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Sonntag, 18.11.2018
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Der Reißverschluss öffnet sich

Die Afar-Senke reißt ein

Wenn Geophysiker das Brodeln, Beben und Brechen der Afrikanischen Platte untersuchen wollen, sind ihre Ziele meist die Afar-Senke in Äthiopien und der Golf von Tadjoura in Dschibuti. Die Länder an der Ostküste Afrikas liegen gegenüber der spitzen Ecke der Arabischen Halbinsel, die das Roten Meer bis auf eine kleine Fahrstraße vom Golf von Aden abtrennt. In dieser Region ist die Bewegung des Kontinents zu spüren, denn die Zukunft ist hier schon Gegenwart: Afrika reißt auseinander.

Der Golf von Tadjoura reißt auf

Der Riss scheint zunächst wie eine Verlängerung der Plattengrenze zwischen Afrikanischer und Arabischer Platte. Aus dem Golf von Aden läuft er parallel zur Arabischen Südküste auf Afrika zu. Im Meer hat sich zwischen den Plattenkanten ein Scheitelgraben von bis zu 1.500 Metern Tiefe gebildet, der mit Unterwasser-Vulkanen gespickt ist. Wie bei den großen ozeanischen Rücken im Atlantik oder Pazifik entsteht hier neues Krustenmaterial. Aufsteigendes Magma härtet zu basalthaltigem Ozeanboden aus und schiebt damit die Platten um bis zu zwei Zentimeter pro Jahr auseinander. Was ursprünglich einmal als kleine Schwachstelle in der Erdkruste angefangen hat, reißt seit 30 Millionen Jahren auf. Je näher der arabisch-afrikanische Rücken der Küste Afrikas kommt, desto schmaler, flacher und jünger wird er.

Doch die Spreizkräfte schieben nicht nur den Ozeanboden auseinander, sondern machen auch vor den Landmassen nicht halt. Die Küste von Dschibuti ist bereits mehrere Kilometer tief eingerissen. Dort, wo der Rücken sich in das Landesinnere vorschiebt liegt heute der Golf von Tadjura. Die Küsten sind steile, schwarze Wände aus Basalt – entstanden im ozeanischen Rücken.

Ein trockener Ozeanboden


Eine Kluft spaltet Afrika

Eine Kluft spaltet Afrika

Erst 70 Kilometer landeinwärts von der Hafenstadt Dschibuti ist der „Assal-Rift“ noch nicht so tief eingerissen, dass das Meer ihn auffüllt: Von steilen Bruchstufen flankiert zeigt sich hier die Entstehung eines ozeanischen Rückens an Land. Sonst unter mehr als 10.000 Metern Wasser versteckt, können Geologen hier die Produktion neuer Erdkruste trockenen Fußes beobachten.

Vom Ende der Bucht zieht sich ein sechs Kilometer breiter Graben gradlinig ins Landesinnere. An beiden Seiten ragen steile Talwände auf, die parallel zum Graben wie riesige Treppen in das Hinterland führen. Die beiden Hänge stehen sich hier als Ufer zukünftiger Kontinente gegenüber. Schon heute sprechen die Geologen nicht mehr vom nördlichen Teil der afrikanischen Platte als „nubische Platte“ und vom südlichen als „somalische Platte“.

Der Boden des Grabens glänzt metallisch schwarz. Mal brüchig und kantig, mal flach und glatt dehnt sich Lavagestein über den Talboden aus. Zahlreiche Spalten fallen durch ihrer bodenlosen Tiefe auf. Deutlich heben sich davon die glänzenden Risse ab, welche bereits von nachdrängendem, frischem Magma wieder verschlossen wurden.

Das erste Anzeichen eines Grabenbruchs

Das erste Anzeichen eines Grabenbruchs

Zur Mitte des Tals hin, nehmen die Spalten zu. Feine Haarrisse, kurze tiefe „Einstiche“ und kilometerlange Zickzack-Linien zerklüften den Boden. Hier riss 1978 die Erde fast zwei Meter weit auf. Ein Ruck der den Kontinent gespalten hat. Nicht mehr Einschnitte, sondern abgrundtiefe Schluchten öffneten die Kruste ins Erdinnere. Aber auch ohne flüssiges Magma an der Oberfläche macht sich die Nähe zum brodelnden Erdmantel bemerkbar.

Hitze-Stau in der Schüssel


Temperaturen von bis zu 56 Grad im Schatten sind hier Durchschnitt – nur das es kaum Schatten gibt. Der Basaltboden heizt sich bis über 90 Grad auf. Geologen vermuten im Afar-Senke den Hitzepol der Erde. Doch nicht die vermeintliche Nähe zum Magma ist Schuld an der Hitze. Abgesunken auf fast 150 Meter unter dem Meeresspiegel ist der Grabentrichter der tropischen Sonne ausgeliefert. Die Sonneneinstrahlung bringt das schwarze Lavagestein in der Schüssel fast zum Kochen.

Immerhin ist schon ein ganzer Ozean aus der Senke verdampft. Fossile Korallenriffe zeugen heute noch von einer ehemals lebendigen Unterwasserwelt. Die meisten Vulkane hier haben seltsam abgeflachte Kegel, wie sie sonst nur in der Tiefsee zu finden sind. Die Wissenschaftler vermuten deshalb heute, dass die Senke ursprünglich die südwestliche Ecke des Roten Meeres bildete. Während sich die Arabische Halbinsel immer weiter von Afrika entfernte, riss jedoch ein kleiner Zipfel ab, und drehte sich entlang der Küste. Der Danakil-Block setzte sich mit 2.000 Metern Höhe auf 600 Kilometer Länge wie eine natürliche Staumauer vor die Senke. Heute ist auf der einen Seite – unter Wasser – die sedimentbedeckte ozeanische Kruste des Roten Meeres, und im Südwesten die Baustelle eines neuen Kontinents.

Stand: 25.08.2006
 
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