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Von Teufelslöchern und kollabierenden Salzstöcken
„Pockennarben“ auch in Deutschland

Eisinger Loch 
Eisinger Loch
© Hans-Peter Scholz/ GFDL   Eisinger Loch
Das Teufelsloch in Nordschwaben, das neue und das alte Eisinger Loch im baden-württembergischen Enzkreis, die berühmten Erdfälle von Vlotho aus dem Jahr 1970: Alle diese Beispiele zeigen, dass die Erdoberfläche nicht nur in Kroatien, Venezuela oder den USA „Macken“ hat, sondern auch bei uns.

Gerade in Norddeutschland haben die existierenden Einsturzkrater aber oft eine andere Ursache. Denn dort ist es nicht Kalkstein, der im Untergrund durch Wasser aufgelöst wird, sondern Salz. Zu dramatischen Absenkungen des Bodens kommt es immer dann, wenn die oft mehrere hundert Millionen Jahre alten mächtigen Salzstöcke durch die Arbeit des Wassers so löchrig und instabil werden, dass sie zusammenbrechen.

So geschehen beispielsweise vor rund 12.000 Jahren im heutigen Niedersachsen. In einem ehemaligen Loch hat sich seit der letzten Eiszeit ein 5,5 Quadratkilometer großer See gebildet, das Zwischenahner Meer. Dieses ist für Urlauber attraktiv und bietet zudem reichlich Platz für eine einzigartige, artenreiche Fauna und Flora. Rund um das Gewässer gibt es unter anderem Schilfrohr, Rohrkolben, Seerosen, aber auch viele Vögel und Fische.

Klimakapriolen inklusive
 Funtensee
Funtensee
© Robert Schichtl/ GFDL  Funtensee
Dass Dolinen und Erdfälle nicht nur wertvolle Biotope sind, sondern auch für Klimakapriolen sorgen können, zeigt dagegen das Beispiel Funtensee. Gebildet hat sich die Senke im Nationalpark Berchtesgaden bereits vor langer Zeit. Aber nicht durch einen Einsturz, sondern durch die Auflösung des Kalkgesteins an der Oberfläche mithilfe von Wasser.

Ein Gletschervorstoß während der letzten Eiszeit sorgte dann dafür, dass die entstandene Mulde im Gelände immer tiefer wurde. Das von den weißen Riesen zurückgelassene Gesteins- und Schuttmaterial verstopfte zudem die Abflüsse der Senke, so dass sich mit der Zeit ein See bilden konnte.

Kältester Fleck in Deutschland
Heute gilt der 1.601 Meter hoch gelegene Funtensee als kältester Ort Deutschlands. Meteorologen haben dort Ende des Jahres 2001 -45,9 Grad Celsius gemessen – ein Kälterekord. Doch warum gerade hier? Forscher erklären dies mit der ungewöhnlichen Lage des Sees und mit der besonderen Gestalt der Senke.

So liegt die Funtenseedoline fast vollständig eingezwängt zwischen hohen Felswänden. Wenig Sonne, kaum Winde, Wolken oder Nebelfelder, die die nächtliche Luftabkühlung verhindern, sind die Folge. Im Winter fließt darüber hinaus eiskalte Luft über die glatte Schneedecke in die Funtenseemulde hinab und sammelt sich dort in großen Mengen an – ein so genannter Kaltluftsee entsteht.

„Man kann mit mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass der Funtensee - was das absolute Minimum betrifft - der kälteste Fleck in Deutschland ist. Vielleicht auch der kälteste Ort in Mitteleuropa oder sogar in Europa“, sagt der Wetterexperte Jörg Kachelmann im Interview mit dem Berchtesgadener Anzeiger. Die von ihm gegründete Firma Meteomedia war für die Rekord-Messungen verantwortlich.

Sogar minus 55 Grad möglich?
Der Meteorologe erklärt aber auch, warum solche sibirischen Verhältnisse auch am Funtensee nur ganz selten gemessen werden. „Das Timing muss aber genau stimmen, weil dieses Kältefenster nur einen ganz kurzen Moment dauert, vielleicht zwei oder drei Stunden. Es funktioniert ja erst, wenn der Wind aufgehört hat und es muss genau in die Nachtzeit hineinpassen. Es müssen ganz viele Dinge zusammenpassen, damit dieser Temperaturrekord überhaupt stattfinden kann. Von der Luftmasse her sind minus 55 Grad möglich.“

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