Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Scinexx-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 22.10.2014
Facebook-Leiste

90° Süd

Kampf ums Überleben

Nach der Überwinterung brechen beide Teams im Frühjahr 1911 zu ihrem Wettlauf zum Pol auf, Amundsen am 19. Oktober 1911, Scott am 1. November.

Amundsens Team am Pol

Amundsens Team am Pol

Amundsens Team legt die Strecke bis zum 85 Breitengrad in Windeseile zurück, die Männer auf Skiern und die Hunde vor die Vorratsschlitten gespannt. Schon am 16. November erreichen sie den Fuß der Bergkette, über die sie auf das 3000 Meter hohe Polarplateau vordringen müssen. Bis zum Pol sind es von hier aus noch rund 500 Kilometer. Aber dieser Abschnitt hat es in sich. Der Aufstieg über den steilen und zerklüfteten Axel-Heiberg-Gletscher kostet Menschen und Hunde enorme Kräfte. Am 20 November erreichen sie zwar das 3600 Meter hohe Plateau, müssen aber die 24 schwächsten ihrer 46 Hunde töten, und werden zudem von einem tagelang wütenden Schneesturm aufgehalten.

Zur gleichen Zeit ist Scott noch immer auf dem Weg zum Beardsmore-Gletscher, dem von ihm gewählten Zugang zum Polarplateau. Durch die einsinkenden Ponies gehandicapt und von Schneestürmen aufgehalten, erreichen er und seinen Begleiter am 9. Dezember den Fuß des gewaltigen Eistroms, der zu dieser Zeit der größte aller bekannten Gletscher der Antarktis ist. Obwohl die geschwächten Pferde geschlachtet werden müssen und die Huskies im Gegensatz zu Männern und Pferden die einzigen sind, die bisher kaum gelitten haben, entschließt sich Scott, die Hundegespanne zurückzuschicken. Damit besteht Scotts Team nur noch aus 12 Männern, die ihre Schlitten jeden Zentimeter des langen Wegs zum Pol selber ziehen müssen.

Während sich Scotts Gruppe noch mühsam den Weg den langen Gletscher hinauf bahnt, hat Amundsen bereits Shackletons "südlichsten Punkt" von 1907 überschritten. Das Hundeschlittenteam kommt trotz Schneesturm gut voran und nähert sich unaufhaltsam seinem Ziel: 90 Grad Süd. Am 14.Dezember 1911 ist es soweit: Amundsen und seine vier Begleiter hissen die norwegische Flagge am Südpol. Ironie des Schicksals: Eigentlich hattte Amundsen immer nur zum Nordpol gewollt, er schreibt abends in sein Tagebuch: "ich kann nicht sagen, dass damit das Ziel meines Lebens erreicht war...Die Gegend um den Nordpol hat mich seit meiner Kindheit angezogen, und nun war ich hier am Südpol. Kann man sich etwas Verdrehteres vorstellen?"

Für Scott ist das Rennen damit verloren, ohne dass er es ahnt. Während Amundsen und sein Team bereits glücklich mit zwei Schlitten und 16 gesunden Hunden den Heimweg antreten, erreichen Scott und seinen Begleiter am Silvestertag den 87 Breitengrad. Sie sind noch 320 Kilometer vom Pol entfernt und bereits jetzt fast am Ende ihrer Kräfte. Jeder der Männer hat einen 90 Kilogramm schweren Schlitten zu ziehen und die Nahrung reicht gerade eben, um nicht zu verhungern, eine Stärkung bedeutet sie nicht.

Böse Überraschung am Ziel


Am 15. Januar 1912, einen Tagesmarsch vom Pol entfernt, notiert Scott in seinem Tagebuch: "Jetzt müssten wir es geschafft haben." Dies sollte die letzte hoffnungsvolle Eintragung Scotts bleiben. Schon am Nachmittag des nächsten Tages sind alle ihre Hoffnungen zerstört. Von weitem sehen sie bereits Schlittenspuren und das verlassene Camp der Norweger. "Das sagte uns alles. Es ist eine furchtbare Entäuschung. ..Jetzt liegt der Heimweg vor uns und es wird ein verzweifelter Kampf. Ich frage mich, ob wir es schaffen werden."

Sie sollten es nicht schaffen. Am 17. Februar 1912 erreichen sie den Fuß des Beardmoregletschers, doch Evans, der scheinbar kräftigste der fünf, bricht zusammen und stirbt. Einen Monat später sucht Oates in einem Schneesturm den sicheren Tod. Die restlichen drei Männer versuchen zermürbt von Hunger, Kälte und Anstrengung ihr "Ein-Tonnen-Depot" auf dem Schelfeis zu erreichen - vergeblich. Ein Schneesturm zwingt sie zu lagern, und nach einer Woche sind die Vorräte aufgezehrt. Alle drei sehen dem Hunger- und Kältetod entgegen. Am 29. März 1912 macht Scott seinen letzten Tagebucheintrag: "Wir können jetzt nicht mehr auf Besserung hoffen....Wir werden immer schwächer und das Ende kann nicht mehr fern sein. Es ist schade, aber ich kann nicht mehr weiterschreiben. R.Scott."

Das Zelt mit den drei Leichen findet ein Suchtrupp erst im darauffolgenden Frühling - sie waren nur 18 Kilometer vom rettenden Nahrungsdepot entfernt gestorben.

Stand 15.01.2000