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25 Jahre danach: Tschernobyl noch immer gefährlich

Greenpeace fordert Staatengemeinschaft auf, Bergung des Kernbrennstoffs angehen

Der geplante neue Sarkophag um den zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl kann die Außenwelt nur für einige Jahrzehnte vor den Folgen eines Zusammenbruchs der ersten Schutzhülle und damit vor der Ausbreitung hochradioaktiven Staubs schützen. Das belegt eine aktuelle Studie im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

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25 Jahre nach der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl vom 26. April 1986 sind Schätzungen zufolge bis zu 95 Prozent des Kernbrennstoffs im Reaktorgebäude verblieben. Greenpeace fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, die Bergung des Brennstoffs endlich anzugehen und einen Plan dafür vorzulegen. Vor kurzem hatte eine Geberkonferenz in Kiew angekündigt, zusätzliche 550 Millionen Euro für die Beseitigung der Tschernobyl-Folgen bereitzustellen.

Dreimal so groß wie der Petersdom

„Die Aufstockung der Mittel muss an Bedingungen geknüpft werden: Die Vorlage eines Konzepts zur Bergung und Verwahrung des hochradioaktiven Brennstoffs aus dem Reaktor, sowie der Verzicht auf den weiteren Ausbau der Atomkraft in der Ukraine müssen Grundbedingungen für weitere Zahlungen sein“, sagt Tobias Münchmeyer, Atomexperte bei Greenpeace.

Die ukrainische Regierung plant, die neue Schutzhülle aus Stahl zu bauen. Sie soll den maroden Sarkophag überwölben. Mit einer Fläche von über 42.000 Quadratmetern wäre das Bauwerk dreimal so groß wie der Petersdom in Rom. Zur Finanzierung hat die internationale Staatengemeinschaft bis jetzt 864 Millionen Euro bereitgestellt. Deutschland ist mit 60 Millionen Euro daran beteiligt. Die Einschätzung der Gesamtkosten liegt mittlerweile bei 1,6 Milliarden Euro.

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Von einem Provisorium zum nächsten

„Mit dem neuen Sarkophag hangelt man sich von einem Provisorium zum nächsten“, so Münchmeyer. „Die Staaten geben viel Geld ihrer Steuerzahler zur Bewältigung der Tschernobyl-Katastrophe aus und gleichzeitig setzen sie neue Anreize für den Ausbau der Atomkraft in der Ukraine. Das ist absurd.“

Anstatt die Ukraine beim Umbau des veralteten atomlastigen Energiesystems zu unterstützen, finanzieren die internationalen Banken – European Bank for Reconstruction and Development und die European Investment Bank – für knapp eine Milliarde Euro neue Hochspannungsleitungen. Über diese soll Greenpeace zufolge zukünftig ukrainischer Atomstrom aus bis zu vier Reaktoren sowjetischer Bauweise in die EU exportiert werden.

Greenpeace: Wie viele Tschernobyls will sich die Welt noch leisten?

„Mit Fukushima steht die Welt vor einem zweiten Tschernobyl. Wie viele Tschernobyls will sich die Welt noch leisten bevor sie aus der Atomkraft aussteigt?“, fragt Münchmeyer. Bereits 2006 hatte Greenpeace eine Studie vorgelegt, derzufolge die Tschernobyl-Katastrophe mindestens 93.000 Todesopfer allein durch Krebserkrankungen forderte.

(Greenpeace, 21.04.2011 – DLO)

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