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Nicht nur Serienkiller

Was ist ein Psychopath?

Ob die Filmfigur Hannibal Lecter, der Serienkiller Ted Bundy oder der Sektenführer Charles Manson: Solche skrupellosen, grausamen und gleichzeitig kaltblütigen Mörder gelten als der Prototyp des Psychopathen. Doch was genau macht einen Psychopathen aus? Und ist ein Psychopath automatisch gewalttätig?

manipulativ
Psychopathen sind oft pathologische Lügner und begabte Manipulateure. © Andrey Popov/ iStock

Manipulativ, gefühlskalt und gewissenlos

Psychopathie gilt – ebenso wie die eng verwandte Soziopathie – als schwere Form der sogenannten dissozialen Persönlichkeitsstörungen. Laut offizieller Definition sind dies Störungen, die „durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet sind.“

Was genau einen Psychopathen auszeichnet, hat der kanadische Psychologe Robert Hare vor rund 40 Jahren erstmals näher untersucht in einer noch heute gültigen „Checkliste“ (PCL-R) zusammengefasst. Demnach fühlen sich Menschen mit psychopathischen Zügen anderen überlegen und halten sich nicht an soziale und moralische Normen. Sie empfinden kaum Empathie oder tiefgreifende Emotionen und leiden nicht unter Reue oder Gewissensbissen.

Gleichzeitig jedoch sind Psychopathen oft geschickte Manipulateure der Gefühle anderer. Sie sind häufig durchaus charmant, charismatisch und geschickt darin, andere für ihre Zwecke auszunutzen. Nach Hare gehört auch das pathologische Lügen zu diesen Kernmerkmalen – der primären Dimension – einer psychopathischen Persönlichkeit. Interessanterweise scheinen selbst psychopathische Gefängnisinsassen von ihrer Fähigkeit zur Manipulation und zum „Blenden“ anderer zu profitieren. Denn einer Studie zufolge werden sie dreimal häufiger vorzeitig entlassen als ihre nicht psychopathischen Mithäftlinge.

Impulsiv und gewalttätig

Doch es gibt noch eine zweite Dimension der Psychopathie, die je nach Typ unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Diese umfasst einen Hunger nach immer neuen stimulierenden Erfahrungen – beispielweise durch riskantes Verhalten, Straftaten oder auch Drogen. Meist haben diese Psychopathen zudem Probleme, ihre spontanen Impulse zu kontrollieren oder sich langfristige Ziele zu setzen. Eng damit verknüpft ist ein Hang zu Gewalttätigkeit und zur Promiskuität. Diese Wesenszüge treten vor allem bei psychopathischen Kriminellen stark zutage – sie sind es, die das klassische Bild des Psychopathen als Serienkiller geprägt haben.

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Charles Manson
Der psychopathische Sektenführer und Mörder Charles Manson im Jahr 1968. © California Department of Corrections and Rehabilitation

Doch es gibt auch Psychopathen, die diese sogenannte egozentrische Impulsivität besser kontrollieren können. Mit anderen Worten: Ein Psychopath ist nicht automatisch ein gewalttätiger Mörder – auch ein erfolgreicher Geschäftsmann kann psychopathische Züge besitzen. „Diese Psychopathen haben durchaus die intellektuelle Fähigkeit, die Regeln der Gesellschaft und den Unterschied zwischen Gut und Bose zu erkennen – aber sie entscheiden, welchen Regeln sie folgen und welche sie ignorieren“, beschreibt Robert Hare das Phänomen.

Der Psychopath in uns

Doch ab wann ist man ein Psychopath? Und wie viele gibt es? Die von Hare entwickelte PCL-R-Checkliste umfasst 20 Kriterien, die nach Ausprägungsgrad mit jeweils bis zu zwei Punkten bewertet werden. Erreicht ein Mensch 25 von 40 Punkten, hat er einen hohen Grad der Psychopathie, ab 30 gilt er als diagnostizierter Psychopath. Nach Hare sind etwa ein Prozent der Bevölkerung psychopathisch.

Allerdings: „Es gibt keinen An-/Aus-Schalter, der bestimmt, ob man ein Psychopath ist oder nicht“, erklärt der Psychologe Brian Bundle von der Baylor University in Texas. Stattdessen manifestiert sich dieser Persönlichkeitsstörung je nach Person mal stärker oder schwächer – es ist eine Spannbreite mit fließenden Übergängen. Demnach können auch viele „ganz normale“ Menschen durchaus psychopathische Wesenszüge besitzen – meist, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Was aber geht konkret im Inneren eines Psychopathen vor?

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Psychopathie – das kalte Herz
Was steckt hinter der psychopathischen Persönlichkeitsstörung?

Nicht nur Serienkiller
Was ist ein Psychopath?

Das kalte Herz
Haben Psychopathen Gefühle?

"Kognitiv, nicht emotional"
Psychopathen und die Empathie

Fehlende Verknüpfung
Blick ins Gehirn des Psychopathen

Der Psychopath im Maßanzug
Warum psychopathische Wesenszüge der Karriere helfen können

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