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Samstag, 02.07.2016
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Europäischen Gewässern droht eine Pestizid-Schwemme

Klimawandel wird Spritzmitteleinsatz bis 2090 verdoppeln

Europas Gewässer werden im Jahr 2090 bis zu 23fach stärker mit Insektenvernichtungsmitteln belastet sein als bisher. Das prognostiziert eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Die Forscher hatten untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft und auf den Einsatz von Insektiziden auswirkt. Dabei habe sich gezeigt, dass mit steigenden Temperaturen der Schädlingsbefall wachse und damit auch der Einsatz der Bekämpfungsmittel. Diese Mittel werden dann in die Gewässer gespült.
Spritzmittel gegen Pflanzenschädlinge

Spritzmittel gegen Pflanzenschädlinge

Dadurch könnte sich der ökologische Zustand der Gewässer vor allem in Skandinavien, im Baltikum und in Mitteleuropa bis 2090 deutlich verschlechtern, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Ecological Applications“.

Steige die globale Mitteltemperatur um rund 2,8 Grad Celsius, wie vom Weltklimarat IPCC prognostiziert, dann werde sich europaweit der der Einsatz von Insektiziden bis zum Jahr 2090 gegenüber 1990 mehr als verdoppeln, prognostizieren Mira Kattwinkel vom UFZ und ihre Kollegen. Entsprechend mehr von diesen Mitteln gelangten dann auch in die Gewässer.

Starke Klimaerwärmung könnte Gewässersituation schneller verschlechtern


Sollte die Klimaerwärmung bis 2090 stärker ausfallen als 2,8 Grad, wovon viele Klimaforscher bereits ausgehen, dann könne sich die Situation der Gewässer noch schneller verschlechtern. „Sind die CO2-Emissionen und damit die Temperaturerhöhung höher, dann werden auch die ökologischen Risiken für die Gewässer schneller ansteigen und schon wesentlich früher die erwarteten Belastungen erreichen“, sagt Kattwinkel.


Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, Maßnahmen zu ergreifen, um den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in Gewässer drastisch zu minimieren. Neben einer Verminderung des Pestizideinsatzes könne dies auch durch die Einrichtung von Pufferzonen an Flüssen und Seen erfolgen. Durch solche ungespritzten Schutzzonen werden weniger Pestizide vom Regen in den Fluss gespült.

Nordeuropa und Teile Deutschlands stark betroffen


Wie die Forscher berichten, wird es in punkto Insektizideinsatz große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern geben. Die stärksten Veränderungen erwarten die Forscher künftig in den nordeuropäischen Ländern. Die bisher sehr sauberen Flüsse und Seen Schwedens, Finnlands und der drei baltischen Staaten würden durch intensivere Landwirtschaft und stärkeren Spritzmitteleinsatz ähnlich stark belastet wie bereits heute die Gewässer im dicht besiedelten und stark landwirtschaftlich geprägten Mitteleuropa.

Aber auch die Gewässer in weiten Teile Deutschlands würden dann zu den rund 40 Prozent in Europa gehören, die keinen guten ökologischen Zustand mehr erreichten, sagen die Forscher. Das Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie, einen guten chemischen und ökologischen Zustand der Gewässer herzustellen und dauerhaft zu halten, werde daher in Zukunft noch schwerer zu erreichen sein.

Veränderungen von 1990 bis 2090 modelliert


Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler unter anderem Daten zur Menge der im Ausgangsjahr 1990 eingesetzten Insektizide, zu den angebauten Kulturpflanzenarten und der Landnutzung für die europäische Union ausgewertet. Nicht berücksichtigt werden konnten aus Mangel an Daten lediglich Slowenien, Zypern sowie die jüngsten EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien.

Ausgehend von der Ausgangssituation von 1990 modellierten die Forscher dann die Entwicklung für 2090. Diese Prognose beruhte auf dem Worst-Case-Szenario, das der Weltklimarat IPCC in seinem Bericht von 2007 veröffentlichte. Die Klimaforscher gehen darin von einem Anstieg der globalen Mitteltemperaturen von 2,8 Grad Celsius aus. (Ecological Applications, 2011; doi: 10.1890/10-1993.1)
(Ecological Applications / Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) / dapd, 08.12.2011 - NPO)