Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Leichte Babys kommen früher in die Pubertät
Studie stellt Zusammenhang zwischen Pubertätsbeginn und Geburtsgewicht her
Kinder, die zur Geburt weniger als 3.000 Gramm wiegen, kommen einige Monate früher in die Pubertät als Kinder mit einem höheren Geburtsgewicht. Das haben jetzt deutsche Wissenschaftler herausgefunden. Je früher die Pubertät eintritt, desto größer ist zudem das Risiko, an Brust- oder Hodenkrebs zu erkranken.

Säugling
Säugling
© SXC Säugling
Die Wissenschaftler der Universität Bonn und der Hochschule Fulda empfehlen daher werdenden Müttern im „American Journal of Clinical Nutrition“ in der Schwangerschaft auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.

Wachstumsspurt kommt vor Regelblutung
Das Bonner Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erfasst seit 1985 Ernährungsgewohnheiten, Größe und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die Teilnehmer werden als dreimonatige Säuglinge in die Studie aufgenommen und bis zum Erwachsenenalter regelmäßig untersucht. In die aktuelle Untersuchung wurden 215 Jungen und Mädchen eingeschlossen.

Aus den Daten haben die Forscher im Rahmen eines vom World Cancer Research Fund geförderten Gemeinschaftprojektes für jeden ihrer Probanden eine Wachstumskurve ermittelt. Daran konnten sie dann Beginn und Verlauf der Pubertät ablesen. „Kurz vor Eintritt der Pubertät wachsen Kinder am langsamsten“, erklärt Anette Buyken vom FKE. „Im zweiten Pubertätsdrittel schießen sie dagegen regelrecht in die Höhe.“ Etwa ein Jahr nach diesem Wachstumsspurt haben Mädchen die erste Regelblutung.

Geringes Gewicht – frühe Pubertät
„Wir haben nun diese Pubertätsmarker zu verschiedenen Faktoren in Bezug gesetzt - darunter Geburtsgewicht, Stillen und Gewicht der Eltern“, sagt Buykens Kollegin Nadina Karaolis-Danckert. „Dabei sind wir auf zwei signifikante Zusammenhänge gestoßen: Waren die Kinder bei der Geburt leichter als 3.000 Gramm, setzte bei ihnen die Pubertät im Schnitt sieben Monate früher ein. Die Mädchen aus dieser Gruppe hatten auch früher ihre erste Regelblutung.“

Der zweite Befund: Kinder, die in ihren ersten zwei Lebensjahren überproportional stark an Gewicht zulegten, kamen im Schnitt vier Monate früher in die Pubertät. Die erste Regelblutung dieser Mädchen war um neun Monate nach vorne verlegt.

Ein Jahr Verzögerung verringert das Brustkrebsrisiko
Der Zeitpunkt der ersten Menstruation beeinflusst nach Angaben der Forscher das Brustkrebsrisiko deutlich. Dabei gilt das Motto „je später, desto besser“. Schon ein halbes Jahr Verzögerung senkt das Risiko um vier bis fünf Prozent - das wären weltweit 40.000 Brustkrebserkrankungen pro Jahr weniger.

In den westlichen Industrieländern beobachtet man allgemein den Trend, dass Jugendliche immer früher in die Pubertät kommen. Gleichzeitig hat das durchschnittliche Geburtsgewicht in den letzten Jahren leicht zugenommen. Projektleiterin Professorin Anja Kroke von der Hochschule Fulda vermutet, dass es heute zwar mehr schwere Neugeborene gebe als früher, aber auch mehr leichte.

Keine Diät in der Schwangerschaft
„Zu einem verringerten Geburtsgewicht kann es beispielsweise kommen, wenn Frauen in der Schwangerschaft Diät halten, um eine übermäßige Gewichtszunahme zu vermeiden“, sagt sie. „Allerdings fehlt es dazu noch an belastbaren Daten. Dennoch empfehlen wir werdenden Müttern, ganz besonders auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.“

Außerdem schützt auch Rauchverzicht in der Schwangerschaft vor einem niedrigen Geburtsgewicht, so die Wissenschaftler. Nach der Geburt kann Stillen dazu beitragen, eine schnelle Gewichtszunahme - mit ihren negativen Folgen - zu verhindern.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Neugeborene, Kinder, Pubertät, Gewicht, Ernährung, Krebs, Regelblutung
Weitere News zum Thema
Testosteron verzögert Sprechenlernen (27.01.2012)
Hormongehalt im Nabelschnurblut gibt Hinweise auf spätere Sprachentwicklung
Auch Tiere nehmen Medizin (31.10.2011)
Menschen und Tiere nutzen gleiche Strategien gegen Krankheiten
Säuglingssterblichkeit: Afrika hinkt hinterher (01.09.2011)
Anzahl der weltweiten Todesfälle unter Neugeborenen sinkt - aber nicht überall gleich schnell
Eingefrorene Embryonen werden häufiger übergroße Babys (06.07.2011)
Einfrieren von Embryos vor dem Einpflanzen könnte deren Genaktivität verändern
Mehr Jungs durch radioaktive Strahlung (27.05.2011)
Ionisierende Strahlung führt zu einer Verschiebung des Geschlechtsverhältnisses bei der Geburt
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Essstörungen
Ernährung
Dossiers zum Thema
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Apoptose – der programmierte Zelltod
Die Lizenz zum Töten
Functional Food
Fitmacher oder Mogelpackung?
Tabak
Vom Geschenk der Götter zum Umweltkiller
Der eigene Körper im Zerrspiegel
Neuropsychologische Grundlagen von Essstörungen
News des Tages
Klimawandel: Ozonloch schützt Antarktis
Genvariante lässt Spermien flitzen
Deutsche Klimabilanz nur Mittelmaß
Hirn-Vernetzung verhindert Schmerzen
Pflanzen als Durstkünstler?
Gehirn: Stirnlappen wichtig für "guten Ruf"
Leichte Babys kommen früher in die Pubertät
Bücher zum Thema
Phänomen Mensch
Körper, Krankheit, Medizin von Andreas Sentker und Frank Wigger
Wunder Mensch
Eine Reise durch unseren Körper von Alexander Tsiaras und Barry Werth
Die Suppe lügt
Die schöne neue Welt des Essens von Hans-Ulrich Grimm
Der kleine Medicus
von Dietrich H. W. Grönemeyer
Wunder Mensch
Eine Reise durch unseren Körper von Alexander Tsiaras und Barry Werth
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes