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Neues aus der Unterwelt

Höhlen und Kanäle im Roten See

So erfolgreich die biologische Volkszählung vor Ort auch ist, noch mehr interessiert die Wissenschaftler ein anderes Phänomen am Roten See: Höhlen. Systematisch suchen sie deshalb unter Wasser die Kraterwand ab und stoßen dabei schon bald in 15 Meter Tiefe auf einen Eingang, der sich bei näherer Untersuchung als Beginn eines verzeigten Höhensystems entpuppt – teils wassergefüllt, teils trockenliegend und mit einem winzigen See an seinem Ende. Biologen stoßen in diesem Labyrinth, das auch einen Ausgang über Wasser hat, auf zahlreiche Kreaturen der Unterwelt wie Pilze, Asseln, Fische oder Fledermäuse.

Richtig spannend wird es jedoch, als die Forscher mit den Tieftauchgängen beginnen. Denn noch immer haben sie trotz aller Anstrengungen keinen Hinweis auf einen unterirdischen Zufluss zum See entdeckt. In 169 Metern Tiefe werden die Taucher um Thomas Behrend, Jens Hilbert und Bernd Aspacher schließlich doch fündig: „Plötzlich ist die Wand vor mir verschwunden, ich schaue auf meinen Tiefenmesser: 169 Meter. Im Bruchteil von Sekunden realisiere ich: das muss ein Quellstollen sein! Doch wie gewaltig ist dieser! Ich schätze die Sicht auf circa 30 Meter, aber weder links noch rechts noch unter mir ist ein Ende der Röhre zu erkennen.“, berichtet Thomas Behrend in seinem Expeditionstagebuch über den Moment der Entdeckung.

Unterwasserroboter im Einsatz

Doch handelt es dabei tatsächlich um den erhofften Grundwassereinstrom? Endgültige Klarheit bringt schließlich ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter. Das ROV tastet sich vorsichtig in immer größere Tiefen vor und schließlich auch weit in den Querstollen hinein. Die Bilder, die Kamera an Bord des ROV liefert, lassen kaum Zweifel zu: Das Wasser des Schachtes strömt tatsächlich in den See hinein. Damit ist das Hauptziel des Projektes erreicht.

Mehr als ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten vor Ort, im Mai 2000, stellen die Expeditionsmitglieder Bernd Aspacher, Ralf Haslinger, Ulrich Meyer und Anke Oertel ihre Ergebnisse über den Crveno Jezero in den NSS News, dem monatlichen Magazin der National Speleological Society (NSS) der USA vor. Professor Mladen Garažič von der Universität Zagreb, einer der Leiter des Forschungsprojektes, berichtet zudem in einem Vortrag auf dem International Congress of Speleology 2001 in Brasilien über die zahlreichen Entdeckungen des internationalen Forscherteams.

Kleiner Bruder wartet auf Erforschung

Doch auch nach der erfolgreichen Expedition Ende der 1990er Jahre sind längst noch nicht alle Rätsel um den Roten See gelöst. Unklar ist bis heute beispielsweise, wo der Ursprung des entdeckten Kanals ist und ob das zugehörige Grundwasserreservoir tatsächlich für die Trinkwassergewinnung genutzt werden kann. Dies müssten zusätzliche Untersuchungen in den nächsten Jahren klären – wenn sie denn stattfinden.

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Zudem wartet noch ein anderes ähnliches Phänomen in der Region auf eine ausführliche Erforschung. Denn der Rote See ist kein Einzelfall. Noch näher an der Stadt Imotkski liegt dessen „kleinerer Bruder“, der Blaue See, kroatisch Plavo Jezero. Sein Krater ist mit einem Durchmesser von 600 Meter sogar größer als der des Crveno Jezero (circa 450 Meter).

Auch er ist vermutlich beim Einsturz von Höhlendecken entstanden, besitzt aber keinen Zufluss – weder unter- noch überirdisch – und wird allein durch Niederschläge gespeist. In trockenen Jahren kann es deshalb vorkommen, dass er vollständig austrocknet und dann auf dem eigentlichen Seeboden Fußballspiele durchgeführt werden.

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Stand: 08.02.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

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Wasser ist der Schlüssel
Chemische Verwitterungsprozesse im Gestein

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Der Rote See in Kroatien

Expedition mit Nervenkitzel
Forscher untersuchen Crveno Jezero

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Höhlen und Kanäle im Roten See

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