Neugeborene Kinder sind kein unbeschriebenes Blatt – und auch nicht geschlechtsneutral. Entwicklungspsychologen haben bei weiblichen und männlichen Neugeborenen interessante, zumeist aber nur geringfügige Unterschiede in Wahrnehmung, Motorik und Denken beobachtet.

Schmerzen, Hören und Sehen
In Bezug auf die Schmerzwahrnehmung scheinen Mädchen beispielsweise etwas empfindlicher zu sein als Jungen. Dies passt gut zu Studien, nach denen Frauen auch im Erwachsenenalter anders und sensibler auf Schmerzen reagieren. Sie leiden häufiger unter chronischen oder wiederkehrenden schmerzhaften Erkrankungen.
Auch hinsichtlich der Fernsinne wurden frühe Geschlechtsunterschiede beschrieben: So reagieren die Gehirne von Mädchen stärker auf akustische Signale im Innenohr und auf veränderte visuelle Muster. Mädchen entwickeln ihre Sehschärfe und ihr räumliches Sehen im ersten halben Lebensjahr etwas früher als Jungen. Dafür scheinen bei Jungen die Kontrastempfindlichkeit und die Anpassung der Pupillen an Helligkeitsunterschiede besser zu funktionieren. In jedem Fall sind entsprechende Unterschiede allerdings nur temporär nachweisbar.
Mamas Stimme, Papas Ball
Anders verhält es sich beim Temperament: Hier finden sich zeitlich stabile Geschlechtsunterschiede. Bereits im ersten Lebensjahr weisen Mädchen im Mittel ein geringeres Aktivitätsniveau auf als Jungen, sie reagieren sensibler auf Veränderungen in der Umwelt und zeigen eher ein ängstliches Verhalten. Dominante Verhaltensreaktionen können kleine Mädchen dagegen besser unterdrücken.











