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Donnerstag, 17.05.2012
Hat der Ökolandbau eine goldene Zukunft?
Versuch eines Ausblicks

50-prozentige Zuwachsraten bei ökologisch bewirtschafteten Flächen, wie sie NRW Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn vor kurzem stolz verkündete, klingen verheißungsvoll. Sie verschleiern aber ein bisschen den Blick für die Realität. Trotz aller Steigerungen in den letzten Jahren werden in Deutschland heute lediglich gut drei Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Anbaufläche mit Methoden des Ökolandbaus bewirtschaftet.

Getreidehalm 
Getreidehalm
© Ökoprüfzeichen
Mit gerade einmal zwei Prozent ist der Anteil von Erzeugnissen aus ökologischem Anbau am Gesamtumsatz des Lebensmittel-Einzelhandels sogar noch geringer. Bis zu einer grundlegenden Versorgung aller Menschen in Deutschland mit Erzeugnissen aus ökologischen Quellen ist es demnach noch ein weiter Weg. Selbst die von Verbraucherschutzministerin Künast anvisierten 20 Prozent Marktanteil für Ökoerzeugnisse innerhalb der nächsten 10 Jahre dürften schwer genug zu erreichen sein.

Klar ist aber in jedem Fall, dass der Ökolandbau in den nächsten Jahren weiter boomen wird. Zu sehr haben die vielen Skandale der letzten Zeit - BSE, Salmonellen, Antibiotika im Fleisch lassen grüßen - zahlreiche Verbraucher aufgeschreckt und deren Kaufverhalten verändert.

Wie lange dieser Trend anhält, weiß niemand. Vielleicht werden viele Kunden - sobald genug Gras über die Skandale gewachsen ist - schnell wieder nach jedem billigen Stück Fleisch, nach jedem Sonderangebot greifen, ohne darüber nachzudenken, wie es erzeugt worden ist.

Und noch ein anderes Problem behindert die Agrarwende: Gerade die Verbrauchergruppen mit geringem Einkommen - und von denen gibt es in Deutschland in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise eine ganze Menge - können sich die zum Teil doch recht hohen Preise für die ökologisch produzierten gesunden Lebensmittel oft nicht leisten. Sie sind angewiesen auf billiges Gemüse, Brot, Fleisch und Obst: Menschen zweiter Klasse auch in Bezug auf die Ernährung?

Aber der Ökolandbau hat noch einen anderen "gefährlichen" Konkurrenten. Die Firmen, die hinter der grünen Gentechnik stehen - Monsanto, Novartis, Aventis DuPont & Co - drängen mit ihrer gigantischen Werbemaschinerie auch auf den deutschen Markt. Sie drohen mit ihren Produkten über kurz oder lang den Handel zu überschwemmen.

Konventionelle Landwirtschaft, grüne Gentechnik oder Ökolandbau - wie die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland letztlich aussehen wird, liegt im Moment noch im Ungewissen...

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