Größerer Flächenbedarf kann zu größerem Klimafußabdruck führen Ökolandbau klimaschädlicher als konventioneller? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Größerer Flächenbedarf kann zu größerem Klimafußabdruck führen

Ökolandbau klimaschädlicher als konventioneller?

Ökolandbau
Der Flächenbedarf des Ökolandbaus ist wegen des geringeren Ertrags höher – das vergrößert seinen Klimafußabdruck. © Stefan Wirsenius/ Chalmers University

Provokante Zahlen: Ökologische Landwirtschaft kann klimaschädlicher sein als konventionelle, wie nun eine Studie enthüllt. Der Grund: Weil die Erträge geringer sind, benötigt der Ökolandbau mehr Fläche für die gleiche Nahrungsmenge – Flächen, die dann für Wald oder andere Klimasenken verloren gehen, so die Forscher im Fachmagazin „Nature“. Allerdings: Bei diesem Effekt ist nur die Landnutzungsänderung berücksichtigt, nicht die sonstigen negativen Umweltfolgen konventioneller Landwirtschaft.

Klar scheint: Die konventionelle Landwirtschaft ist in ihrer heutigen Form alles andere als umwelt- und klimafreundlich. Ihr Dünger verunreinigt das Grundwasser, Pestizide könnten für das Insektensterben mitverantwortlich sein und durch die Monokulturen verarmt die Artenvielfalt der Feldflur. Weil der Ökolandbau keine Pestizide und keinen Kunstdünger nutzt, gilt er oft als die bessere und auch gesündere Alternative.

Bis zu einem Drittel mehr Fläche

Doch es gibt einen Haken: Die Erträge im Ökolandbau sind geringer, man benötigt daher mehr Fläche, um die gleiche Menge Nahrung zu produzieren. Je nach Szenario und Anbaumethoden kommen Studien auf einen Mehrbedarf an Landfläche von 16 bis 33 Prozent. Doch Ackerland ist weltweit knapp, weshalb neue Felder oft nur auf Kosten von Wald oder anderen anderweitig bewachsenen Flächen entstehen können.

Welche Folgen diese Landnutzungsänderung für das Klima haben, haben nun Timothy Seachinger von der Princeton University und sein Team erstmals mithilfe eines neuen Ansatzes ermittelt. Sie untersuchten dabei, ob der Nahrungs-Anbau auf einem Stück Land sich in Bezug auf die CO2-Emissionen „lohnt“ oder ob diese Nahrungsmittelmenge anderswo oder mit anderen Anbaumethoden klimafreundlicher produziert werden könnten – und mit weniger Waldverlust.

Bis zu 70 Prozent mehr Klimaeffekt

Das Ergebnis: Viele Formen des Ökolandbaus haben wegen ihrer geringeren Erträge pro Hektar einen deutlich höheren Klimafußabdruck. „In Schweden ökologisch angebaute Erbsen beispielsweise haben einen rund 50 Prozent höheren Klimaeffekt als konventionell angebaute Erbsen“, berichtet Koautor Stefan Wirsenius von der Technischen Hochschule Chalmers. „Beim ökologisch angebauten Winterweizen liegt der Unterschied sogar bei 70 Prozent.“

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Der Grund dafür: „Der größere Flächenbedarf des Ökolandbaus führt indirekt zu höheren CO2-Emissionen“, so Wirsenius. „Wenn wir mehr Land für die gleiche Nahrungsmittelmenge benötigen, tragen wir indirekt zu einer größeren Entwaldung anderswo auf der Welt bei. Denn, so seine Logik, um insgesamt die nötige Nahrungsmittelmenge zu erzeugen, wird dort Land zu Ackerfläche gemacht, wo noch genügend Ausdehnungsmöglichkeiten bestehen – und das ist vor allem in waldreichen Regionen der Fall.

Warum Öko in vielem trotzdem besser ist

Das bedeutet aber nicht, dass man nun keine Ökoprodukte mehr kaufen sollte, wie die Forscher betonen. „Ökologisch produzierte Lebensmittel haben gegenüber konventionellen zahlreiche Vorteile“, sagt Wirsenius. Angefangen vom Tierwohl über Umweltfolgen bis zum Grundwasser. „Aber beim reinen Klimaeffekt schneidet der Ökolandbau im Allgemeinen meist schlechter ab.“

Allerdings: Es kommt dabei auch auf die Art der Lebensmittel an: „Ökologisch produziertes Gemüse oder Hähnchenfleisch ist viel besser für das Klima als konventionelles Rindfleisch“, erklärt Wirsenius. Denn um ein Kilogramm Rind zu produzieren, werden deutlich mehr Ressourcen verbraucht als für Huhn oder Gemüse. Unter anderem deshalb raten Forscher schon seit längerem, dass weltweit der Fleischkonsum verringert werden sollte, um den Klima- und Umweltfußabdruck unserer Ernährung zu verringern. (Nature, 2018; doi: 10.1038/s41586-018-0757-z)

Quelle: Chalmers University of Technology

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