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Fallbeispiel 3: Indien und Pakistan

Kampf um den Gletscher

Massiver sind aktuelle Konflikte um Wasser in Indien und Pakistan. Sie schwelen seit der politischen Teilung des Subkontinents im Jahr 1947. Auch wenn das Abkommen über die Wassernutzung des Indus und seiner Nebenflüsse im Jahr 1960 durch Vermittlung der Weltbank ratifiziert wurde und der „Indus Water Treaty“ als beispielhaft für ein erfolgreiches bilaterales Wassermanagement gilt, hat sich im toten Winkel der Grenze zwischen den beiden Staaten ein veritabler „kalter Krieg“ um den Besitz eines Gletschers entfaltet:

Der Siachen-Gletscher im Karakorum - eine seit Jahrzehnten umstrittene Wasserressource. © NASA/ Landsat 7

Ein Eisstrom als Süßwasser-Lieferant

Am Siachen-Gletscher im südöstlichen Karakorum-Gebirge stehen sich seit dem Jahr 1984 indische und pakistanische Militärposten bis in Höhen über 6.500 Metern gegenüber. Eingerahmt von imposanten Massiven mit klangvollen Namen wie Saltoro Kangri, Sia Kangri und Teram Kangri, die mehr als 7.000 Meter aufragen, bildet der über 70 Kilometer lange Eisstrom den längsten Gletscher des Karakorum und global gesehen den zweitlängsten außerpolaren Gletscher.

In dieser spektakulären Hochgebirgsarena findet seit 30 Jahren ein extrem aufwändiger, kostintensiver und zugleich absurder Stellungskrieg statt, der durch geostrategische

Erwägungen, nationales Prestigedenken und den Wunsch nach Ressourcenzugängen motiviert wird. Im April des Jahres 2012 erhielt der Konflikt erneut mediale Aufmerksamkeit: Damals traf eine große Lawine ein pakistanisches Militärcamp und begrub 140 Menschen unter sich.

Erbe der Kolonialzeit

Der „ewige Streit“ um Kaschmir ist ein Erbe der Teilung Britisch-Indiens. Seit der Dekolonisation des Subkontinents streiten sich die beiden Kontrahenten Indien und Pakistan um die Kontrolle des ehemaligen Fürstentums. Die territoriale Aufteilung in die indisch und die pakistanisch kontrollierten Teile Kaschmirs folgt bis heute über weite Strecken den unter Vermittlung der Vereinten Nationen getroffenen Vereinbarungen von Karachi, die am 1. Januar 1949, nach Ende des ersten Kaschmir-Krieges, eine insgesamt etwa 790 Kilometer lange Waffenstillstandslinie vorsahen.

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Die Region um den Siachen-Gletscher im Karakorum gehört zu den rauesten der Erde. Blick vom Nanga Parbat aus in das Siachen-Gebiet, rechts hinten der Saltoro Kangri. © Guilhem Vellut / CC-by-sa 3.0

Eine Demarkationslinie im Bereich des Siachen-Gletschers bis zum Karakorum-Pass an der chinesischen Grenze wurde dabei allerdings nicht konkretisiert: Aufgrund der klimatischen Bedingungen erschien eine Besiedlung oder Nutzung dieser unwirtlichen Gebiete abwegig. Damit bildete der Siachen-Gletscher ein klassisches Niemandsland, in dem weder Indien noch Pakistan eine militärische oder administrative Präsenz unterhielten.

Expeditionen als Ausdruck territorialer Ansprüche

Pakistan indes genehmigte bis in die frühen 1980er-Jahre vielen internationalen Expeditionen die Besteigung von Hochgipfeln in diesem Gebiet. Wegen der großzügigen Vergabe der Genehmigungen und dem Bereitstellen pakistanischer Offiziere als „Liaison Officers“ befürchtete Indien eine Legitimation territorialer Ansprüche durch Pakistan.

Die indische Armee reagierte mit einer eigenen Expedition, der im Jahr 1978 die Erstbesteigung des Teram Kangri II gelang. Diese Expedition kann als erster konkreter Schritt zur Artikulation territorialer Ansprüche Indiens im Siachen-Gebiet gedeutet werden. Eine weitere Expedition erfolgte im Jahr 1981: 55 Bergsteiger der indischen Armee durchstiegen den Siachen-Gletscher erstmalig in seiner gesamten Länge, erkundeten Hochpässe und bestiegen mehrere Gipfel.

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Hans Gebhardt und Marcus Nüsser, Universität Heidelberg / Ruperto Carola
Stand: 22.08.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kampf ums Wasser
Grenzüberschreitende Gewässer als Auslöser von Konflikten

Wasser als Politikum
Streit um Rechte und Anteile

Wasser als Kriegsauslöser
Fallbeispiel 1: das Jordantal

Streit ums Aquifer
Fallbeispiel 2: Jordanien und Saudi-Arabien

Kampf um den Gletscher
Fallbeispiel 3: Indien und Pakistan

Ein absurder Stellungskrieg
Keine Lösung am Siachen-Gletscher

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