Weibliche Alpenmurmeltiere profitieren von ein wenig Testosteron vor der Geburt Murmeltiermänner stehen auf attraktive Kratzbürsten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Weibliche Alpenmurmeltiere profitieren von ein wenig Testosteron vor der Geburt

Murmeltiermänner stehen auf attraktive Kratzbürsten

Alpenmurmeltier (Marmota marmota) © François Trazzi / GDL

Wiener Wissenschaftler haben entdeckt, dass weibliche Alpenmurmeltiere, die in der Gebärmutter zwischen Brüdern liegen, später fruchtbarer sind als jene, die neben Schwestern liegen. Schuld daran seien männliche Hormone, die über das Fruchtwasser zu ihnen übertragen werden und sich auf die Dominanz der Weibchen als Erwachsene auswirken.

Dominante Weibchen haben eine größere Chance, eine viele Nachkommen zur Welt zu bringen, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Mammal Review“.

Ein Paar dominiert alle anderen Tiere

Alpenmurmeltiere (Marmota marmota) leben in Familiengruppen von bis zu 20 Individuen. Die Gruppen bestehen aus einem dominanten Paar und einer Reihe von untergeordneten Einzeltieren, in der Regel Nachkommen des dominanten Paares.

Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur in Wien und Walter Arnold von der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben nun über einen Zeitraum von 14 Jahren den Fortpflanzungserfolg – in der Regel gemessen an der Zahl der Nachkommen – weiblicher Alpenmurmeltiere über ihre gesamte Lebensdauer untersucht. Dabei handelte es sich um eine frei lebende Population im Nationalpark Berchtesgaden.

Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass Weibchen aus überwiegend männlichen Würfen aggressiveres Verhalten entwickeln. Dies ist wichtig, da mehr Aggression zu Dominanz führt, und nur das dominante Weibchen in einer Gruppe die Chance zur Reproduktion bekommt.

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Testosteron der Brüder wirkt im Uterus

Um die Position weiblicher Föten in der Gebärmutter zu bestimmen, verwendeten Hackländer und Arnold eine nichtinvasive Wiederfangtechnik: Sie fingen durchschnittlich 141 Murmeltiere pro Jahr, kennzeichneten sie und ließen sie wieder frei. So sammelten die Forscher Daten über die Gruppenzusammensetzung, die weibliche Reproduktionsleistung, und die Verwandtschaft unter den Gruppenmitgliedern.

Durch die Bestimmung des Anteils an Männchen in einem Wurf, konnten die Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass weibliche Gruppenmitglieder in der Gebärmutter neben männlichen Geschwistern gelegen hatten: Bei überwiegend männlichen Würfen besteht eine größere Chance, dass sich ein Weibchen neben ein oder zwei Männchen entwickelt.

Die Forscher hatten erwartet, bei solchen Weibchen höhere Aggression zu beobachten, waren aber überrascht, dass der Fortpflanzungserfolg der aggressiveren Weibchen durch die pränatale „Vermännlichung“ nicht litt.

Streitbare Weibchen bevorzugt

Frühere Laborstudien an anderen Tierarten haben auch bereits einen Einfluss der Position in der Gebärmutter auf die weibliche Entwicklung gezeigt. In Mäusen (Mus musculus) sind beispielsweise weibliche Mäuse, die in utero zwischen zwei Männchen lagen, auch aggressiver, was sich bei dieser Art aber negativ auf den reproduktiven Erfolg auswirkt.

Bei Alpenmurmeltieren scheint das Gegenteil der Fall zu sein: je mehr Männchen in einem Wurf, desto besser die Chance für Weibchen, dominant und daher reproduktiv erfolgreicher zu sein. Ein höherer Testosteronspiegel während der Embryonalentwicklung scheint weiblichen Murmeltieren also einen Vorteil über andere Weibchen einer Population zu verschaffen.

„Männliche Murmeltiere paaren sich nur mit dem dominanten Weibchen in einer Gruppe, und da stört es sie offenbar nicht, dass diese ein bisschen streitbar sind – das müssen sie ja sein, um ihre Leiterinnenposition zu erreichen“, erklärt Arnold.

(Veterinärmedizinischen Universität Wien, 09.12.2011 – DLO)

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