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Mit MeBO den Asphalt durchbohren

Das Interview Teil II

g-o.de:

Haben Sie Pläne für weitere Exkursionen zu den Asphaltvulkanen? Wenn ja, wo wird dabei der Schwerpunkt liegen?

QUEST - Multitalent der Tiefsee © RCOM

Bohrmann:

In 2007 oder 2008 ist zunächst eine Expedition auf einem mexikanischen Forschungsschiff vorgesehen. Ab 2009 können wir dann hoffentlich wieder mit der deutschen Meteor in den Golf von Mexiko fahren – wenn unsere Anträge genehmigt werden und somit die notwendigen finanziellen Mittel bereit stehen. Auf der mexikanischen Expedition geht es vorwiegend um die Verbreitung der Asphalte auch an anderen Knolls, wobei mit einem Sidescan Sonar System die Asphaltvorkommen kartiert werden sollen. Während einer zukünftigen METEOR oder auch MERIAN Expedition wollen wir unter anderem auch mit dem Bremer Bohrgerät MeBo

durch die Asphaltdecke von Chapopote hindurchbohren, um auch die Prozesse an der Basis der Asphalte und darunter zu untersuchen. Auch der ROV QUEST soll wieder zum Einsatz kommen.

g-o.de:

Hat die Erforschung der Asphaltvulkane über das wissenschaftliche Interesse hinaus auch eine konkrete praktische Relevanz – beispielsweise für die Erdölindustrie?

Bohrmann:

Die Erdölindustrie interessiert sich sehr für unsere Forschung, weil es in der Region der Campeche Knolls mit Sicherheit umfangreiche Öl- und Gasvorkommen gibt. Denn Austrittsstellen am Meeresboden haben immer eine Quelle. Die muss irgendwo – höchstwahrscheinlich mehrere Kilometer – tief unterhalb der Asphaltvulkane im Erdboden liegen. Es ist aber zurzeit noch so, dass dieser rund 3.300 Meter tiefe Teil des Golfs von Mexiko kein gezieltes Explorationsgebiet ist. Denn je weiter runter man bei der Rohstoffsuche und dem anschließenden Abbau geht, desto teurer wird es. Deshalb schieben die Firmen das im Moment noch hinaus.

Im nördlichen Golf von Mexiko ist man aber immerhin schon bei 2.000 Metern Wassertiefe angelangt. Jetzt kämen noch einmal rund 1.000 Meter hinzu. Das ist wieder eine Herausforderung, aber irgendwann wird man auch in diesen Wassertiefen arbeiten. Erdölfirmen wie PEMEX, die nationale Ölgesellschaft Mexikos, waren deshalb auf der Expedition 2006 bereits mit an Bord und sind begeistert von unseren Daten.

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g-o.de:

Die Tiefsee ist noch immer weitgehend unerforscht. Rechnen Sie in Zukunft noch mit ähnlich spektakulären Entdeckungen wie den Schwarzen Rauchern oder jetzt den Asphaltvulkanen?

Bohrmann:

Ja, wir glauben, dass wir noch längst nicht alles erfasst haben. Das sehen wir gerade in letzter Zeit, wo wir verstärkt Roboter und Tauchboote benutzen und dabei viele neue Phänomene wie Weiße Raucher oder Cold Seeps kennen gelernt haben. Ich bin sicher: In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir in der Tiefsee noch einige weitere ungewöhnliche Funde machen.

g-o.de:

Herr Professor Bohrmann vielen Dank für das Gespräch.

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Stand: 02.11.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Asphaltvulkane
Bizarrer Lebensraum auf Salz und Bitumen

Salzhügel spucken Asphalt
Die Entdeckung einer neuen Art von Vulkanismus

Kunstwerke der Tiefsee
Wie entstehen Asphaltvulkane?

Ein Lift für Asphalt
Wie kommt das Material an seinen Bestimmungsort?

Energie ohne Licht
Auf der Suche nach dem Lebenselixier im Asphalt

Mit QUEST auf Spurensuche in der Tiefsee
Die zweite Expedition zu den Asphaltvulkanen

Karamell, Asphaltfäden und das „Elixier des Lebens“
Neue Entdeckungen am Chapopote

Sonderbare Erhebungen mit einem Krater in der Mitte...
Der Meeresgeologe Professor Dr. Gerhard Bohrmann im Interview

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