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Der virtuelle Wettkampfgegner

Wandel des Breitensports durch Self-Tracking

Im Sport werden seit jeher Körperdaten gesammelt und zur Verbesserung oder Optimierung sportlicher Leistungen genutzt. So gesehen scheint der Einsatz von Self-Tracking-Gadgets im Sport nichts qualitativ Neues zu sein. Tatsächlich aber zeigt sich, dass der Self-Tracking- Boom zumindest im Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport einen strukturellen Wandel befördert.

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Technik als Coach

So ist im Breiten- und Freizeitsport durch den Einsatz von Self-Tracking-Gadgets ein gewisser Professionalisierungsschub ausgelöst worden. Mithilfe von Applikationen wie „Runtastic“ oder „Fitbit“ ist es nun auch dem „normalen“ Durchschnittssportler möglich, auf eine einfache, nämlich technische Weise ein quasiprofessionelles Trainingsprogramm zu erstellen beziehungsweise zu erhalten.

Die Geräte werden zum Personal Coach, der individuell zugeschnittene Trainingspläne entwirft, sie kontrolliert, modifiziert und auf unterhaltsame Weise sanktioniert. Durch Self-Tracking-Gadgets ist es möglich, das eigene Training noch zielgerichteter, noch effizienter und noch optimaler zu gestalten. Kurz: richtig, weil professionell. Und das obendrein ganz alleine und nur für sich.

Über Daten, Positionen und Rankings motivieren Fitness-Apps die Breitensportler © ramasamy chidambaram / freeimages

Ranking statt Medaille

Unter den ambitionierten Freizeit- und Breitensportlern kommt es durch Self-Tracking darüber hinaus zu ganz neuen, nämlich virtuellen Wettkampfgegnern und Wettkampfformen. Für Self-Tracker, die ihre Sportdaten ins Netz stellen, um diese und damit sich mit anderen zu vergleichen, ist der eigentliche Ort des Wettkampfs nicht mehr die reale Lauf-, Fahrrad- oder Schwimmstrecke, sondern das Internet.

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Auch die Gegnerin ist nicht so sehr die real anwesende Sportlerin. Die Referenzgrößen im Wettkampf sind vielmehr Daten, Positionen und Rankings. Ebenso sind die Wettkampftrophäen andere, beispielsweise statt des im Sportstadion erkämpften Sportabzeichens eine Belohnung oder ein „Fitnessabzeichen“, das sich der Self-Tracker beim Anbieter der App „verdienen“ kann.

Hilfe gegen den Schweinehund

Die smarten Technologien führen aber auch dazu, Menschen in den Sport zu integrieren, die bis dahin sportabstinent lebten. Self-Tracking-Apps und -Gadgets gelingt es offensichtlich, Menschen zu motivieren, mit Jogging, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Gesundheitssport im weiten Sinne zu beginnen. Der innere Schweinehund scheint sich mithilfe solcher Gadgets leichter besiegen zu lassen als durch die eigene Willensstärke oder andere Menschen – zumindest zu Anfang. Die Nachhaltigkeit dieser Techniken ist allerdings oftmals gering.

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Stefanie Duttweiler und Robert Gugutzer / Forschung Frankfurt
Stand: 14.08.2015

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Self-Tracking
Narzisstische Selbstoptimierung oder gesunde Hilfe?

Umstrittene Nabelschau
Self-Tracking: Fluch oder Segen?

Mogeln gehört dazu
Wozu nutzen Menschen Self-Tracker?

Der virtuelle Wettkampfgegner
Wandel des Breitensports durch Self-Tracking

Sozialer Faktor und Karrierrehilfe
Self-Tracking bei Sport-Studierenden

Pragmatisch statt verdinglicht
Self-Tracking muss differenzierter gesehen werden

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