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Dienstag, 27.06.2017
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Gesund durch Mamas Nähe

Wie Hautkontakt die frühkindliche Entwicklung steuert

Mit Berührung fängt alles an. Der erste, intensive Kontakt zwischen Mutter und Kind nach der Geburt findet über den Tastsinn statt. Noch bevor der Säugling richtig die Augen geöffnet hat, kann er Körperwärme und streichelnde Hände spüren. Das Zusammenspiel von Sinneszellen der Haut und dem Gehirn ist so gut ausgeprägt wie kein anderer Sinn zu diesem Zeitpunkt – und entwickelt sich erstaunlich früh.

Körperkontakt stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind - und fördert die Entwicklung des Babys.

Schon in der achten Schwangerschaftswoche nimmt der Embryo sich selbst und seine Umgebung über die Haut wahr. Er reagiert auf Reize im Lippenbereich und greift wenige Wochen später nach der Nabelschnur. Auch die Grenzen des immer enger werdenden Mutterleibs erfährt er auf diese Weise.

Hat das Neugeborene diesen schützenden Kokon verlassen, ist Körperkontakt das, was ihm Geborgenheit gibt. Auf dem Bauch der Mutter beruhigt es sich nach dem stressigen Geburtsvorgang schnell. Saugt es dann zum ersten Mal an der Brust, entsteht eine noch stärkere körperliche Verbindung.

Frühchen profitieren vom Känguruen


Der Kontakt zur Mutter und anderen Bezugspersonen ist für die gesunde Entwicklung des Kindes von enormer Bedeutung. Die angenehmen Reize auf der Haut stellen dabei nicht nur das für die Psyche wichtige Gefühl von Sicherheit her und stärken die soziale Bindung. Sie fördern auch die Reifung des Gehirns sowie die Ausschüttung von Wachstumshormonen.

Vor allem Studien mit Frühgeborenen offenbaren, wie wichtig die stete Berührung ist: Zwar brauchen Frühchen die Intensivmedizin zum Überleben und müssen durch ärztliches Personal betreut werden. Ihre Entwicklung aber kann bedeutend verbessert werden, wenn sie regelmäßig den Inkubator verlassen und für längere Zeit gut zugedeckt auf der nackten Brust der Eltern liegen dürfen.

Studien zeigen: Die Kinder legen dank der sogenannten "Känguru-Methode" schneller an Gewicht und Kopfumfang zu. Zudem leiden sie seltener an schweren Infektionen, schreien weniger und schlafen ruhiger. Oft können Neugeborene, die auf diese Weise die intensive Nähe ihrer Eltern genießen, früher aus dem Krankenhaus entlassen werden. Vor allem bei sehr kleinen Frühchen scheint das Känguruen sogar die Sterblichkeit zu reduzieren.

Effekte bis ins Schulalter hinein


Doch die Berührung wirkt sich nicht nur unmittelbar auf das Wohlergehen der Babys aus. Offenbar profitieren Kinder noch bis ins Schulalter hinein von dem vermehrten Hautkontakt nach der Geburt. So stellten israelische Wissenschaftler im Rahmen einer Untersuchung fest, dass frühgeborene Kinder in ihrer ersten Lebensdekade besser schliefen, weniger stressanfällig und kognitiv leistungsfähiger waren, wenn bei ihnen die Känguru-Methode praktiziert worden war.

Dabei scheint das Känguruen sogar einige für Frühgeborene typische Defizite in der Gehirnentwicklung vollständig ausgleichen zu können – unter anderem in den für die Bewegungssteuerung und Koordination wichtigen Bereichen, wie ein kanadisches Forscherteam herausfand.

15-Jährige, die lange vor ihrem errechneten Geburtstermin zur Welt gekommen und mit dieser Methode betreut worden waren, zeigten demnach im Motorcortex vergleichbare Hirnreaktionen wie zum Geburtstermin Geborene. Im Vergleich dazu schnitten Jugendliche, die als Frühchen lediglich standardmäßig behandelt worden waren, etwas schlechter ab.

Sich als Baby die Nähe liebender Bezugspersonen immer wieder ertasten zu können, setzt demzufolge Prozesse in Gang, die den weiteren Verlauf des Lebens maßgeblich mitbestimmen – womöglich ist diese Fähigkeit sogar überlebenswichtig: Wird gesunden Affenbabys der Körperkontakt zur Mutter entzogen, können sie sterben.
Daniela Albat
Stand: 02.09.2016
 
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