Forscher untersuchen tektonische Aktivität in der Südpolregion Zerbricht die Antarktis? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher untersuchen tektonische Aktivität in der Südpolregion

Zerbricht die Antarktis?

Das 3. Internationale Polarjahr 2007/08 wirft seine Schatten voraus. Vor wenigen Tagen brach bereits eine Gruppe Jenaer Geowissenschaftler in die Antarktis auf, um eines der ersten Projekte zum Polarjahr vorzubereiten. „Wir wollen herausfinden, ob die Vulkane in dem sehr unzugänglichen Teil der West-Antartkis noch aktiv sind“, erläutert Professor Lothar Viereck-Götte von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Wäre dies der Fall, so würde das bedeuten, dass die Bruchstücke der Antarktischen Platte sich weiterhin bewegen und dass der antarktische Kontinent zerbricht. Natürlich nicht heute oder morgen, aber im Laufe der Jahrmillionen.

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Nicht nur der Südpol, sondern alle Kontinente unterliegen einem andauernden Zerfall. So brechen Teile ab und treffen – angetrieben durch die Ströme im Erdmantel – an anderer Stelle wieder auf einen anderen Kontinent. „Ein gutes Beispiel hierfür ist Indien, das vor mehr als 140 Millionen Jahren zu Afrika gehörte und nun seit etwa 50 Millionen Jahren in den Kontinent Asien gerammt wird“, sagt Prof. Viereck-Götte.

Die Geodynamik der Grabenzone zwischen Ost- und Westantarktis ist es, die die Jenaer interessiert. Dazu arbeiten sie eng zusammen mit Forschern der Technischen Universität Dresden. Diese richten an festen Punkten GPS-Messstationen ein. Über die Zeit wird immer wieder der Abstand zwischen den Messpunkten aufs Genaueste verglichen. Verändert sich die Position der Punkte zueinander, ist bewiesen, dass die Antarktis immer noch geotektonisch aktiv ist und sich ihre einzelnen Platten bewegen. „Und während die Dresdner Kollegen Messpunkte in die aus dem Eis ragenden Felsen betonieren, begeben wir uns auf die Suche nach magmatischen Gesteinen, um später in Jena deren Zusammensetzung und Alter zu bestimmen“, fügt Prof. Viereck-Götte hinzu.

Zerfall des Superkontinents Gondwana im Visier der Forscher

Anhand solch magmatischer Gesteine – und den mit ihnen auftretenden Sandsteine – wollen Viereck-Götte und seine Kollegen mehr über den Zerfall des Superkontinents Gondwana vor etwa 180 Millionen Jahren herausfinden, dem die heutigen Kontinente Süd-Amerika, Afrika, Australien, Indien und natürlich die Antarktis angehörte. Etwa 250 Millionen Jahre alt sind die Überreste von tropischen Fossilien wie Reptilienskelette, Insektenflügel und Pflanzensamen, die belegen, dass die Antarktis als Teil von Gondwana in wesentlich wärmeren Gefilden gelegen hat, als dies heute der Fall ist. Jetzt erhoffen sich die Wissenschaftler aus den in Fluss- und Seenablagerungen erhaltenen Fossilien Rückschlüsse auf die geodynamischen Prozesse ziehen zu können, die sich vorm Zerfall von Gondwana in seine Einzelteile abgespielt haben. Besonders interessiert sie, ob und wie sich der Zerfall in den Gesteinen ankündigte.

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Das Großprojekt legt keinen Frühstart hin, wie man ja vielleicht meinen könnte, da es immerhin über eineinhalb Jahr vor dem Start des Polarjahres beginnt, sondern nutzt die günstigen Umstände: „Wir haben das Glück, dass gerade jetzt von Oktober bis Februar eine Expedition der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover zur deutschen Sommerstation Gondwana am Ross Meer stattfindet und im März das deutsche Polarforschungsschiff zum sehr unzugänglichen Ellsworth Land in der Westantarktis fährt. Diese seltenen Gelegenheiten müssen wir nutzen“, erklärt Viereck-Götte.

Da die Antarktis in unserem Sommer, also im Südwinter extrem unzugänglich ist, ziehen sich die antarktische Saison und damit auch die Polarjahre, die sowohl Arktis als auch Antarktis im Visier haben, über den Jahreswechsel hin. Das erste International Polarjahr fand übrigens im Jahr 1882/83 statt, organisiert von Karl Weyprecht und Georg von Neumayer, nach dem die deutsche Antarktisstation im nord-östlichen Wedell-Meer bei über 70°39´´ Süd benannt ist.

(Institut für Geowissenschaften der Universität Jena, 09.11.2005 – Kirsten Achenbach)

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