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Erstaunliche Leistungen vollbringen die weltweit etwa 50 Milliarden Zugvögel, die im Winter ihre Brutgebiete verlassen und sich auf die Wanderung begeben. Von Europa bis Zentralafrika legen zum Beispiel Störche etwa 4.600 Kilometer in wenigen Wochen zurück. Der Rekordhalter der Langstreckenflieger, die Küstenseeschwalbe, fliegt sogar 30.000 Kilometer weit. Vor allem für die 100-Stunden-Nonstop-Flüge über den Ozean sind reichhaltige Fettdepots vonnöten. Neigen sich diese Vorräte dem Ende zu, werden sogar Organe wie Leber und Darm vorübergehend abgebaut.
| |  | Zugvögel auf dem Weg nach Süden © IMSI Masterclips | Während der Zugzeit zeigen viele Vögel charakteristische Verhaltensweisen. Um die erforderlichen Fettdepots anzulegen, fressen die Tiere relativ wahllos. Auf Insekten spezialisierte Vögel können so zum Beispiel massenhaft Beeren konsumieren. Gleichzeitig zeigen viele Zugvögel in dieser Zeit eine ausgeprägte Geselligkeit. Es bilden sich zahlreiche Rast- und Fluggesellschaften entweder innerhalb einer Art (etwa bei den Schwalben) oder zusammen mit anderen Arten (zum Beispiel die Gemeinschaften aus Gänsen, Kormoranen und Kranichen). Denn das Wandern im Schwarm hat viele Vorteile:
Günstige Nahrungsbedingungen werden von der Gruppe eher erkannt als von Einzeltieren. Erspäht auch nur ein Tier des Schwarms eine Futterquelle, die sein Interesse weckt, werden nach und nach auch die direkten Nachbarn und in einer Kettenreaktion schließlich der ganze Schwarm darauf aufmerksam.
In der Regel finden die Tiere gemeinsam auch schneller das Überwinterungsgebiet. Vor allem für Jungvögel, die die Strecke auf ihrer ersten Wanderung noch nicht kennen, ist es daher ein Vorteil, mit erfahrenen Tieren im Schwarm zu fliegen. Durch Zurufe innerhalb der Gruppe kann die Flugrichtung angepasst werden, oft bildet sich eine optimale Mittelflugrichtung.
Ein gut ausgebautes Warnsystem kann einen wirksamen Schutz vor Feinden bieten. Nimmt ein Vogel die Gefahr wahr, wird das Signal an alle anderen Vögel weitergegeben und der ganze Schwarm dreht blitzschnell ab. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Richtungsänderung eines ganzen Vogelschwarms innerhalb einer siebzigstel Sekunde verlaufen kann - schneller als die individuelle Reaktionszeit eines Einzeltiers.
Die Mechanismen der Steuerung eines solchen Schwarms versuchen Forscher mit Simulationsprogrammen zu verstehen. Künstliche Vogelschwärme lassen sich recht einfach erzeugen. Jedes Tier bekommt drei Anweisungen auf den Weg: Halte genügend Abstand zum Nachbarn, folge der Flugrichtung der Mehrheit und achte auf einen engen Zusammenhalt.
Viele Vögel fliegen in charakteristischen Formationen, etwa als langes Band, in einer Schrägformation, in Keil- oder V-Form oder als doppel- oder Mehrfach-V. Die einzelnen Individuen fliegen dabei hintereinander versetzt. Der vorderste Flieger hat hier nicht die Funktion eines alpha-Tieres, sondern besetzt nur für eine gewisse Zeit diesen Platz. Nach einer Weile lässt es sich zurückfallen und reiht sich weiter hinten ein, während ein anderes Gruppenmitglied seine Position übernimmt.
Die nachfolgenden Tiere haben auf diese Weise mit weniger Luftwiderstand zu kämpfen und sparen so Energie. In den meisten natürlichen Verbänden liegt der so erzielte Energiegewinn bei etwa 20 Prozent. Berechnungen ergaben, dass rein theoretisch Energieersparnisse von bis zu 50 Prozent möglich wären, dazu müssten aber auch die einzelnen Flügelschläge synchronisiert sein. Solche Formationen treten in der Natur kaum auf, vielleicht weil die Flügelschläge zusätzlich mit der Atmung koordiniert sind.
Einige Vögel reisen auch - ganz wie der Gänsefreund Nils Holgerson - ein Stück auf dem Rücken größerer Vögel mit. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Art Notlandung geschwächter Vögel auf diesen "fliegenden Rettungsinseln".
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