Der Geophysiker Alexander Gerst wird sechs Monate im Erdorbit leben und arbeiten Deutscher Astronaut startet zur ISS - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der Geophysiker Alexander Gerst wird sechs Monate im Erdorbit leben und arbeiten

Deutscher Astronaut startet zur ISS

ESA-Astronaut Alexancder Gerst beim Test des Raumanzugs © NASA

Heute Abend ist es soweit: Der ESA-Astronaut Alexander Gerst startet zur Internationalen Raumstation ISS. 166 Tage lang wird er im Erdorbit leben und arbeiten und dabei rund 100 wissenschaftliche Experimente durchführen. Gerst ist erst der dritte deutsche Astronaut an Bord der ISS. Starten wird er um 21:56 Uhr unserer Zeit vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur aus.

Nach fast fünf Jahren der Vorbereitung ist es nun endlich soweit: Der 38-jährige Geophysiker Alexander Gerst fliegt zur ISS. Hier wird er als Flugingenieur der Crew sechs Monate lang leben und arbeiten. In den Orbit bringt ihn eine Sojus-Trägerrakete, die am 28. Mai 2014 um 21:56 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Weltraumbahnhof Baikonur aus startet. Bereits nach sechs Stunden Flug wird der deutsche Astronaut die Raumstation erreicht haben, die die Erde in einer Höhe von 400 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 28.800 Kilometern pro Stunde umkreist. Er ist dann der dritte Deutsche, der an Bord der ISS leben und arbeiten wird.

Ein blauer Punkt und 100 Experimente

Die ESA-Mission „Blue Dot“ geht auf den weltberühmten US-Astronomen Carl Sagan zurück, der unsere Erde als „pale blue dot“ bezeichnet hatte. Er bezog sich dabei auf eine Aufnahme, die die Raumsonde Voyager 1 aus etwa 6,4 Milliarden Kilometern Entfernung zur Erde gemacht hatte – die größte Distanz, aus der jemals ein Bild unseres Heimatplaneten aufgenommen wurde. Auf diesem Bild ist die Erde nur noch als winziger, blassblauer Punkt zu sehen, der sich vor dem tiefen Schwarz des Alls als Oase des Lebens abhebt und gleichermaßen fragil und schützenswert erscheint.

© NASA

Während seiner für 166 Tage angesetzten Mission wird Gerst in 100 verschiedene Experimente aller ISS-Partner involviert sein. Von den rund 40 ESA-Experimenten finden 25 unter Führung deutscher Projektwissenschaftler oder mit deutscher Industriebeteiligung statt. Sie kommen aus den Bereichen Materialphysik, Humanphysiologie, Strahlenbiologie, Sonnenforschung, Biologie und Biotechnologie, Fluidphysik, Astrophysik und Technologiedemonstrationen. Darüber hinaus sind zahlreiche Experimente und Vorhaben zur Bildung und Nachwuchsförderung geplant, darunter zum Beispiel das Schulprojekt „Columbus Eye.

Ein Schmelzofen und ein Außeneinsatz

Ein Highlight der Mission der Elektromagnetische Levitator (EML), den Alexander Gerst installieren und in Betrieb nehmen wird. EML ist ein Schmelzofen, in dem metallische Legierungsproben mittels elektromagnetischer Felder berührungslos geschmolzen und erstarrt werden können. Gerst wird während seiner Mission aber auch einen Außeneinsatz, eine sogenannte Extravehicular Activity (EVA), durchführen. Voraussichtlich im August wird er für sechs Stunden die ISS verlassen, um Außenanlagen der Station zu warten und wissenschaftliche Experimente zu installieren.

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Im Weltraum wird der Anzug durch Wasser gekühlt, trinken kann man durch ein Strohhalmsystem, das mit einem Wasserreservoir verbunden ist, Helmlampen spenden Licht, wenn sich die ISS im Schatten der Erde befindet. Ein EVA ist so anstrengend, dass sich die Astronauten erst eine Woche später wieder vollständig davon erholt haben.

Gerst beim Training in der Sojus-Kapsel © ESA

Fünf Jahre Training

Der Weg bis zu Gersts erstem Einsatz im All war allerdings hart: Am Anfang stand Training, Training, Training. Denn bevor sich der deutsche ESA-Astronaut überhaupt Astronaut nennen durfte, musste er erstmal ein 18-monatiges Trainingsprogramm mit hunderten von Ausbildungsstunden durchlaufen. In Ausbildungszentren in den USA, Russland, Deutschland, Japan und Kanada eignete er sich dabei Kenntnisse über Raumfahrttechnik, Weltraumforschung und Medizin an und lernte die Funktionsweise der ISS und ihrer Transporter kennen.

Russisch musste der angehende Astronaut ebenfalls lernen – innerhalb von drei Monaten. Dafür lebte Gerst sogar einige Wochen mit einer russischen Familie im Sternenstädtchen bei Moskau zusammen. Er erhielt Tauchunterricht, da das Unterwassertraining auf der Erde die beste Möglichkeit ist, Außenbordeinsätze an der ISS zu trainieren. Nachdem er im September 2011 für die Blue Dot-Mission nominiert wurde, erhöhte sich die Gangart: Von da an trainierte Gerst ohne Pause bis zu 60 Stunden pro Woche für seinen ersten Einsatz im All.

Mehr über seine Erfahrungen und Erwartungen erzählt der Astronaut im Interview.

ESA-Portal zur Blue-Dot-Mission und Alexander Gerst

(Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), 28.05.2014 – NPO)

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