Fehlende Empathie sorgt für geringere Ansteckung beim Gähnen Psychopathen gähnen seltener mit - scinexx | Das Wissensmagazin
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Fehlende Empathie sorgt für geringere Ansteckung beim Gähnen

Psychopathen gähnen seltener mit

Ansteckend? Mitgähnen gilt als Zeichen von Empathie - Psychopathen fehlt dieses Einfühlungsvermögen. © FreeImages.com / riesma pawestri

Gähnen als verräterisches Indiz? Menschen mit psychopathischem Charakter lassen sich seltener vom Gähnen anstecken als andere. US-Psychologen haben im Experiment bestätigt, dass die fehlende Empathie der Psychopathen sie auch weniger anfällig für fremdes Gähnen macht. Doch Vorsicht: Nicht jeder, der nicht mitgähnt, ist automatisch ein Psychopath, mahnen die Forscher.

Jeder weiß, wie ansteckend Gähnen sein kann: Fängt erst jemand in einer Gruppe an zu gähnen, springt es schnell auf andere Beobachter über. Selbst Schimpansen, Hunde und sogar Vögel lassen sich von fremdem Gähnen anstecken. „Man kann gähnen, selbst wenn man es gar nicht muss“, sagt Brian Rundle von der Baylor University in der texanischen Stadt Waco. Das ansteckende Gähnen gilt als Zeichen für Empathie: Wer besonders mit dem gähnenden Menschen mitfühlt, wird selbst zum Gähnen veranlasst.

Kein An/Aus-Schalter für Psychopathie

Dies brachte Rundle dazu, einen weiteren Zusammenhang zu überprüfen: „Ich dachte, ‚Wenn es wahr ist, dass es einen Bezug zwischen Gähnen und Empathie gibt, setze ich darauf, dass Psychopathen viel weniger gähnen‘.“ Psychopathen zeichnen sich durch antisoziales und manipulatives Verhalten aus, sie sind selbstsüchtig, impulsiv, risikobereit und unterdrücken andere. Ihnen fehlt die Fähigkeit, Gedanken und Bedürfnisse anderer Menschen nachzuvollziehen – sie sind kaum empathisch.

Um seine Vermutung zu überprüfen, ließ Rundle zunächst 135 Studenten einen standardisierten Fragebogen beantworten. In diesem Psychotest erfasste er die psychopathischen Tendenzen der Studienteilnehmer. „Es gibt keinen An/Aus-Schalter, ob man ein Psychopath ist oder nicht“, erklärt der Forscher. Stattdessen gibt es eine Bandbreite, wie ausgeprägt typisch psychopathische Charakterzüge sind.

Elektroden zeigen Impuls zum Gähnen

Anschließend bekamen die Probanden insgesamt zwanzig Videoclips von gähnenden, lachenden, oder ausdruckslosen Gesichtern mit einer Länge von jeweils zehn Sekunden zu sehen. Dabei trugen sie Elektroden an den Augenwinkeln, den Augenlidern, auf der Stirn und an Zeige- und Mittelfinger. Darüber ließen sich auch kleinste Reaktionen aufzeichnen.

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Die Wissenschaftler konnten so erkennen, wie stark der Impuls zum Gähnen bei den Studienteilnehmern durch die gezeigten Gesichter war. Und tatsächlich bestätigte das Experiment die Vermutung: Wer zuvor im Psychotest wenig Empathie gezeigt hatte, ließ sich auch seltener vom Gähnen anstecken.

Neurologische Verbindung zwischen Gähnen und Psychopathie

Die Forscher mahnen allerdings zur Vorsicht und wollen das Ergebnis nicht überbewerten: „Die letztendliche Lektion ist nicht, dass die andere Person ein Psychopath ist, wenn man selbst gähnt und der andere nicht“, sagt Rundle. Viele der Studienteilnehmer hätten nicht gegähnt. „Und wir wissen, dass wir weniger wahrscheinlich auf das Gähnen eines Fremden reagieren, mit dem wir keine empathische Verbindung teilen.“

Die Studie verdeutliche jedoch die Zusammenhänge, meint der Forscher: „Was wir herausgefunden haben, verrät uns, dass es eine neurologische Verbindung zwischen Psychopathie und ansteckendem Gähnen gibt“, so Rundle. „Das ist ein guter Ausgangspunkt, um weitere Fragen zu stellen.“

(Baylor University, 25.08.2015 – AKR)

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