• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 10.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Mikrobenleben unter Mars-Bedingungen

Neu entdeckte arktische Methan-Quelle als Modell für Mars-Umwelt

Der überraschende Fund von bisher unbekannten Mikroorganismen in einer extrem kalten, sauerstofffreien und salzigen Quelle in der kanadischen Arktis wirft neues Licht auf die Lebensmöglichkeiten auf unserem Nachbarplaneten: Denn die Bedingungen in der neu entdeckten Quelle ähnelt stark denen auf dem Mars. Nach Ansicht kanadischer Forscher könnte sie sogar als Modell für die noch immer rätselhaften Methanplumes auf dem Mars dienen.
Blick auf die Lost Hammer Quelle auf der Axel Heiberg Insel

Blick auf die Lost Hammer Quelle auf der Axel Heiberg Insel

Die zu einem großen Teil von Eis bedeckte Axel Heiberg Insel liegt im arktischen Norden Kanadas, zwischen dem 78. und 81 nördlichen Breitengrad. Hier entdeckten Wissenschaftler eines kanadischen Forscherteams kürzlich eine Quelle, die scheinbar lebensfeindlichste Bedingungen bietet: Das Wasser der „Lost Hammer“-Quelle ist so kalt, dass es trotz hoher Minusgrade nicht gefriert, nutzbarer Sauerstoff fehlt völlig. Stattdessen steigen hier immer wieder große Blasen von Methangas an die Oberfläche. Aber woher stammt es?

Unbekannte „Methanfresser“ trotzen Salz und Kälte


Um herauszufinden, ob das Methangas biologischen oder geologischen Ursprungs ist, schauten sich die Wissenschaftler das Wasser in der Quelle genauer an – und entdeckten Überraschendes. Denn sie stießen nicht nur auf unerwartetes Leben in diesen extremen Bedingungen, es handelte sich dabei auch noch um eine völlig neue, einzigartige Mikrobenform.

„Wir waren überrascht, dass wir keine methanogenen, Methan erzeugenden Bakterien in Lost Hammer fanden“, erklärt Lyle Whyte, Mikrobiologe der kanadischen McGill Universität. Aber wir fanden andere sehr einzigartige anaerobe Organismen – Organismen, die überleben, indem sie Methan fressen und vermutlich Sulfat statt Sauerstoff atmen.“


Rinnen im Kraterrand des Russell Krater

Rinnen im Kraterrand des Russell Krater

Ähnliche Bedingungen auch auf dem Mars


Spannend wird dieser Fund vor allem furch seine Implikationen für Leben auf anderen Planeten, vor auf dem Mars, der ähnliche Extrembedingungen bietet. Denn auch auf den Roten Planeten gibt es Methan und gefrorenes, möglicherweise sogar zeitweilig flüssiges Wasser. „Wenn man eine Situation mit sehr kaltem, salzigen Wasser hat, könnte es in ihm eine mikrobielle Lebensgemeinschaft geben, selbst unter diesen extrem lebensfeindlichen Bedingungen“, so Whyte. „Es gibt Orte auf dem Mars, wo die Temperatur relativ warme minus zehn bis null Grad erreicht und sogar über null Grad steigen kann. Auf Axel Heiberg reicht es dagegen locker bis auf minus 50 Grad hinab.“

Modell für marsianische Methanquellen und Rinnen?


Erst vor kurzem sind auf dem Mars sich verändernde Rinnen in Kraterwänden entdeckt worden, die möglicherweise durch temporär auftauende und an die Oberfläche dringende Flüssigkeit aus dem Untergrund erzeugt worden sein könnten. Bereits im Jahr 2009 stießen Wissenschaftler auf räumlich und zeitlich stark variierende Methanplumes in der Marsatmosphäre, für deren Entstehung bisher noch keine eindeutige Erklärung existiert.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die Lost Hammer Quelle durchaus einige Antworten für diese offenen Fragen liefern. Denn ihrer Ansicht nach wäre es nicht unwahrscheinlich, dass ähnliche Mechanismen wie in der irdischen Quelle auch auf dem Roten Planeten wirken. Und dann wäre theoretisch auch die Existenz extremophiler Mikroorganismen dort nicht ausgeschlossen. „Dieser Ort liefert uns auch ein Modell, wie sich eine Methanquelle in einer gefrorenen Welt wie dem Mars bilden könnte“, erklärt der Mikrobiologe. „Das gilt besonders für die vor kurzem entdeckten Methanplumes.“
(McGill University, 08.06.2010 - NPO)
 
Printer IconShare Icon