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Was passiert bei einem Rausch im Gehirn?

Tanz der Botenstoffe

Hanna fühlt sich gut, sie hat bereits kurze Zeit nach dem „Snifen“ des Pulvers ein euphorisches Gefühl. „Du fühlst dich, als seist du der Größte, „beschreibt der Nutzer eines Forums im Internet die Wirkung.

Synapse: Hier wird das Dopamin ausgeschüttet. Es bindet dann an die Rezeptoren auf der Oberfläche der gegenüberliegenden Nervenzelle und gibt so das Signal an sie weiter. Dieser Vorgang führt im Belohnungszentrum u.a. zur Gedächtnisbildung. © Looie496 / CC-by-sa 3.0

Von einer Nervenzelle zur nächsten

Grund hierfür ist der Einfluss der Droge auf die Neurotransmitter im Gehirn. Diese sind Vermittler-Moleküle zwischen einzelnen Neuronen (Nervenzellen) im ganzen Körper. Damit Signale, wie Schmerzreize oder Hitze- und Kälteempfindungen dort im Gehirn ankommen, wo sie verarbeitet und gegebenenfalls beantwortet werden können, müssen die Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten übertragen werden. Dies geschieht an speziellen Schnittstellen – den sogenannten Synapsen.

Und das geht so: Das Endknöpfchen einer Nervenzelle gibt – nachdem es über ein Aktionspotential ein Signal erhalten hat – den Neurotransmitter aus schon bereitstehenden Sammelbläschen ab. Dazu verschmelzen die kleinen, mit dem Botenstoff gefüllten Vesikel mit der Membran des Endknopfes und entlassen so ihren Inhalt in den synaptischen Spalt – den Raum zwischen zwei Neuronen. Auf der andern Seite des Spaltes liegt eine weitere Nervenzelle, die mit für den Transmitter passenden Rezeptoren ausgestattet ist.

Die Rezeptoren funktionieren wie Andockstellen für den Botenstoff und lösen bei Bindung desselben eine Signalkaskade aus, die die Information ins eigene Zellinnere weiterträgt. Beispiele für solche Transmitter-Moleküle sind etwa Acetylcholin, Noradrenalin oder Dopamin. Insbesondere letzteres ist beim Drogenrausch, aber auch bei der Entstehung einer Sucht von besonderer Bedeutung.

Das Kokain verhindert die Wiederaufnahme des Dopamins in die Nervenzelle und sorgt dafür, dass mehr von dem Neurotransmitter ausgeschüttet wird. So werden die Rezeptoren immer wieder erregt und das Glücksgefühl hält über die Dauer des Rausches an. © NIDA

Akuter Rausch

Bei Hanna im Gehirn greift jetzt das Kokain in die Kommunikation zwischen den Nervenzellen ein. Wie viele andere Drogen beeinflusst es dabei den Transmitter Dopamin. Auf welche Weise verschiedene Substanzen die Dopamin-Kommunikation dabei beeinflussen, ist jedoch unterschiedlich. Kokain stört die Wiederaufnahme und das Recycling des Glückshormons. Denn da Nervenzellen sparsam sind, produzieren sie nicht ständig Unmengen der Botenstoffe. Häufig werden die Signalstoffe einfach wieder in die Nervenzelle aufgenommen, um dort abermals in Sammelbläschen verpackt zu werden und auf das nächste elektrische Signal zu warten.

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Doch eben dieses Recycling verhindert Kokain, indem es an die Transporter bindet, die für die Wiederaufnahme zuständig sind. Zusätzlich veranlasst die Droge eine verstärkte und länger anhaltende Ausschüttung von Dopamin in den synaptischen Spalt. Die Botenmoleküle bewegen sich also weiterhin zwischen den beiden Nervenenden und können erneut an die Rezeptoren binden. Das führt zu einem über die Länge des Rausches andauernden Glücksgefühl.

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Kathrin Bernard
Stand: 22.02.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Sucht
Wenn das Verlangen den Willen lenkt

Der erste Kontakt
Begegnung mit dem Suchtmittel Kokain

Tanz der Botenstoffe
Was passiert bei einem Rausch im Gehirn?

Von der Überlebenshilfe zum Suchtfaktor
Die Rolle des Belohnungssystems

Komplexes Gefüge
Körper und Psyche spielen auch bei der Sucht zusammen

Abhängigkeit hat viele Gesichter
Nicht nur Angst und Depression gehören zu den Suchtsymptomen, auch Leugnung

Schleichend in die Krankheit
Oft führt eine Gewohnheit kleinschrittig in die Sucht

Kaufen, spielen, Internet
Wenn Verhaltensweisen und Freizeitaktivitäten abhängig machen

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