatonnen pro Jahr werden. Die 400 ppm-Marke für das atmosphärische CO2 ist längst überschritten.

Aber warum? Woher stammt dieses CO2, wenn nicht aus unseren Auspuffen und Schornsteinen? Verursacht wird die starke Zunahme des atmosphärischen CO2 hauptsächlich durch eine verminderte Kohlenstoffspeicherung der Landbiosphäre. Normalerweise nehmen vor allem Wälder große Mengen an CO2 auf und wirken so als Puffer im Klimasystem.

Meereshöhen-Anomalie im Pazifik Anfang Dezember 2015 - der El Nino ist voll im Gange

Meereshöhen-Anomalie im Pazifik Anfang Dezember 2015 - der El Nino ist voll im Gange

Hitze und Dürre bremsen Klimapuffer


Die Klimaschwankungen durch den extrem starken El Nino im letzten Jahr jedoch haben die pflanzlichen Klimapuffer ausgebremst, wie die Forscher berichten. Der El Nino hat zu ungewöhnlich warmen und trockenen Bedingungen in den Tropen geführt. Dies schränkte das Pflanzenwachstum ein – und damit auch ihre Fähigkeit zur CO2-Speicherung.

Als Folge speicherten die Landökosysteme im Jahr 2015 nur sieben Gigatonnen CO2 pro Jahr, wie die Wissenschaftler berichten. Dies entspricht gerade einmal rund 60 Prozent der durchschnittlichen Rate der vorigen Dekade. "Was wir hier sehen, ist die Antwort der tropischen Landökosysteme auf starke jährliche Klimaschwankungen" erklärt Sönke Zaehle vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena.

Entwicklung könnte sich fortsetzen


Seiner Einschätzung nach wird sich diese gebremste Pufferwirkung in den nächsten Jahren eher fortsetzen – weil es global gesehen wärmer wird. "Jahre wie 2015 zeigen, dass wärmere Temperaturen und insbesondere verstärkte Trockenheit in bestimmten Regionen unserer Erde diese Kohlenstoffspeicherung beeinträchtigen können", erklärt der Forscher.

Das Fatale daran: Pufferwirkung und CO2-Werte sind über eine positive Rückkopplung miteinander verknüpft: Mehr CO2 bedeutet mehr Erwärmung und das wiederum bedeutet weniger Pufferwirkung und damit weiter steigende CO2-Werte. Gleichzeitig bedeutet dies: Um den CO2-Anstieg der Atmosphäre zu bremsen, müssen wir in einer wärmeren Welt noch mehr CO2 einsparen als jetzt. (>Global Carbon Budget 2016)
(Global Carbon Project / MPI für Biogechemie, 15.11.2016 - NPO)
 
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