• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 06.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Kinder: Mehr Allergien durch frühe Antibiotika

Risiko für spätere Ekzeme und Heuschnupfen steigt deutlich an

Folgenreiche Gesundmacher: Wenn Kleinkinder vor dem zweiten Lebensjahr Antibiotika bekommen, erhöht dies nicht nur ihr späteres Asthmarisiko - es fördert auch allergische Ekzeme und Heuschnupfen. Das Risiko für diese allergischen Erkrankungen kann um bis zu 65 Prozent steigen, wie eine Metastudie mit fast 400.000 Teilnehmern belegt. Ursache dafür könnte unter anderem eine nachhaltige Störung der Darmflora sein.
Wenn Kleinkinder in den ersten beiden Lebensjahren Antibiotika bekommen, kann das ihr Allergierisiko erhöhen.

Wenn Kleinkinder in den ersten beiden Lebensjahren Antibiotika bekommen, kann das ihr Allergierisiko erhöhen.

Bei schweren bakteriellen Infekten sind Antibiotika eine wichtige Waffe der Medizin - keine Frage. Doch nahezu ein Drittel dieser Medikamente werden bei uns unnötig verschrieben. Gerade bei kleinen Kindern jedoch kann dies langfristige Folgen haben. So deutet bereits Anfang 2016 eine Studie darauf hin, dass die Gabe bestimmter Antibiotika in den ersten beiden Lebensjahren die Darmflora von Kindern nachhaltig verändert – und dadurch ihr Asthmarisiko erhöht.

Bis zu 65 Prozent mehr Heuschnupfen


Ob und wie stark eine frühkindliche Antibiotika-Behandlung jedoch auch das Risiko für allergische Ekzeme und Heuschnupfen beeinflusst, blieb bisher strittig. Deshalb haben Fariba Ahmadizar von der Universität Utrecht und seine Kollegen dazu nun eine Metastudie durchgeführt. Sie werteten dafür die Ergebnisse von 44 Studien mit insgesamt knapp 400.000 Teilnehmern aus der Zeit von 1966 bis 2015 aus.

Das Ergebnis: Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren mindestens eine Antibiotika-Behandlung bekommen hatten, erkrankten später häufiger an einer Allergie. Das Risiko für ein allergisches Ekzem stieg um 15 bis 41 Prozent an, das Risiko für Heuschnupfen um 14 bis 56 Prozent, wie die Forscher berichten. Je häufiger die Kinder dabei mit Antibiotika behandelt worden waren, desto wahrscheinlicher entwickelten sie später eine dieser allergischen Erkrankungen,


Kinder, die früh Antibiotika bekommen hatten, litten später häufiger unter Heuschnupfen.

Kinder, die früh Antibiotika bekommen hatten, litten später häufiger unter Heuschnupfen.

Störung von Darmflora und Immunsystem


"Diese Ergebnisse belegen, dass eine frühkindliche Belastung durch Antibiotika nicht nur Asthma fördern kann, sondern auch das spätere Risiko für Heuschnupfen und Ekzeme erhöht", konstatiert Ahmadizar. Die mögliche Ursache für diesen Effekt sehen die Forscher zum einen in der Wirkung der Medikamente auf das Immunsystem der Kinder, aber auch im Einfluss auf die Darmflora.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass es bei Kleinkindern mehrere Jahre dauern kann, bis sich die Bakteriengemeinschaft im Verdauungstrakt wieder von einer Antibiotikabehandlung erholt. Gleichzeitig ist bekannt, dass die Darmflora einen großen Einfluss auf das Immunsystem ausübt. Weil Allergien im Prinzip eine fehlgeleitet und überschießende Immunreaktion sind, liegt es nahe, dass auch hier die Darmflora mitmischt.

Die Forscher raten daher Eltern und Ärzten, sehr genau zu überlegen, ob der Einsatz eines Antibiotikums bei einem Kleinkind tatsächlich notwendig ist. In keinem Fall sei ein vorbeugender Einsatz ratsam, zumal viele Infekte bei Kindern ohnehin von Viren verursacht werden. (ERS International Congress)
(European Respiratory Society (ERS), 06.09.2016 - NPO)
 
Printer IconShare Icon