Erhöhter Fettanteil in der Nahrung verändert Rhythmen von Genen und Stresshormonen Ernährung beeinflusst unsere innere Uhr - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Erhöhter Fettanteil in der Nahrung verändert Rhythmen von Genen und Stresshormonen

Ernährung beeinflusst unsere innere Uhr

Was wir essen beeinflusst auch den Rhythmus unserer inneren Uhr © thinkstock

Fett manipuliert Uhr: Was wir essen, beeinflusst auch unseren inneren Tagesrhythmus, wie eine Studie an Zwillingen nun nachweist. Nahmen diese plötzlich mehr Fett zu sich, verzögerte sich der Takt einiger wichtiger Gene der inneren Uhr. Auch die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol veränderte sich, wie die Forscher berichten. Das spricht dafür, dass unsere innere Uhr nicht nur auf Zeitgeber wie Licht oder Bewegung reagiert, sondern auch auf das, was wir essen.

Unser Stoffwechsel, unsere Hormone aber auch andere Körpervorgänge, folgen einem regelmäßigen Tag-Nacht-Zyklus. Dieser Takt unserer inneren Uhr wird von bestimmten Genen gesteuert und durch äußere Zeitgeber wie das Licht mit der Umwelt synchronisiert. Gerät dieser Rhythmus aus dem Takt, beispielsweise durch Jetlag oder Schichtarbeit, dann kann dies Depressionen, Diabetes und sogar geistige Einbußen nach sich ziehen und auch Übergewicht fördern.

Wie Olga Pivovarova vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und ihre Kollegen herausfanden, scheint unsere Ernährung einen größeren Einfluss auf die innere Uhr zu haben als bisher angenommen. Für ihre Studie ließen die Forscher zwölf eineiige und zwei zweieiige Zwillingpaare einem bestimmten Ernährungsregime folgen. Sechs Wochen lang bekamen sie zunächst eine Diät mit einem Kohlenhydratanteil von 55 Prozent, 15 Prozent Proteinen und 30 Prozent Fett. Dann wechselte die Diät: Es gab nur noch 40 Prozent Kohlenhydrate und dafür 45 Prozent Fett.

Verzögerter Rhythmus bei Stresshormon und Genen

Diese Ernährungsumstellung hatte klar erkennbare Folgen für die innere Uhr, wie Bluttests belegten: Schon nach einer Woche der fettreichen Diät veränderte sich bei den Probanden die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol durch die Hirnanhangsdrüse. Der vom zentralen Taktgeber gesteuerte Tagesrhythmus dieses Hormons war nun nach hinten verschoben.

Auch das Aktivitätsmuster von vier zentralen Zeitgeber-Genen, die die innere Uhr und den Stoffwechsel beeinflussen, war durch den Diätwechsel verändert, wie die Forscher berichten. Ebenso änderte sich das Aktivitätsmuster bestimmter Gene, die für Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen.

Anzeige

Gezielter gesund ernähren?

„Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Art der Ernährung sich nicht unerheblich auf unsere innere Uhr auswirkt“, sagt Koautor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Es besteht offensichtlich ein sehr enges Wechselspiel zwischen den biologischen Rhythmen, dem Stoffwechsel und Immunsystem einerseits mit dem Nahrungsangebot andererseits.

Die Forscher hoffen, dass diese Erkenntnisse dazu beitragen könnten, die Ernährung künftig besser auf die innere Uhr und die individuellen Bedürfnisse der Menschen abzustimmen. Neben Kalorienzahl und einem für Gefäße und andere Organe günstigen Verhältnis der Nährstoffe berücksichtigen Empfehlungen dann möglicherweise auch, welche Ernährung unseren Tagesrhythmus am besten stabilisiert. (Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2015; doi: 10.1210/jc.2014-3868)

(Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, 13.04.2015 – NPO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

News des Tages

Bücher zum Thema

Im Fokus: Neurowissen - Träumen, Denken, Fühlen - Rätsel Gehirn von Nadja Podbregar und Dieter Lohmann

Zukunft Gehirn - Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen von Peter Gruss und Tobias Bonhoeffer (Herausgeber)

Die Steinzeit steckt uns in den Knochen - Gesundheit als Erbe der Evolution von Detlev Ganten, Thilo Spahl und Thomas Deichmann

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige