Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Forscher erzeugen Tourette-Ticks bei Gesunden
Experiment liefert neue Hinweise zum Auslöser der unwillkürlichen Bewegungen und Laute
Auch Gesunde können plötzlich die seltsamen Ticks und Bewegungen von Tourette-Kranken entwickeln - wenn ein bestimmtes Areal ihres Gehirns durch Magnetfelder gereizt wird. Das zeigt ein Experiment von Forschern der Universität Düsseldorf und Kollegen aus Hamburg und Melbourne. Sie hatten untersucht, wo im Gehirn das beim Tourette-Syndrom häufige Echophänomen ausgelöst wird, eine Sonderform der Ticks. Bei dieser ahmen die Betroffenen unwillkürlich Bewegungen und Laute anderer Menschen nach. Dieses Verhalten konnten die Forscher im Experiment auch bei ihren gesunden Probanden auslösen, wenn sie ein an der Bewegungssteuerung beteiligtes Hirnareal reizten. Dieses Ergebnis deute darauf hin, dass dieses Hirnzentrum nicht nur Ticks, sondern auch das Echophänomen auslöse, berichten die Forscher im Fachmagazin "Cortex".
Forschungslandschaft Gehirn
Forschungslandschaft Gehirn
© Hemera
Diese Erkenntnis könnte dazu beitragen, das Tourette-Syndrom besser zu verstehen und damit zukünftig auch Menschen mit dieser Störung besser behandeln zu können. In Deutschland sind nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zwischen rund 300.000 bis 500.000 Erwachsene vom Tourette-Syndrom betroffen.

Menschen, die am Tourette-Syndrom leiden, führen häufig schnelle, unwillkürliche Bewegungen aus: Sie zucken beispielsweise mit der Schulter, reißen den Arm hoch oder nicken mit dem Kopf, ohne dass sie diese Bewegungen kontrollieren können. Einige dieser Bewegungen und auch Laute ahmen das Verhalten anderer Menschen nach, die sich gerade im Blickfeld des Betroffenen befinden.

"Die Ursachen und Mechanismen dieses Echophänomens sind bisher kaum untersucht worden", erklären Jennifer Finis von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und ihre Kollegen. Man wisse zwar, dass die sogenannte supplementär-motorische Rinde (SMA), ein an der Bewegungssteuerung beteiligter Hirnbereich, für die normalen Ticks eine Rolle spiele. Ob aber auch die Tourette-typische Nachahmung von Lauten und Bewegungen dort ihren Ursprung habe oder auf einen anderen Mechanismus zurückgehe, sei bisher ungeklärt.

Magnetfelder als Stimulanz und Störfaktor
Für ihre Studie unterzogen die Forscher 30 gesunde Freiwillige einer sogenannten transkraniellen Magnetstimulation (TMS). Eine an den Kopf gehaltene Sonde sendet dabei wiederholt starke Magnetpulse aus. Je nach Dauer der Pulse regen diese entweder die Aktivität des angepeilten Gehirnbereichs an oder aber legen sie lahm. Bei 15 Probanden stimulierten die Forscher durch diese Methode die supplementär-motorische Rinde, bei den restlichen 15 störten sie deren Funktion. Jeweils vor und nach der TMS zeigten die Forscher den Probanden drei verschiedene Videoclips, in denen ein Mensch eine spontane Bewegung durchführte - beispielsweise eine Augenbraue hob, mit dem Mund zuckte oder die Augen bewegte. Die Reaktionen der Teilnehmer wurden mittels Kamera gefilmt und hinterher ausgewertet.

Das Ergebnis: Die Probanden, deren SMA stimuliert worden war, ahmten die im Video gesehen Bewegungen häufig unwillkürlich nach - sie imitierten die Aktionen dreimal so häufig wie vor der Stimulation. Bei den Teilnehmern, bei denen die Funktion dieses Hirnareals blockiert wurde, änderte sich dagegen nichts. Das Experiment liefere damit erste Hinweise darauf, dass das SMA tatsächlich an beiden Tickformen beteiligt sei, sagen die Forscher. Als nächstes wollen sie testen, ob sich mit der transkraniellen Magnetstimulation möglicherweise die Ticks und Echophänomene bei Tourette-Patienten mildern lassen. (doi:10.1016/j.cortex.2012.08.019)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Tourette-Syndrom, Ticks, Echophänomen, Gehirn, supplementär-motorische Rinde, SMA, Gehirnstimulation, transkranielle Magnetstimulation, TMS, Magnetfelder
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Gehirnforschung
Elektrostimulation
Auge und Ohr
Wunder Gehirn
Savant-Syndrom
Dossiers zum Thema
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Rätsel Hirnschwund
Auf der Suche nach den Ursachen von Alzheimer und Parkinson
Seltene Krankheiten
Gibt es Hoffnung auf neue Therapien?
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
Alles mit links
Das Rätsel der Linkshändigkeit
Das Gehirn vor Gericht
Auf der Suche nach den neurobioloigischen Wurzeln der Moral
Das Rätsel der Savants
Auf Spurensuche bei „Rain Mans“ Geschwistern
Doping fürs Gehirn
Neuro-Enhancement und die Folgen
Synästhesie
Das Geheminis der „Farbenhörer“ und „Wörterschmecker“
Teamwork der Sinne
Auch die Augen hören mit
Der Kitt denkt mit
Geheimnisvolle Gliazellen im Gehirn
News des Tages
Ältestes Fossil eines fliegenden Fisches entdeckt
Selbst bei Monstern schauen wir zuerst auf die Augen
Forscher erzeugen Tourette-Ticks bei Gesunden
Affen: Zuschauer als Sexbremse
Bücher zum Thema
50 Schlüsselideen Psychologie
von Adrian Furnham
Das selbstbewusste Gehirn
Perspektiven der Neurophilosophie
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Top-Clicks der Woche
1. Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen
2. Eingeschleppter Käfer kämpft mit raffinierter Biowaffe
3. Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk
4. Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus
5. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund