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Mond: Droht Streit um die Ressourcen?

Künftige Mondmissionen könnten zu Konflikten um Rohstoffe und geeignete Plätze führen

Mondgeologie
Wasser und Rohstoffe sind auf dem Mond unregelmäßig verteilt, wie schon diese geologische Falschfarbenkarte andeutet. © NASA/JPL

Wachsende Begehrlichkeiten: Forscher warnen vor kommenden Konflikten bei bemannten Mondmissionen. Denn geeignete Standorte für Mondstationen und den Abbau von Rohstoffen sind knapp – entsprechend stark könnten sich verschiedene Nationen, aber auch private Unternehmen in die Quere kommen. Es sei daher dringend nötig, frühzeitig rechtliche und politische Lösungen zu finden, betonen die Wissenschaftler.

Ob China, Europa, die USA, Japan oder Russland: Sie alle wollen in den nächsten Jahren wieder Astronauten zum Mond schicken – die bemannte Monderkundung erlebt eine Renaissance. Die USA planen mit ihrer Mission Artemis eine lunare Orbitalstation und bemannte Landungen schon bis 2025, China hat gerade eine noch unbemannte Probenrückholmission gestartet und die europäische Weltraumagentur ESA will ein ganzes Monddorf errichten. Einige private Unternehmen planen zudem bereits den kommerziellen Abbau lunarer Rohstoffe.

Mondmission
Der Mond wird für bemannte Missionen immer interessanter – das könnte zu Ressourcen- und Standort-Konflikten führen. © NASA

Nur wenige Standorte geeignet

Doch es gibt einen Haken: All diese Unternehmungen sind auf lunare Ressourcen und geeignete Standorte angewiesen – und diese sind knapp und sehr ungleichmäßig verteilt, wie nun Martin Elvis vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics und seine Kollegen betonen. „Wir haben uns alle verfügbaren Karten des Mondes angeschaut und diese zeigen, dass es nur wenige geeignete Orte gibt und diese sind sehr klein“, so Elvis. „Das schafft eine Menge Potenzial für Konflikte.“

Denn um Astronauten oder eine ganze Station auf dem Mond zu unterhalten, wird ein Standort benötigt, der ausreichend Licht erhält, aber trotzdem in Reichweite von ausreichend Wassereis und metallischen Rohstoffen ist. „Man braucht Wasser um zu überleben und um Nahrung anzubauen, aber auch, um es in Sauerstoff zum Atmen und Wasserstoff für Raketenantrieben zu spalten“, erklärt Elvis. Aber auch eisenhaltiger Regolith und Helium-3-Vorkommen sind gefragt.

Hinzu kommt, dass eine Mondstation möglichst gut gegen harte kosmische Strahlung geschützt sein muss. Will man entsprechende Schutzhüllen nicht erst langwierig bauen, könnten sich Lavahöhlen als Standorte anbieten – und auch ihre Zahl ist begrenzt.

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Interessenkonflikte vorprogrammiert?

Und genau das könnte zu Konflikten führen: „Das größte Problem ist, dass alle die gleichen Standorte und Ressourcen anpeilen – Staaten, private Unternehmen, eben jeder“, sagt Koautorin Alanna Krolikowski von der Missouri University of Science and Technology. Denn Standorte, die Licht, Wasser und Rohstoffe bieten, sind auf dem Mond rar: „Typischerweise gibt es weniger als zehn Schlüsselstandorte jedes Typs und diese sind meist nur wenige Kilometer groß“, so die Forscher.

Doch die verschiedenen Ziele der Mondmissionen sind oft untereinander inkompatibel: Ein kommerzieller Abbau lunarer Rohstoffe oder ein Mondtourismus würde beispielsweise die astronomischen Beobachtungen eines Mondobservatoriums stören. Und auch die wissenschaftliche Erforschung des Mondes wäre von möglichst ungestörten Bedingungen abhängig. „Wenn verschiedene Akteure ihre inkompatiblen Ziele an solchen Orten verfolgen, dann wird es schnell eng und alle haben das Nachsehen“, so Elvis und sein Team.

Wirksame Gesetze fehlen bisher

Was aber tun? „Das Problem ist, dass es kein Gesetz gibt, das regelt, wer die lunaren Ressourcen nutzen darf“, erklärt Elvis. Zwar gibt es den Weltraumvertrag von 1967. Dieser besagt aber nur, dass kein Staat Eigentum auf einem anderen Himmelskörper für sich beanspruchen darf. Die Erforschung und wirtschaftliche Nutzung sind dagegen erlaubt. Einzige Einschränkung: Die Nutzung muss zum Wohle der Menschheit und im Interesse aller Länder erfolgen.

Im Jahr 2020 haben die USA ein weiteres Vertragswerk initiiert. Der sogenannte Artemis-Accord bekräftigt die Gültigkeit des Weltraumvertrags und erweitert ihn vor allem im Hinblick auf die Transparenz und den Informationsaustausch bei künftigen Missionen. Zudem sollen sogenannte „Safety Zones“ um Standorte gegenseitige Störungen vermeiden. Was allerdings passiert, wenn zwei Akteure das gleiche Gebiet nutzen wollen und als „Safety Zone“ anmelden, regelt der „Accord“ nicht.

Treffen aller Akteure als erster Schritt

Nach Ansicht der Wissenschaftler bleibt daher noch einiges zu tun, um die konfliktfreie Erkundung und Besiedlung des Mondes zu gewährleisten. „Eine Einigung in diesen Punkten zu finden, ist sicherlich eine Voraussetzung, um die Aktivitäten an den attraktiven lunaren Standorten erfolgreich zu koordinieren“, sagt Krolikowski. Ein Vorbild könnten ihrer Ansicht nach Verträge sein, die schon auf der Erde die Nutzung gemeinsamer Ressourcen wie der offenen Meere oder auch lokaler Ressourcen regeln.

Eine vergleichbare umfassende internationale Regelung zum Umgang mit lunaren Ressourcen stehe allerdings noch in weiter Ferne, räumen auch die Wissenschaftler ein. Stattdessen schlagen sie vor, zunächst pragmatische Lösungen auf der Ebene einzelner Gebiete und Standorte zu finden.
„Der erste Schritt wäre ein Treffen aller prospektiven Nutzer, bestehend aus all denen, die an einem bestimmten Standort in den nächsten zehn Jahren oder so aktiv sein werden“, erklärt Krolikowski.

Dann sollte miteinander verhandelt werden, wie sich eine verträgliche gemeinsame Nutzung realisieren ließe. „Ihre erste Aufgabe sollte es dabei sein, die schlimmstmöglichen Folgen an diesen Orten zu identifizieren, beispielsweise die schädlichsten Formen der Störungen oder der Platzkonkurrenz. Denn die Aversion gegenüber Verlusten ist für viele Akteure die beste Handlungsmotivation.“

Weitere Kartierungen nötig

Parallel dazu muss das Wissen um lunare Ressourcen und Standorte weiter ausgebaut werden. Denn bislang ist dieses eher lückenhaft. „Wir müssen zurückgehen und vor allem die potenziell attraktiven Stellen in besserer Auflösung kartieren“, sagt Elvis. „Bisher liegt diese bestenfalls bei einigen Kilometern.“ Daher sei für viele dieser Standorte unklar, wie viel Raum für Aktivitäten es dort gibt.

„Wenn wir diese Standorte genauer kartieren, dann liefert dies wertvolle Informationen für die Politik und könnte allen dabei helfen, verträglich miteinander umzugehen, so dass wir Konflikte vermeiden können“, schließt Elvis. Klar scheint in jedem Falle: Der Mond könnte sich in den nächsten Jahren zu einem Hotspot internationaler Aufmerksamkeit entwickeln. (Philosophical Transactions of the Royal Society A, 2020; doi: 10.1098/rsta.2019.0563)

Quelle: Center for Astrophysics | Harvard & Smithsonian

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