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Fördert Omega-6 kindliches Asthma?

Omega-6-Fettsäuren wirken sich anders als Omega-3 negativ auf die Symptomatik aus

Welche Rolle spielt die Ernährung bei kindlichem Asthma? © Nagy Bagoly Ilona/ thinkstock

Gegensätzliche Effekte: Ein zu hoher Anteil an Omega-6 in der Ernährung kann offenbar Asthma bei Kindern verstärken. Die unter anderem in Sonnenblumenöl enthaltenen Fettsäuren scheinen sowohl die Schwere der Erkrankung als auch die Reaktion auf Symptomauslöser wie Feinstaub zu beeinflussen, wie eine Studie zeigt. Ganz anders die verwandten Omega-3-Fettsäuren: Sie haben offenbar einen positiven Einfluss.

Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern und geht mit akuten Verkrampfungen und Verengungen der Bronchien einher. Sowohl das Risiko zu erkranken als auch die Stärke der Symptome werden bekanntermaßen durch Umweltfaktoren wie die Belastung mit Feinstaub beeinflusst. Darüber hinaus zeichnet sich zunehmend ab, dass auch die Ernährung bei Asthma eine Rolle spielen könnte.

„So gibt es zum Beispiel Hinweise darauf, dass Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren einen Einfluss auf die Lungengesundheit haben“, erklärt Emily Brigham von der Johns Hopkins University in Baltimore. Während das unter anderem in Fisch und bestimmten Nüssen enthaltene Omega-3 dabei als entzündungshemmend gilt, scheint das beispielsweise in Sonnenblumenöl vorkommende Omega-6 Entzündungen sogar fördern zu können.

Ernährung im Blick

„Weil Kinder mit Asthma zu Entzündungsreaktionen und respiratorischen Symptomen neigen, wollten wir herausfinden, ob sich diese Fettsäuren zusätzlich auf die Schwere der Erkrankung auswirken“, berichtet Brigham. Für ihre Studie begleiteten sie und ihre Kollegen 135 Asthma-Patienten im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren. Ein Drittel dieser Probanden litt unter leichtem Asthma, ein Drittel unter einer moderaten und ein Drittel unter einer schweren Form der Erkrankung.

Jeweils zu Beginn der Untersuchung, nach drei sowie nach sechs Monaten beobachteten die Forscher die Kinder eine Woche lang. Dabei dokumentierten sie die auftretenden Symptome und den Medikamentengebrauch und befragten die Kinder gemeinsam mit den Eltern zu ihren Ernährungsgewohnheiten. Außerdem maß das Team in diesen Wochen die Belastung mit PM2,5- und dem gröberen PM10-Feinstaub in der Wohnung.

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Gegensätzliche Wirkungen

Das Ergebnis: Jedes zusätzliche Gramm Omega-6 in der Ernährung erhöhte das Risiko der Kinder für schwerere Asthma-Beschwerden um 29 Prozent. Gleichzeitig reagierten Kinder, die vergleichsweise viel dieser Fettsäuren aufnahmen, empfindlicher auf höhere Feinstaubwerte in ihrer Umgebung – sie hatten tagsüber und nachts stärkere Beschwerden und mussten häufiger zum Asthmaspray greifen, wie die Wissenschaftler berichten. Darüber hinaus entdeckten sie bei diesen Kindern erhöhte Werte von Neutrophilen im Blut – Immunzellen, die als Marker für Entzündungen im Körper gelten.

Ganz anders der Effekt der Omega-3-Fettsäuren: Je höher der Anteil dieser Fettsäuren in der Ernährung, desto weniger stark ausgeprägt war das Asthma bei den Kindern. Mit jedem 0,1 Gramm mehr davon auf dem Teller sank zudem das Risiko um drei bis vier Prozent, als Reaktion auf erhöhte Feinstaubwerte Asthma-Symptome zu entwickeln.

Schutz vor Folgen der Luftverschmutzung?

Die unterschiedlichen Vergleichswerte – ein und 0,1 Gramm – kommen den Forschern zufolge dadurch zustande, dass Ernährungsexperten in der Regel deutlich mehr Omega 6- als Omega-3-Fettsäuren für die tägliche Ernährung empfehlen. So rät etwa das US-Landwirtschaftsministerium zum Verzehr von 0,9 bis 1,6 Gramm Omega-3 pro Tag. Die Richtwerte für Omega-6 liegen dagegen bei zehn bis 16 Gramm.

„Tatsächlich nehmen viele Kinder in den USA aber deutlich mehr Omega-6 und deutlich weniger Omega-3 auf als empfohlen“, schreibt das Team. Zwar müssten weitere Studien zunächst belegen, dass hier ein Ursache-Wirkung-Zusammenhang besteht.

„Existiert eine kausale Verbindung zwischen der Ernährung und Asthma, dann kann eine gesündere, Omega-3-reiche Diät betroffene Kinder womöglich vor den schädlichen Effekten der Luftverschmutzung schützen“, konstatiert Brigham. (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 2019)

Quelle: American Thoracic Society/ Johns Hopkins Medicine

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