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Omega-3-Fettsäuren gegen Migräne?

Ernährungsumstellung kann Kopfschmerzattacken deutlich verringern

Lachs
Lachs und anderer fetter Fisch enthalten viele Omega-3-Fettsäuren - und diese helfen auch gegen Migräne. © Ansonmiao/ Getty images

Leinöl, Lachs und Co gegen den Kopfschmerz: Eine Ernährung mit viel Omega-3-Fettsäuren kann die Häufigkeit und Stärke von Migräne-Attacken signifikant verringern, wie eine US-Studie nun nahelegt. Die Teilnehmer litten im Schnitt an vier Tagen weniger pro Monat an Kopfschmerzen – dieser Effekt ist dem einiger Medikamente vergleichbar. Eher negativ wirkt sich dagegen ein Speiseplan mit hohem Anteil von Omega-6-Fettsäuren aus, wie sie in Schweinefett, Sojaöl oder Maiskeimöl enthalten sind.

Omega-3-Fettsäuren wie der Eicosapentaensäure (EPA) und der Docosahexaensäure (DHA) wird schon länger ein heilsamer Effekt zugeschrieben. Diese mehrfach ungesättigen Fette sind vor allem in fettem Fisch, aber auch in einigen Nüssen enthalten und haben unter anderem eine entzündungshemmende Wirkung. Sie sollen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und die Hirnentwicklung fördern. Im Gegensatz dazu scheinen die in vielen Pflanzenölen enthaltenen Omega-6-Fettsäuren eher Entzündungen und übeschießnde Immunreaktionen zu fördern.

Speiseplan umgestellt

Welche Rolle diese Fettsäuren für Kopfschmerzen und Migräne spielen und ob eine gezielte Ernährung den wiederkehrenden Attacken vorbeugen kann, hat nun ein Team um Christopher Ramsden vom US National Institute on Aging in Baltimore näher untersucht. Für ihre Studie teilten sie 182 Migräne-Patienten in drei Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt einen Speiseplan mit einem erhöhtem Gehalt von insgesamt 1,5 Gramm täglich der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Dies wurde über spezielle Öle und viel Lachs und anderen Fisch erreicht.

Die zweite Gruppe nahm viel Omega-3-Fettsäuren zu sich, aber wenig Omega-6 – unter anderem durch besonders Linolen-arme Pflanzenöle wie Macadamiaöl. Die dritte Gruppe diente als Kontrolle und ernährte sich wie die meisten Menschen der Industrieländer stark Omega-6-lastig. Alle Teilnehmer ernährten sich 16 Wochen lang nach ihrer jeweiligen Diät und führten dabei ein Kopfschmerztagebuch. Zusätzlich wurden am Anfang und Ende des Studienzeitraums Blutproben entnommen und analysiert.

Weniger Migräne-Attacken, weniger Schmerzen

„Die Resultate sind sehr vielversprechend“, berichtet Ramsdens Kollegin Daisy Zamora. „Patienten, die der Omega-3-reichen Ernährung folgten, erlebten deutlich weniger Kopfschmerzen als die Kontrollgrupe.“ Konkret verringerte sich die Zahl der monatlichen Migräne-Attacken von anfangs 16,3 Tagen um zwei bis vier Tage. „Diejenigen, die einen Speiseplan mit viel Omega-3 und wenig Omega-6 hatten, zeigten dabei die stärksten Verbesserungen“, so Zamora.

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Auch die Dauer der Kopfschmerz-Attacken während der Migränetage verringerte sich um rund eine Stunde. Parallel dazu nahmen die Testpersonen weniger Schmerzmittel ein. Wie die Wissenschaftler erklären, liegt der positive Effekt der Ernährung damit in dem Bereich, den auch spezielle Antikörper-Therapien oder eine Botox-Injektion erreichen.

Omega-3-Abbauprodukte wirken schmerzhemmend

Die biochemische Basis für die beobachteten Verbesserungen sehen Ramsden und seine Kollegen in der Verstoffwechselung der Omega-Fettsäuren im Körper: „Mehrere aus EPA und DHA entstehende Oxylipine haben potente schmerzhemmende Wirkungen“, erklären sie. Vor allem die aus DHA gebildete 17-Hydroxy-Docosahexaensäure (17-HDHA) sei Vorläufer mehrerer schmerzhemmender Botenstoffe und habe in Studien entsprechende Wirkung gezeigt.

Im Gegensatz dazu werden Omega-6-Fettsäuren im Körper oft zu Produkten abgebaut, die eher schmerzfördernd wirken. „Derivate der Linolensäure sensitivieren beispielsweise die Nervenenden des Trigeminus-Nervs und rufen verstärkte Schmerzreaktionen im Tierversuch hervor“, berichten Ramsden und seine Kollegen. Die Zufuhr von Arachidonsäure könne sogar aktiv Migräneattacken bei Menschen hervorrufen.

Ergebnisse gelten nicht für Nahrungsergänzungsmittel

Nach Ansicht der Wissenschaftler legen ihre Ergebnisse nahe, dass eine Umstellung der Ernährung deutlich dazu beitragen kann, die Migräne und möglicherweise auch andere chronische Schmerzerkrankungen zu lindern. „Diese Veränderung der Ernährung könnte einiges bewirken“, sagt Zamora. Das Team bereitet gerade eine neue Studie vor, in der der Effekt der Omega-3-reichen Ernährung auch auf andere Schmerzen getestet werden soll.

Eines jedoch betonen die Forschenden: „Wir haben spezifisch eine Ernährung untersucht, in der die Omega-3-Fettsäuren aus Fisch und nicht aus Nahrungsergänzungsmitteln stammten“, sagt Koautorin Keturah Faurot von der University of North Carolina. Auch die Senkung des Omega-6-Anteils sei auf die Umstellung des Speiseplans zurückzuführen. „Unser Ergebnisse sind daher nicht auf Nahrungsergänzungsmittel übertragbar.“ (The BMJ, 2021; doi: 10.1136/bmj.n1448)

Quelle: University of North Carolina

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