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Fallbeispiel 2: Jordanien und Saudi-Arabien

Streit ums Aquifer

Jordanien und seine Nachbarländer sind in besonderem Maße von einem massiven Wassermangel und entsprechenden Konflikten geprägt. Dies gilt für die Nutzung der Wässer des Jordan und des Yarmouk ebenso wie für Grundwasserleiter fossilen Wassers im Grenzgebiet zwischen Jordanien und Saudi-Arabien. Alle diese Konflikte sind (derzeit) nicht kriegerisch, bergen aber ein erhebliches Konfliktpotenzial.

Das Disi-Aquifer liegt größtenteils in Saudi-Arabien, Jordanien entnimmt aber mehr Wasser als es seinem Flächenanteil entspricht. © MMCD

Fossiles Wasser im Untergrund

Der Zusammenhang von Ökologie, Ökonomie und Politik lässt sich dabei exemplarisch im Konflikt um die Nutzung der fossilen Wasser des Disi-Aquifers im Grenzgebiet von Jordanien und Saudi-Arabien zeigen. Das Disi-Aquifer erstreckt sich auf rund 320 Kilometern vom Süden Jordaniens bis in die Nordregion Saudi-Arabiens. Der größte Teil des Aquifers liegt dabei unter saudi-arabischem Gebiet, nur ein kleiner Teil unter Jordanien.

In dem Reservoir befindet sich fossiles, überwiegend vor rund 30.000 Jahren gebildetes Wasser, das derzeit sowohl von Agrarunternehmen in Jordanien wie im Nachbarland ausgebeutet wird. Doch die Wasservorräte in diesem fossilen Aquifer sind begrenzt. Das dort vorhandene Wasser gilt als nicht erneuerbar, da kaum neues Grundwasser entsteht. Schon jetzt werden pro Jahr 90 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen, der größte Teil für die Landwirtschaft. Satellitenbilder lassen erkennen, dass auf saudi-arabischer Seite sehr viel mehr Kreisberegnungs-Anlagen für landwirtschaftliche Zwecke installiert wurden als auf jordanischer Seite. 15 Millionen Kubikmeter Wasser gehen aber auch an die jordanische Stadt Aqaba.

Die jordanische Hauptstadt Amman liegt in der Wüste – Trinkwasser ist knapp. © Mutasim0hourani / CC-by-sa 3.0

Eine Wasserpipeline nach Amman

Dafür läuft auf jordanischer Seite seit 2009 das Disi Water Conveyance Project: 55 Brunnen sollen 100 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Aquifer fördern. Ein Großteil davon soll über eine Fernleitung in die 325 Kilometer entfernte Stadt Amman fließen. Aus Wassermangel ist dort bisher das Trinkwasser für die Bewohner rationiert: Sie können nur 36 Stunden pro Woche Wasser aus den Leitungen zapfen.

Im Rahmen des Disi Water Conveyance Project wird sich daher die Wasserentnahme aus dem Disi-Aquifer mehr als verdoppeln. Erwartet wird eine Entnahmerate von 190 Millionen Kubikmetern jährlich. Das aber bedeutet, dass der Wasservorrat des Aquifers in 30 bis 50 Jahren erschöpft sein könnte – die Schätzungen über die Nutzungsdauer gehen weit auseinander.

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Nachdem die Pläne für das Projekt bekannt wurden, entstand eine Kontroverse um die Nutzungsrechte von Jordanien und Saudi-Arabien – nicht zuletzt, weil die unterirdischen Abflussverhältnisse unklar sind und zudem durch die Menge des abgepumpten Wassers beeinflusst werden. Saudi-Arabien lehnt das Projekt ab, doch Jordanien setzt die Arbeiten daran dennoch fort. Bisher ging der Streit um das Disi-Wasser nicht über das Niveau eines regionalen Konflikts hinaus. Es besteht aber ein erhebliches Konfliktpotenzial, wenn die Fernleitung steht und Jordanien beginnt, das zusätzliche Wasser für die Versorgung von Amman abzupumpen.

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Hans Gebhardt und Marcus Nüsser, Universität Heidelberg / Ruperto Carola
Stand: 22.08.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kampf ums Wasser
Grenzüberschreitende Gewässer als Auslöser von Konflikten

Wasser als Politikum
Streit um Rechte und Anteile

Wasser als Kriegsauslöser
Fallbeispiel 1: das Jordantal

Streit ums Aquifer
Fallbeispiel 2: Jordanien und Saudi-Arabien

Kampf um den Gletscher
Fallbeispiel 3: Indien und Pakistan

Ein absurder Stellungskrieg
Keine Lösung am Siachen-Gletscher

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