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Freitag, 10.02.2012
Graues Einerlei?
Gräber, Urnen, Särge

Die Tristesse deutscher Friedhöfe lässt sich kaum überbieten. Nachdem sich ab 1920 die "funktionalen Reformfriedhöfe" durchsetzten, war alles reglementiert und normiert. Keine üppigen, ausladenden Gedenkstätten mehr, wie es auf den Parkfriedhöfen Ende des 19. Jahrhunderts üblich war. Der Platz ist begrenzt, schließlich mussten - vor allem in den Ballungsgebieten - immer mehr Tote untergebracht werden.

Grabmodell von J.-C. Mondot 
Grabmodell von J.-C. Mondot
© Jean-Claude Mondot
Widersetzt man sich den Vorschriften, handelt man sich schnell Ärger ein. Auch Särge und Urnen glänzen im allgemeinen nicht durch Kreativität und individuelle Gestaltung. "Der Tod ist aufgeteilt worden zwischen den Friedhofsverwaltungen und dem Bestattungsgewerbe. Und alle haben samt und sonders kein Interesse, dass sich hier in unserem Land was ändert. Und - es ist gar keine Frage - bei denen steht der Kommerz im Vordergrund.", so der als "Friedhofsrebell" bekannt gewordene Düsseldorfer Bestattungsexperte Bernd Bruns. Er kämpft schon seit vielen Jahren für Neuregelungen im Bestattungswesen und geht dabei bis vor das Gericht. Im Internet informiert seine Seite "Postmortal" über die Gepflogenheiten rund um Sterben und Tod in Deutschland.

Es geht auch anders
Erfreulicherweise gibt es inzwischen auch Ausnahmen vom grauen Gräbereinerlei. Die AIDS-Toten trugen mit zu einem Wandel in der Bestattungs- und Friedhofskultur bei. Plötzlich war der Tod auch bei jungen Leuten präsent. Mit den althergebrachten Gebräuchen und standardisierten Begräbnissen konnten sie nicht viel anfangen. Sie entwickelten eigene Formen der Trauer und Erinnerung. Dazu gehören beispielsweise zwei Gemeinschaftsgräber auf dem alten Parkfriedhof Hamburg-Ohlsdorf. Alte Gedenkstätten wurden dort wiederhergerichtet und individuell gestaltet - die Solidaritätsschleife prangt nun über ihrem Eingang.

Auch der Einfluss anderer Kulturen macht sich in Deutschland langsam bemerkbar. Moslems pflegen bestimmte Bestattungsriten, die in Deutschland eigentlich untersagt oder nicht vorgesehen sind, wie das Begraben des Leichnams ohne Sarg und ausschließlich unter Glaubensgenossen. Friedhofsverwaltungen werden auch hier zunehmend flexibler, um auf die religiösen Bedürfnisse der Menschen einzugehen.

Auf dem Freiburger Hauptfriedhof sprang die Verwaltung über ihren eigenen Schatten und ermöglichte es 43 Künstlern, ihre Vorstellungen von Grabzeichen zu verwirklichen - ganz ohne Reglementierungen. Die Ausstellung "Kontraste - GrabZeichen, die sich absetzen" läuft offiziell noch bis Juni 2003, aber die ausgefallenen Kreationen bleiben auch danach erhalten und können sogar von Interessierten als zukünftiger Platz für die ewige Ruhe erworben werden.

Ein besonders farbenfrohes und originelles Vorbild für ausgefallene Sargmodelle liefert Ghana. Dort werden kunstvolle Figurensärge geschnitzt und bemalt. Oft haben sie etwas mit dem Beruf des Verstorbenen zu tun: Ein Fischer wird in einem Fisch beigesetzt, ein Müller in einem Mehlsack. Die Ghanaer glauben, das die Ahnen im Jenseits sich durch solche Statussymbole beeindrucken lassen.

Ein dieser einsetzenden Individualisierung in Sachen Grabkultur entgegengesetzter Trend geht hin zur anonymen Bestattung. Billiger und pflegeleichter ist diese Variante, vor allem wenn die Angehörigen nicht in der Nähe wohnen oder sich nicht um das Grab kümmern wollen. Die sterblichen Überreste enden dabei auf einer Streuwiese oder einem anonymen Urnenhain. Gedenken und Erinnerung an die Menschen müssen sich hier andere Orte suchen.

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