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Besserer Schlaf durch schwere Bettdecke?

Gewichtigere Decken erhöhen den Melatonin-Spiegel

Schlafende Frau
Eine schwere Decke kann gegen schlaflose Nächte helfen. © Damir Khabirov/ iStock

Beschwerter Schlaf: Decken mit erhöhtem Gewicht sollen gegen Schlaflosigkeit helfen – und nun ist womöglich klar, wieso. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass eine schwere Decke die Konzentration des Schlafhormons Melatonin nach dem Schlafengehen um 30 Prozent ansteigen lässt. Andere Hormonspiegel, wie der des Stresshormons Cortisol oder von Oxytocin blieben dagegen trotz schwerer Decke unverändert, wie ihre Studie ergab.

Sogenannte Gewichtsdecken sind extra beschwert und wiegen etwa zehn Prozent des Körpergewichts. Ihre Nutzung soll den Anwendern bei Schlaflosigkeit und psychischen Problemen helfen. In früheren Studien zeigte sich bereits, dass die beschwerten Decken dieses Versprechen durchaus erfüllen. Sie halfen Patienten bei schlaflosen Nächten ebenso wie bei Depressions- und Angstsymptomen. Wie genau sie das tun, war jedoch lange nicht vollständig geklärt.

Hormonen auf der Spur

Um diesem Mechanismus auf den Grund zu gehen, hat ein Team um Elisa Meth von der schwedischen Universität Uppsala untersucht, wie die schweren Decken unterschiedliche Hormone im Körper beeinflussen. 26 junge Erwachsene mussten dafür zwei Nächte im Dienste der Forschung schlafen, einmal mit leichter und einmal mit schwerer Decke. Die Teilnehmer legten sich eine Stunde vor der Schlafenszeit unter die Gewichtsdecke und ließen sie auch in der Nacht auf sich liegen.

In der Stunde vor Schlafbeginn nahmen die Wissenschaftler mehrere Speichelproben, die sie anschließend auf die Konzentration verschiedener Hormone hin untersuchten. Dazu zählte das schlaffördernde Melatonin. Es reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus und tritt in erhöhter Konzentration auf, sobald es dunkel wird. Durch Melatonin sinken unter anderem Körpertemperatur und Blutdruck, wodurch wir zur Ruhe kommen und einschlafen.

Das Team betrachtete außerdem das Stresshormon Cortisol, das uns wach hält und aufmerksam macht, und den Stresshemmer Oxytocin. Ebenfalls gemessen wurde die Aktivität des sympathischen Nervensystems, das den Körper in Gefahrensituationen auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorbereitet. Als Indikator für dessen Zustand diente die Aktivität des Enzyms Alpha-Amylase. Zu guter Letzt erhoben die Wissenschaftler noch die Schlafdauer der Teilnehmer und wie diese ihre eigene Schläfrigkeit bewerteten.

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Hohe Melatonin-Konzentration sticht heraus

Das Ergebnis dieser umfassenden Analysen: Der Melatonin-Spiegel erhöhte sich mit Verwendung der schweren Decke, alle anderen Werte blieben dagegen unverändert. Die Melatonin-Konzentration im Speichel war zwischen dem ersten Auflegen der Decke um 22 Uhr und kurz vor dem Schlafengehen um 23 Uhr um 32 Prozent gegenüber den Durchgängen mit leichter Decke angestiegen. Subjektiv schläfriger fühlten sich die Teilnehmer dadurch allerdings nicht und auch die gesamte Schlafdauer blieb gleich.

„Unsere Studie ist die erste, die nahelegt, dass die Verwendung einer beschwerten Decke zu einer stärkeren Freisetzung von Melatonin zur Schlafenszeit führen kann“, schreiben die Autoren. Wie genau Decke und Melatonin-Ausschüttung zusammenhängen, ist ihnen allerdings noch nicht komplett klar. Sie vermuten, dass der von der Decke ausgeübte Druck Nerven aktivieren könnte, die zum paraventrikulären Nukleus des Hypothalamus führen. Die darin sitzenden Neuronen sind unter anderem mit der Zirbeldrüse verbunden, die für die Freisetzung des Melatonins zuständig ist.

Folgestudien nötig

Ob das ausgeschüttete Melatonin tatsächlich auch für die therapeutische Wirkung der Decke verantwortlich ist, können die Wissenschaftler noch nicht mit Sicherheit sagen. Die Teilnehmer fühlten sich vor dem Einschlafen nicht schläfriger als sonst und schliefen auch nicht länger als zuvor. Laut Forschungsteam sind in Zukunft größer angelegte Studien mit mehr Teilnehmern nötig, die auch über längere Zeiträume die Auswirkung der schweren Decke auf die Melatonin-Konzentration untersuchen. (Journal of Sleep Research, 2022, doi: 10.1111/jsr.13743

Quelle: Universität Uppsala

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