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Himmelskrebse und Wanzensauce

Wo isst man welche Insekten?

Auswahl gibt es reichlich: Mehr als 1.900 Insektenarten gelten heute als essbar, die Spanne reicht dabei von Käfern über Schmetterlinge, Termiten und Grashüpfer bis hin zu Zikaden und Schaben. Allein in Mexiko stehen nach Angaben der FAO rund 500 verschiedenen Insekten auf dem Speiseplan, dort reicht die Tradition des Insektenessens immerhin schon bis zu den Azteken zurück. Aber auch in China werden immerhin noch 180 verschiedenen Insektenarten verzehrt.

Gebratene Grashüpfer in Mexiko © Velacreations/ CC-by-sa 2.0 us

Wanzen, Grashüpfer und des Kaisers Leibspeise

Ein richtiges Fest ist in Mexiko beispielsweise im November das Jumil Festival. Zu diesem Anlass ziehen die Einheimischen in die Berge, um Jagd auf die Kieferwanzen zu machen. Die geernteten Wanzen werden leicht gesalzen in Tortillas eingerollt und dann roh verspeist. Bei den Mixteken und Zapoteken in Oaxaca finden dagegen als Chapulines bezeichnete Grashüpfer großen Anklang. Sie werden in der Pfanne unter Beigabe von Limone, Salz und Knoblauchbrühe geröstet.

In Japan sind Wespenlarven eine Delikatesse. Sie werden in den zentralen Gebirgsregionen gesammelt und mit Sojasoße, Zucker und Sake abgeschmeckt zum Reis gereicht. Das Gericht galt sogar als Leibspeise des 1989 gestorbenen japanischen Kaisers Hirohito. So verwundert es nicht, dass auch japanische Supermärkte in Dosen verpackte Wespenlarven verkaufen. Ebenfalls in Dosen erhältlich sind Köcherfliegenlarven. Gezuckert und mit Sojasauce abgerundet sind auch sie eine Delikatesse.

Gekochte Mopane-Raupen (Gonimbrasia belina) mit Zwiebeln ist eine traditionelle Speise der Owambo in Namibia © ComQuat/ CC-by-sa 3.0

Eine Raupe als Wirtschaftszweig

Im Süden Afrikas ist die Mopane-Raupe eine begehrte Nahrung und Eiweißquelle für Millionen von Menschen. Die große Raupe des Nachtfalters Gonimbrasia belina wird im Dezember und März in Massen von Mopanebäumen abgesammelt. Die Raupen werden dann entweder getrocknet oder in Salzlauge eingelegt und in Dosen konserviert, einige werden auch frisch verkauft. Gegessen wird die Mopane-Raupe getrocknet, gekocht, gebraten, aber auch roh.

Das Sammeln und der Verkauf dieser Raupen ist im südlichen Afrika immerhin ein Wirtschaftszweig mit mehreren Millionen Euro Jahresumsatz. Für den Falter allerdings hat dieser Run auf die Larvenspeise negative Folgen: In einigen Gebieten ist er bereits so gut wie ausgestorben. Seit 2001 arbeiten die Länder Botswana und Simbabwe daran, Mopanewürmer in Mikrofarmen zu züchten, um den Schmetterling nicht weiter zu gefährden.

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Ameisen und Käferlarven

In Südostasien sind die Larven und Puppen der Weberameise als Zutat in vielen Gerichten zu finden. Die Tiere werden Suppen, Salat oder gebratenen Speisen beigemengt, schmecken gut gewürzt aber auch roh. In Thailand werden dagegen die Weibchen einer großen roten Ameise wegen ihres hohen Fettanteils gesammelt und gegessen. Auf thailändischen Märkten kann man diese Ameisen auf Bananenblättern ausgelegt kaufen, kross gebraten schmecken diese Insekten nach Speck.

Essfertig gegrillt: Skorpione am Spieß in China. © Verdgris/ CC-by-sa 3.0

In ganz Südostasien verbreitet und beliebt sind die bis zu acht Zentimeter langen Larven des Roten Palmrüsslers, eines in dem Mark von Palmen lebenden Käfers. In Bali finden sich Libellen, deren Flügel entfernt wurden, mit Kokosnussmilch, Ingwer und Knoblauch im Kochtopf wieder. Im Nordosten Thailands werden glich ganze Riesenwasserwanzen zu einer schmackhaften Sauce verarbeitet. Im Mörser zerstoßen und mit Fischsud, Knoblauch, Limetttensaft und Chili vermischt, ist diese Sauce eine schmackhafte Würze für den Reis.

In China haben sich Skorpionmästereien sogar zu erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Dank der großen Nachfrage an Skorpionfleisch bei der südostasiatischen Bevölkerung erwirtschaftet deren Massenhaltung fortwährenden Gewinn. In der chinesischen Stadt Deli gelten Libellenlarven als Delikatesse, die in den Restaurants mit Pfefferminze gebraten und zum Reis serviert werden.

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Nadja Podbregar / eHotel
Stand: 26.06.2015

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Insekten auf dem Speiseplan
Warum die sechsbeinige Kost eine echte Alternative sein kann

Der Ekel-Faktor
Warum scheuen sich viele vor dem Insekten-Genuss?

Alternative zu Rind und Co?
Warum sollen wir Insekten essen?

Sechsbeinige Fitmacher
Wie gesund ist die Insektenkost?

Himmelskrebse und Wanzensauce
Wo isst man welche Insekten?

Versteckte Fleischbeilage
Wie könnte man uns Insektenkost schmackhaft machen?

Einmal den Dschungelteller, bitte?
Interview mit dem Lebensmittel-Experten Guido Ritter

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