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Mehr Wirbelstürme in Küstennähe

Taifune und Hurrikans verlagern sich immer weiter westwärts zur den Küsten hin

Zugbahnen von Wirbelstürmen
Die meisten tropischen Wirbelstürme entstehen in den warmen Meeresgebieten der Tropen und ziehen dann im Bogen polwärts und nach Westen. © NASA

Westdrift der Tropenstürme: Taifune und Hurrikans kommen den Küsten immer näher – im Schnitt um 30 Kilometer pro Jahrzehnt, wie nun eine Studie enthüllt. Dadurch hat sich Zahl der Wirbelstürme in Küstennähe seit den 1980er Jahren signifikant erhöht. Ursache ist eine Westwärts-Verlagerung der Entstehungsgebiete und Zugbahnen solcher Tropenstürme, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Entsprechend steigt auch die Gefahr für die Küstenregionen.

Wenn tropische Wirbelstürme die Küstenregionen überziehen, hinterlassen sie katastrophale Schäden und zahlreiche Todesopfer – und solche Ereignisse nehmen zu. Denn wärmere Meere und günstige Winde begünstigen die Entstehung besonders regenreicher, langlebiger und intensiver Tropenstürme. Hinzu kommt, dass sich die Zugbahnen von Taifunen und Hurrikans immer weiter nach Norden verlagern, wodurch auch zuvor ungefährdete Küsten nun in Reichweite der Stürme kommen.

Das Problem ist die Küstennähe

Doch das ist noch nicht alles, wie nun Shuai Wang und Ralf Toumi vom Imperial College London herausgefunden haben. Für ihre Studie hatten sie untersucht, ob sich die Zugbahnen von tropischen Zyklonen auch in Ost-West-Richtung verschoben haben. Denn das beeinflusst, ob und wie nahe diese meist Richtung Westen ziehenden Stürme den Küstenregionen kommen.

„Veränderungen in der Aktivität küstennaher Stürme und der Häufigkeit ihres Landfalls sind ein zentraler Anlass zur Sorge“, erklären die Forscher. Denn dort entfalten diese Zyklone ihr größtes Zerstörungspotenzial. „Selbst ein knapp das Land verfehlender Wirbelsturm kann große Schäden anrichten, Beispiele sind Sandy im Jahr 2012 und Dorian im Jahr 2019″, so Wang und Toumi. Um herauszufinden, ob die Zahl der küstennahen Wirbelstürme zugenommen hat und warum, haben sie Daten zur globalen Zyklonaktivität in der Zeit von 1982 bis 2018 ausgewertet.

Um 30 Kilometer pro Dekade näher gerückt

Das Ergebnis bestätigt: In den letzten Jahrzehnten sind die Wirbeltürme den Küsten immer näher gekommen. Der Punkt ihrer größten Intensität ist im Schnitt um 30 Kilometer pro Dekade weiter ans Land herangerückt. Dadurch ist die Zahl der Taifune und Hurrikans, die die 200-Kilometer-Zone vor einer Küste erreichen, im Schnitt um 2,2 pro Jahrzehnt gestiegen, wie Wang und Toumi berichten. Dieser Trend sei global nachweisbar und auf beiden Erdhalbkugeln ähnlich.

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Hinter diesem Trend steht eine Verlagerung der Entstehungsgebiete und Zugbahnen nach Westen. „Unsere Analyse zeigt, dass die tropischen Zyklone in den Weltmeeren nicht nur polwärts, sondern auch westwärts gewandert sind“, so die Wissenschaftler. Besonders deutlich sei diese Westdrift im Pazifik und im Indischen Ozean. Dadurch erreichen beispielsweise im Zentralpazifik gebildete Taifune häufiger die Küsten Südasiens und Ozeaniens.

Gleichzeitig ergab die Auswertung, dass sich die Wirbelstürme im Schnitt auch länger in den küstennahen Meeresgebieten aufhalten. Dies passt zu einer Studie aus dem Jahr 2018, nach der sich das Zugtempo von Taifunen und Hurrikans in den letzten 70 Jahren um rund zehn Prozent verlangsamt hat.

Großräumige Zirkulation und Scherwinde verantwortlich

Was aber ist die Ursache für die West-Verschiebung der Sturmbahnen? Ähnlich wie bei der Polwärts-Wanderung sind zum einen Veränderungen der großräumigen atmosphärischen Zirkulation dafür verantwortlich, wie die Wissenschaftler erklären. So beeinflusst die Ausweitung des Tropengürtels auch die Lage und Intensität der vorherrschenden Winde.

Zum anderen könnten sich auch die Bedingungen in den Entstehungsgebieten der Wirbelstürme verändert haben: „Wir finden eine signifikante Abnahme der vertikalen Scherwinde im Westen gegenüber dem Osten der verschiedenen Ozeanbecken“, berichten Wang und Toumi. Die Stärke der seitlichen Schwerwinde ist ein wichtiger Einflussfaktor für die „Geburt“ eines Tropensturms: Sind sie zu stark, wird er zerstreut, bevor sich sein Wirbel richtig ausbilden kann. Fehlen sie ganz, kommt er auch nicht zustande.

„Tropische Zyklone gehören zu den verheerendsten Naturkatastrophen in Küstengebieten“, sagt Wang. „Unsere Studie zeigt nun, dass sie immer häufiger und länger in diesen Regionen auftreten. Das hat auch für die kommende Jahrzehnte erhebliche Bedeutung.“ (Science, 2021; doi: 10.1126/science.abb9038)

Quelle: Imperial College London

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