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Mittwoch, 29.06.2016
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Westantarktis: Schmelze ist unumkehrbar

Selbst drastische Maßnahmenn können das komplette Abtauen nicht mehr aufhalten

Der Kipppunkt ist erreicht: Ein Teil des westantarktischen Eisschilds wird komplett abschmelzen – ohne dass wir dies doch aufhalten können. Das belegen US-Forscher anhand neuer Daten. Die Eisströme haben demnach den "Point of no return" passiert. Das hat Folgen für den Meeresspiegel, denn ihr Schmelzwasser allein reicht aus, um diesen 1,2 Meter ansteigen zu lassen, so die Forscher im Fachmagazin "Geophysical Research Letters".

Die Eisschmelze sechs großer Gletscher der Westantarktis ist unumkehrbar.

Gleich sechs große Gletscher münden in die Amundsen-See der Westantarktis, darunter der Pine-Island-Gletscher und der Thwaites-Gletscher. Die Zungen dieser Eisströme ragen ins Meer hinaus, ihre Enden dagegen reichen weit hinein bis ins Inland-Eisschild dieser Antarktisregion und stabilisieren dieses. Schon in den letzten Jahren hatten Messungen gezeigt, dass sich die Fließgeschwindigkeit dieser Küstengletscher deutlich erhöht. Jetzt liefern gleich zwei Studien von US-Forschern besorgniserregende neue Daten.

Eric Rignot von der University of California in Irvine und sein Kollegen hatten für ihre Studie Messungen der letzten 40 Jahre und Daten der europäischen Fernerkundungs-Satelliten ERS-1 und2 aus den Jahren 1992 bis 2011 ausgewertet. Aus ihnen lassen sich die Bewegung der Gletscher und ihre Dicke ermitteln. Dabei stießen die Forscher auf gleich drei Faktoren, die nahelegen, dass die Schmelze dieser Eisströme bereits unumkehrbar sein könnte:

Rot markiert sind die Gletscher, deren Schmelze nicht mehr aufzuhalten ist.

Rot markiert sind die Gletscher, deren Schmelze nicht mehr aufzuhalten ist.

Wasser unter dem Gletscher


Zum einen strömt das Eis dieser Gletscher immer schneller gen Ozean und die Gletscherzungen im Meer dünnen sich dabei aus. Dadurch aber liegen die Gletscherzungen immer höher im Wasser, die sogenannte Grundlinie weicht dadurch immer weiter zurück – die Region, in der das Eis direkt auf dem festen Untergrund der Küste aufliegt. Oder anders ausgedrückt: Das Meerwasser kann unter dem Eis immer weiter landeinwärts vordringen. Weil Gletscher dieser Art vor allem von unten her schmelzen, verstärkt dies das Ausdünnen und Anheben noch weiter – ein klassischer Teufelskreis.


Hinzu kommt: Der Untergrund unter den Gletschern fördert das Abschmelzen noch. Denn er liegt auch jenseits der Küste meist unterhalb des Meeresspiegels. Hat das Meerwasser einmal unter der Eiszunge seinen Weg landeinwärts gefunden, kann es sich in dieser Senke weiter ausbreiten. Der Gletscher schwimmt dann selbst im Landesinneren auf einer Wasserblase, die ihn von unten her anfrisst.

Meeresspiegel-Anstieg vorprogrammiert


Diese fatale Kombination von Faktoren lässt nur einen Schluss zu, so Rignot: "Der Kollaps dieses Teils der Westantarktis scheint nicht mehr zu stoppen", so der Forscher. Das völlige Abschmelzen dieses Gletschergebiets sei unausweichlich. Selbst wenn wir den Ausstoß von Treibhausgasen sofort drastisch verringern würden, würde dies den Kollaps nicht mehr vermeiden können.

Die Eiszunge des Thwaites-Gletschers in der Westantarktis

Die Eiszunge des Thwaites-Gletschers in der Westantarktis

Das aber wird sich deutlich auf die Meeresspiegel auswirken: Allein das Schmelzwasser dieser sechs Gletscher könnte bei ihrem kompletten Abschmelzen den Meeresspiegel um rund 1,2 Meter anheben. Bis dies der Fall ist, wird es zwar noch ein paar Jahrhunderte dauern, erklären die Forscher. Aber schon jetzt trägt dieser Teil der Westantarktis genauso viel zum globalen Meeresspiegel-Anstieg bei wie das gesamte grönländische Eisschild.

Kettenreaktion gefährdet gesamtes Eisschild der Westantarktis


Die unumkehrbare Schmelze könnte aber noch eine fatale Folge nach sich ziehen: Weil diese Gletscher wie eine Barriere das gesamte Westantarktische Eisschild halten, könnte ihr Verlust auch den Rest dieses Eises destabilisieren. Das belegen Simulationen von Forschern um Ian Joughlin von der University of Washington, die sie vor wenigen Tagen im Fachmagazin "Science" veröffentlichten.

Schon in 200 bis 900 Jahren – und damit um tausende von Jahren schneller als bisher gedacht, könnte der gesamte Eisschild in dieser Region ebenfalls kollabieren. Dann aber würde der Meeresspiegel um drei bis vier Metern ansteigen. (Geophysical Research Letters, in press; Science, 2014; doi: 10.1126/science.1249055)
(NASA/ Science, 14.05.2014 - NPO)