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Mittwoch, 07.12.2016
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Raben verstehen fremde Beziehungen

Die sozialen Vögel erkennen Fehler in der Rangordnung auch bei Artgenossen

Sie gelten als die intelligentesten unter den Vögeln: Raben lösen knifflige Rätsel und haben ein komplexes Sozialverhalten. Biologen aus Österreich haben nun herausgefunden, dass Kolkraben sogar die Beziehungen anderer Raben zueinander einschätzen können – eine Fähigkeit, die bis dato nur von Primaten bekannt war. Und nicht nur im Sozialgeflecht ihrer eigenen Gruppe kennen die Vögel sich aus, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Communications": Sie interessieren sich auch für andere Gruppen.
Zwei Raben

Zwei Raben

Wie viele sozial lebende Tiere haben auch Raben unterschiedliche soziale Beziehungen – sie besitzen Freunde, Verwandte oder Partner und bilden strikte Dominanzhierarchien. Für ein solches soziales Zusammenleben ist es im Alltag unumgänglich, die eigene Position in der Gruppe gegenüber anderen Gruppenmitgliedern einschätzen zu können.

Darüber hinaus auch noch die Beziehungen der anderen untereinander zu begreifen, ist wesentlich komplizierter. Es ermöglicht aber auch strategisches Vorgehen innerhalb der Gruppe: So kann es von Vorteil sein, sich mit einem Artgenossen zusammen zu tun, der gute Beziehungen zu Ranghöheren pflegt. Diese Fähigkeit, sich in die Situation und Beziehungen anderer hineinzuversetzen, war bislang nur bei Primaten bekannt, nicht aber bei den als besonders intelligent geltenden Rabenvögeln.

Falsche Rangordnung sorgt für Irritation


Wissenschaftler um Thomas Bugnyar vom Department für Kognitionsbiologie an der Universität Wien untersuchten nun, inwiefern auch Raben ein Verständnis für die Beziehungen anderer haben. Dazu spielten sie Kolkraben akustische Aufnahmen zweier anderer Raben aus ihrer Gruppe vor: Einem, der einen für dominante Tiere typischen Imponierruf ausstieß und einem anderen, der daraufhin mit "Demutsbekundungen" seinen niedrigeren Rang signalisierte. Diese Rufe stimmten entweder mit der tatsächlich existierenden Ranghierarchie überein, oder sie widersprachen ihr – dafür schnitten die Forscher die Rufe so zusammen, dass jeweils ein Imponierruf eines rangniederen Raben mit dem Demutsruf eines ranghöheren kombiniert war.


Im letzteren Fall reagierten die Raben mit verstärktem Erkundungs- und Stressverhalten wie Kopfdrehen und Schütteln. Die Biologen schließen daraus, dass ihre Erwartung, wie die Dominanzverhältnisse sein sollten, erschüttert wurde. Das scheinbar unangemessene Verhalten eines Artgenossen von niedrigerem sozialem Rang irritierte die Vögel offensichtlich. Ähnlich wie Primaten scheinen Raben daher die Rangbeziehungen zwischen anderen Gruppenmitgliedern zu verstehen.

Interaktion zweier Raben

Interaktion zweier Raben

Verstehen Raben "Die Sopranos"?


Interessanterweise fanden die Forscher ebenfalls heraus, dass Raben nicht nur auf die simulierten Rangverschiebungen in ihrer eigenen Gruppe reagierten. Auch Signale von Vögeln aus der benachbarten Gruppe, die die Raben lediglich hören und sehen konnten, riefen das irritierte Verhalten hervor. Dies führt zum Schluss, dass Raben allein durch Beobachtungen auf die Natur fremder Beziehungen schließen können. Außerdem interessieren sich die Vögel offenbar für die Beziehungen anderer, auch wenn diese Beziehungen sie gar nicht unmittelbar betreffen – eine wissenschaftliche Neuheit im Tierreich.

Der Erstautor der Arbeit, Jorg Massen, zieht einen Vergleich zur populären TV-Serie "Die Sopranos": "Wenn Tony Blundetto sich über Tony Soprano lustig macht, registrieren wir als Zuschauer sofort, dass dies nicht gemäß der Rangverhältnisse in der Sopranofamilie ist." Zu diesem Schluss kommen wir allerdings nicht durch Vergleiche unseres eigenen Ranges mit dem der beiden Tonys, so der Biologe weiter, sondern anhand unserer geistigen Vorstellung der Rangverhältnisse der handelnden Personen in einer anderen sozialen Gruppe als unserer eigenen. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch Raben das können", schließt Massen.
(Nature Communications, 2014; doi: 10.1038/ncomms4679)
(Universität Wien, 24.04.2014 - AKR)
 
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