Psychopathische Wesenszüge helfen beim Karriereaufstieg – aber nur Männern Psychopathen auf dem Chefsessel? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Psychopathische Wesenszüge helfen beim Karriereaufstieg – aber nur Männern

Psychopathen auf dem Chefsessel?

Sind Topmanager Psychopathen? © XiXinXing/ isTock

Skrupellos und dominant: Ein Hang zu psychopathischem Verhalten ist bei Topmanagern keine Seltenheit – und kann ihnen bei der Karriere durchaus helfen, wie eine Metastudie nun bestätigt. Allerdings: Dieser Vorteil gilt nur, solange die psychopathischen Tendenzen gemäßigt bleiben und auch nur für Männer. Frauen dagegen werden für einen Mangel an Empathie und einen zu aggressiven Führungsstil eher abgestraft.

Ob Enron, Lehman Brothers oder VW: Skandale wie diese enthüllen, dass gerade Topmanager und Führungskräfte von Unternehmen häufig skrupellos, amoralisch und ohne Rücksicht auf andere oder die Folgen ihres Handelns zu agieren scheinen. Damit jedoch zeigen sie Persönlichkeitsmerkmale, wie sie auch Menschen mit psychopathischen Tendenzen zugeschrieben werden. Das weckt die Frage, ob ein gewisser Hang zum Psychopathentum möglicherweise sogar eine Karriere als Topmanager begünstigt.

Hilft bei der Karriere

Sitzen in unseren Chefsesseln vornehmlich versteckte Psychopathen? Um das zu überprüfen, haben Karen Landay von der University of Alabama und ihre Kollegen 92 Studien zu psychopathischen Tendenzen bei Führungskräften ausgewertet. Für ihre Metastudie untersuchten sie, ob Menschen mit solchen Persönlichkeitsmerkmalen besonders häufig in solchen Positionen zu finden sind und wie effektiv sie als Chef eingestuft werden.

Und tatsächlich: „Unsere Resultate zeigen eine schwach positive Korrelation für psychopathische Tendenzen bei Führungskräften“, berichten die Forscher. Demnach haben Menschen mit einer leicht psychopathischen Persönlichkeit etwas größere Chancen, in die Führungsebene aufzusteigen. Kein Wunder: Aggressive Verhandlungstaktiken, das „Gehen über Leichen“ und ein wenig empathischer Führungsstil gelten in der Kultur vieler Branchen noch immer als Erfolgsmerkmale.

Erfolgreich, aber nicht lange

Allerdings: Ausgeprägte Psychopathen halten sich nicht sehr lange auf dem Chefsessel. Denn wie die Studien enthüllten, gelten Führungskräfte mit gemäßigten psychopathischen Tendenzen als effektiv, nicht aber Chefs mit stark ausgeprägter Psychopathie. „Wir können demnach davon ausgehen, dass ein skrupelloses, asoziales Verhalten sich auf Dauer nicht auszahlt“, sagt Landays Kollege Peter Harms.

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Echte Psychopathen dürfte es in den Chefsesseln der Unternehmen demnach wohl nur wenige geben. „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die Befürchtungen zum Psychopathentum bei Führungskräften eher übertrieben sind“, so die Wissenschaftler. Allerdings kann ein Hang zu psychopathischem Verhalten vor allem Männern durchaus dabei helfen, die Karriereleiter hinaufzuklettern. Das bestätigt frühere Studien, nach denen Unternehmer schon in ihrer Jugend häufiger stärkere antisoziale Tendenzen zeigen.

Frauen werden abgestraft

Interessant jedoch ist ein klarer Geschlechterunterschied: Während Männer mit psychopathischen Tendenzen beruflich profitieren, gilt für Frauen das Gegenteil. Verhalten sie sich impulsiv, skrupellos und dominant, sinken ihre Chancen auf den Chefposten noch mehr als ohnehin schon. „Das für Psychopathen oft charakteristische aggressive Verhalten gilt gemeinhin als prototypisch männlich und wird daher bei Männern eher toleriert“, erklärt Harms. „Wenn aber eine Frau sich entgegen der Rollenverteilung verhält, wird sie abgestraft.“

„Die Existenz dieses Doppelstandards ist beunruhigend“, sagt Landay. Frauen, die durch Nachahmen eines eher männlichen Führungsstils an die Spitze kommen wollen, geraten dadurch in eine Sackgasse.

Für Harms sind die Konsequenzen klar: „Wir müssen schlechtes Verhalten gerade bei Männern bewusster wahrnehmen und dürfen es nicht tolerieren“, sagt er. „Es ist nicht in Ordnung, zu lügen, zu schummeln oder andere zu verletzen – egal ob es aus persönlichem Ehrgeiz, aus unternehmerischem Kalkül oder einfach so geschieht.“ (Journal of Applied Psychology, 2018; doi: 10.1037/apl0000357)

(American Psychological Association, 16.10.2018 – NPO)

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