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Freitag, 30.09.2016
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Höhlenbären waren reine Veganer

Unflexible Ernährung könnte zum Aussterben der Eiszeit-Riesen beigetragen haben

Von wegen fleischfressendes Raubtier: Die Höhlenbären der Eiszeit waren trotz ihrer furchteinflößenden Größe reine Veganer. Sie ernährten sich ausschließlich von pflanzlicher Kost, wie eine Analyse fossiler Höhlenbären-Knochen enthüllt. Dieser eher einseitige Speiseplan der Höhlenbären könnte ein Grund dafür sein, dass diese prähistorischen Riesen vor rund 25.000 Jahren ausstarben, mutmaßen die Paläontologen.
Rekonstruktion eines Höhlenbären (Ursus spelaeus). Die Eiszeit-Riesen waren deutlich größer als heutige Bären.

Rekonstruktion eines Höhlenbären (Ursus spelaeus). Die Eiszeit-Riesen waren deutlich größer als heutige Bären.

Gegen sie sind heutige Bären eher schmächtig: Höhlenbären (Ursus spelaeus) waren dreieinhalb Meter lang und erreichten eine Schulterhöhe von 1,70 Metern. Diese urzeitlichen Riesen durchstreiften bis vor rund 25.000 Jahren die eiszeitlichen Landschaften und boten dabei einen sicher einen furchteinflößenden Anblick. Doch was diese Verwandten der heutigen Bären damals fraßen, war bisher strittig. Einige Studien sahen sie als Vegetarier, andere eher als Allesfresser wie die heutigen Bären.

Indizien im Knochen-Kollagen


Um diese Widersprüche zu klären, haben Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) der Universität Tübingen und seine Kollegen nun erneut Höhlenbären-Fossilien untersucht. "Uns hat besonders interessiert, was die Bären gefressen haben und ob es Zusammenhänge zwischen ihrer Ernährungsweise und ihrem Aussterben gab", erläutert der Biogeologe.

Für ihre Studie analysierten die Forscher den Isotopengehalt von Kollagen in Bärenknochen aus den Höhlen von Goyet in Belgien. Zu Lebzeiten eines Tieres werden Stickstoff- und Kohlenstoffatome aus seiner Nahrung in Körpergewebe eingebaut, darunter auch in Aminosäuren des Kollagens. Weil pflanzliche und tierische Nahrung jeweils verschiedene Isotopen-Verhältnisse dieser Elemente enthalten, lässt sich daraus auf die Ernährung rückschließen.


Schädel eines Höhlenbären: Trotz des martialischen Aussehens fraßen diese Bären nur Pflanzen.

Schädel eines Höhlenbären: Trotz des martialischen Aussehens fraßen diese Bären nur Pflanzen.

Reine Veganer


Das Ergebnis: Die Isotopenwerte des Kollagens sprechen dafür, dass die Höhlenbären keine Fleischfresser waren - und auch keine Allesfresser wie die heutigen Braunbären. "Nach unseren Erkenntnissen waren diese ausgestorbenen Verwandten des Braunbären reine Veganer", berichtet Bocherens.

Dafür spricht vor allem ein relativ niedriger Gehalt an Stickstoff-15. Dieses schwerere Isotop des Stickstoffs reichert sich im Lauf der Nahrungskette in Organismen an. Deshalb haben Pflanzenfresser niedrigere Werte als Fleischfresser. Eine rein pflanzliche Isotopen-Signatur fanden die Forscher selbst bei zwei Jungbären, die noch von der Mutter gesäugt wurden. Das zeigt, dass die Höhlenbären auch als säugende Mütter nur Pflanzen fraßen.

Einseitiger Speiseplan als Aussterbe-Ursache?


Der vegane Speiseplan der Höhlenbären könnte auch erklären, warum diese Eiszeitriesen ausstarben. Über die Ursache ihres Verschwindens wurde viel spekuliert. Einige sehen die zunehmende Bejagung durch den Menschen als Ursache, andere einen Klimasturz oder die Ernährung.

Auf Basis ihrer Ergebnisse sehen Bocherens und seine Kollegen den eher einseitigen Speiseplan der Höhlenbären als ausschlaggebende Ursache: "Ähnlich wie der heutige Pandabär waren die Höhlenbären demnach sehr unflexibel was ihre Nahrung betrifft", sagt Bocherens. "Wir gehen davon aus, dass diese einseitige Ernährungsweise in Kombination mit dem geringeren Pflanzenangebot während der letzten Eiszeit letztlich zum Aussterben der Höhlenbären führte."

Die Forscher planen nun, noch weitere Höhlenbären-Knochen auch aus anderen europäischen Fundorten mit der neuen Methode zu untersuchen. Sie hoffen, dass dies ihre Hypothese weiter festigen kann. (Journal of Quaternary Science, 2016; doi: 10.1002/jqs.2883)
(Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, 24.08.2016 - NPO)
 
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