Versauerung löste massenhaften Artentod vor 252 Millionen Jahren aus Saure Ozeane schuld an Mega-Massenaussterben - scinexx | Das Wissensmagazin
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Versauerung löste massenhaften Artentod vor 252 Millionen Jahren aus

Saure Ozeane schuld an Mega-Massenaussterben

Am Übergang des Perm zur Trias starben 90 Prozent der Meeresbewohner und rund 70 Prozent der Arten an Land aus. Hier ein Reptil aus der Permzeit. Der hier dargestellte Edaphosaurus starb allerdings schon vorher aus. © Dmitry Bogdanov / CC-by-sa 3.0

Saurer Tod: Schuld am größten Massenaussterben der Erdgeschichte war eine drastische Versauerung der Meere. Denn vor 252 Millionen Jahren sackte der pH-Wert der Ozeane plötzlich ab und tötete damit einen Großteil der Wasserbewohner, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Wenig beruhigend: Die Rate der damaligen Versauerung – wenn auch nicht ihr Ausmaß – war mit der heutigen vergleichbar.

Am Übergang vom Zeitalter des Perm zur Trias erhielt das Leben auf unserem Planeten einen herben Dämpfer. Denn damals, vor rund 252 Millionen Jahren, starben auf einen Schlag rund 96 Prozent der Arten im Meer und 70 Prozent allen Lebens an Land aus – und das in zwei Schüben innerhalb von nur 60.000 Jahren. Was dieses schlimmste Massenaussterben der Erdgeschichte jedoch auslöste, ist bis heute unklar.

Fahndung im Sedimentgestein

Es gibt einige Indizien dafür, dass gewaltige Vulkanausbrüche im Sibirischen Trapp die Katastrophe verursachten. Sie setzten enorme Mengen vulkanischer Gase frei, die das Klima veränderten und die Meere versauern ließen. Ein weiterer Schuldiger könnte eine Massenvermehrung methanproduzierende Bakterien gewesen sein, auch darauf gibt es Hinweise.

Diese Gesteinsformationen in den Vereinten Arabischen Emiraten stammen aus der Zeit des Massenaussterbens © D.Astratti

Jetzt haben Matthew Clarkson von der University of Edinburgh und seine Kollegen neue Daten zur urzeitlichen Katastrophe gewonnen, die eine massive Versauerung der Ozeane in jeder Zeit erstmals eindeutig belegen. Für ihre Studie analysierten sie Sedimentgesteine aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese lagerten sich zur Zeit des Massenaussterbens am Grund des Meeres ab und konservierten in der Zusammensetzung ihrer Kohlenstoff- und Bor-Isotope wertvolle Informationen über den pH-Wert des damaligen Ozeans.

Plötzliche Versauerung

Und tatsächlich: Vor knapp 252 Millionen Jahren sank der pH-Wert des Ozeans stark ab – immerhin um 0,7 Punkte, wie die Forscher berichten. Das Meer wurde dadurch deutlich saurer. „Dieser pH-Abfall fand zur gleichen Zeit statt wie der zweite Schub des Aussterbens“, so Clarkson und seine Kollegen. Betroffen von dieser zweiten, tödlichsten Phase der biologischen Katastrophe waren vor allem Organismen, die Kalkschalen oder -skelette besaßen, sessil lebten und ihre Physiologie nur wenig auf veränderte Bedingungen einstellen konnten.

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„Schon länger hat man vermutet, dass eine Ozeanversauerung eine entscheidende Rolle bei diesem schlimmsten Massenaussterben aller Zeiten spielte, jetzt haben wir auch direkte Belege dafür“, sagt Clarkson. Ihre Daten sprechen dafür, dass die Ökosysteme an Land und im Wasser bereits durch einen Klimawandel und Sauerstoffmangel in den Ozeanen geschwächt waren. Die Versauerung brachte ihnen dann das endgültige Aus.

Parallelen zur heutigen Situation

Die Ergebnisse sind aber auch für die heutige Situation durchaus relevant. „Dies ein Besorgnis erregender Fund, wenn man berücksichtigt, dass wir auch heute eine zunehmende Versauerung der Meere beobachten“, sagt Clarkson. Diesmal allerdings sind nicht Vulkane schuld, sondern wir Menschen. Der Ausstoß großer Mengen CO2 in die Atmosphäre führt dazu, dass die Ozeane dieses Gas verstärkt aufnehmen und in Kohlensäure umwandeln. Dadurch sinkt der pH-Wert der Meere.

Wie die Forscher berichten, war die Rate, mit der die Vulkane damals CO2 in die Atmosphäre freisetzen, der unserer heutigen Emissionen vergleichbar. Nur ihre Gesamtmenge lag – noch – über der des anthropogenen Ausstoßes von CO2. (Science, 2015; doi: 10.1126/science.aaa0193)

(University of Edinburgh / Science, 10.04.2015 – NPO)

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