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Die gefährlichsten invasiven Arten Europas

Forscher erstellen Liste, welche Arten verstärkt bekämpft werden sollten

invasive Arten
Zwei invasive Arten mit hoher Bekämpfungs-Priorität: die schon eingeschleppte Berberkröte und der Flusskrebs Faxonius rusticus, der noch kommen könnte. © Pierre-Yves Vaucher/ Calphotos, CC-by-sa 2.5; US Fish and Wildlife Service

Unerwünschte Invasoren: Forscher haben bewertet, welche invasiven Tiere und Pflanzen in Europa besonders bedrohlich sind und nach Möglichkeit ausgerottet werden sollten. Neben den zu befürchtenden wirtschaftlichen und ökologischen Schäden durch die jeweilige Art spielte dabei eine Rolle, wie aufwendig und teuer die Bekämpfung ist. Berücksichtigt haben die Forscher 35 Spezies, die gerade beginnen, sich in Europa auszubreiten, und 60 Spezies, deren Einwanderung noch verhindert werden kann.

Invasive Arten wie die Beifuß-Ambrosie, die Asiatische Hornisse oder Meereswürmer, die Austern befallen, gefährden nicht nur die heimische Artenvielfalt, sondern können auch beträchtliche wirtschaftliche Schäden anrichten. Trotz internationaler Bemühungen, die Einschleppung von Tieren und Pflanzen in neue Ökosysteme zu verhindern, gelangen die Invasoren oft durch internationalen Reise- und Handelsverkehr in Lebensräume, die ihnen ideale Bedingungen für eine starke Vermehrung bieten.

Bisherige Forschungen zu dem Thema haben sich vor allem darauf fokussiert, welche Spezies besonders gefährlich für die heimische Tier- und Pflanzenwelt sind. Um daraus effektive Managementstrategien abzuleiten, ist aber eine weitere Information wichtig: Wie realistisch ist es überhaupt, die Ausbreitung der jeweiligen Art einzudämmen? Welche Maßnahmen und finanziellen Mittel sind dafür erforderlich?

Risiko und Machbarkeit berücksichtigt

Das hat nun ein internationales Team um Olaf Booy von der Animal and Plant Health Agency in York erhoben. „Wenn man die Machbarkeit nicht einbezieht, kann das dazu führen, dass Spezies priorisiert werden, die sich kaum bekämpfen lassen oder bei denen die Bekämpfung wirtschaftlich nicht sinnvoll ist“, so die Forscher. „In diesem Fall könnte es sein, dass Ressourcen verschwendet oder ineffizient genutzt werden, und das Vertrauen in die Entscheidungen würde verringert.“

In ihre Analyse bezogen die Forscher 95 Spezies ein, die früheren Studien zufolge durch ihre Ausbreitung ein hohes oder sehr hohes Risiko für Ökologie und Wirtschaft darstellen könnten. 35 dieser Arten beginnen bereits, sich in Europa zu verbreiten, 60 kommen bislang noch nicht in Europa vor.

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Für jede dieser Spezies bewerteten die Experten, wie effektiv, praktikabel und teuer es wäre, die Art zu bekämpfen bzw. an der Einwanderung zu hindern. Außerdem berücksichtigten sie, wie gut mutmaßlich die öffentliche Akzeptanz der Maßnahmen wäre, welche unerwünschten Begleiterscheinungen die Bekämpfung haben könnte, welches Zeitfenster zur Verfügung steht und wie hoch das Risiko wäre, dass sich die Spezies nach Abschluss der Maßnahmen erneut ausbreitet.

Prioritätenliste für Bekämpfung und Prävention

Auf dieser Basis bildeten sie Rankings nach Machbarkeit und Gefährlichkeit, die sie für die Prioritätenliste kombinierten: Höchste Priorität haben dabei Arten, die besonders gefährlich und leicht zu bekämpfen sind. Dazu zählen die Forscher den Flusskrebs Faxonius rusticus, der ursprünglich aus Amerika stammt und bereits dort durch Erweiterungen seines Verbreitungsgebietes viele der einheimischen Krebsarten verdrängt hat. Zum Zeitpunkt der Erhebung erfassten ihn die Forscher als noch nicht eingeschleppte Art. Inzwischen wurde allerdings bereits eine erste Population in Frankreich entdeckt.

Gefährliche Arten, deren Verbreitung dagegen nur mit großem Aufwand eingedämmt werden kann, landen weiter unten auf der Liste, darunter beispielsweise die chinesische Süßwasserschnecke Cipangopaludina chinensis, die sich von Südasien aus in vielen Teilen der Welt verbreitet hat und auch in europäischen Gewässern schon gesichtet wurde.

Gestreifte Korallenwelse
Sehen beeindruckend aius, wären aber eine echte Plage: Gestreifte Korallenwelse (Plotosus lineatus). © Alain Feulvarch /CC-by-sa 2.0

Zusätzlich spielt aber auch der richtige Zeitpunkt eine Rolle. „Für noch nicht eingeschleppte Arten hat die Prävention höchste Priorität, wenn die Spezies ein hohes Risikopotenzial birgt und es unwahrscheinlich ist, dass man sie noch sinnvoll bekämpfen kann, sobald sie einmal eingewandert ist“, erklären sie. Das trifft insbesondere auf den im Roten Meer und tropischen Indopazifik heimischen Gestreiften Korallenwels zu. Einmal eingeschleppt, wäre er kaum noch loszuwerden.

Generell ist den Forschern zufolge die Bekämpfung invasiver Arten im Meer am herausforderndsten, da Maßnahmen hier oft wenig zielgerichtet stattfinden können.

Bei diesen Spezies muss gehandelt werden

Zu den Arten, die bei einem erstmaligen Auftreten in Europa schnellstmöglich wieder ausgerottet werden sollten, zählt unter anderem der in Australien heimische Fuchskusu. Dabei handelt es sich um ein kleines Beuteltier, das potenziell auch im Mittelmeerraum leben könnte und dort erhebliche Fraßschäden anrichten könnte.

Schon verbreitete Spezies, die nach Einschätzung der Forscher mit sehr hoher Priorität in Europa ausgerottet werden sollten, sind unter anderem die Berberkröte und der südamerikanische Nasenbär. Beide breiten sich inzwischen in Spanien aus. Einzelne Nasenbären wurden jedoch auch schon in Deutschland und Großbritannien gesichtet, wobei es sich hierbei mutmaßlich um entkommene Tiere aus Zoos handelt.

Internationale Zusammenarbeit

„Unser Ansatz für die Priorisierung hat Implikationen für das zukünftige Management invasiver Arten“, schreiben die Forscher. Bereits die Zusammenarbeit des internationalen Expertenteams hat dazu beigetragen, ein länderübergreifendes Netzwerk zu etablieren – eine wichtige Voraussetzung für wirkungsvolle Strategien: „Invasive Arten stellen in vielen Ländern eine Bedrohung dar und kennen keine nationalen Grenzen. Ein effektives Management erfordert deshalb oft die Kooperation mehrerer Staaten.“ (Global Change Biology, 2020, doi: 10.1111/gcb.15280)

Quelle: Universität Cordoba

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