So nah an Mitternacht stand die Weltuntergangs-Uhr noch nie Doomsday Clock: Es ist 100 Sekunden vor zwölf - scinexx | Das Wissensmagazin
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Doomsday Clock: Es ist 100 Sekunden vor zwölf

So nah an Mitternacht stand die Weltuntergangs-Uhr noch nie

Doomsday Clock
Die Weltuntergangs-Uhr steht erstmals auf nur noch 100 Sekunden vor zwölf. © iStock/scinexx

Präzedenzfall: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte steht die „Doomsday Clock“ auf nur noch 100 Sekunden vor zwölf – und signalisiert eine akute Bedrohung der Menschheit. Als Hauptgefahren sieht das Bulletin of the Atomic Scientists die wachsende atomare Bedrohung, den Klimawandel und die digitale Desinformation. Letztere säe Misstrauen und untergrabe die Fähigkeit, die drängenden Konflikte und Probleme zu lösen.

Seit 1947 ist die Weltuntergangs-Uhr ein Symbol für die Bedrohungslage der Welt. Die von Wissenschaftlern des Bulletin of the Atomic Scientists (BAS) verwaltete Uhr symbolisiert, wie nah die Menschheit daran ist, sich durch Waffen, andere menschengemachte Technologien oder Konflikte zu zerstören. Auch die Bedrohungen durch Biotechnologien, Klimawandel und Umweltzerstörung sowie Cyberkriminalität werden inzwischen miteinbezogen. Insgesamt wurde die Doomsday Clock“ schon 24 Mal verstellt – zuletzt im Januar 2018, als sie erstmals seit dem Kalten Krieg wieder den Rekordstand von zwei Minuten vor zwölf erreichte.

Weltuntergangs-Uhr
Enthüllung des neuen Zeigerstands durch das Bulletin of the Atomic Scientists. © BAS

Nur noch Sekunden statt Minuten

Jetzt hat das Komitee der Weltuntergangs-Uhr den Zeiger erneut ein Stück vorgerückt: auf 100 Sekunden vor Mitternacht. „So nah am Weltuntergang waren wir in der Geschichte der Doomsday Clock noch nie“, sagt Rachel Bronson, Präsidentin des Bulletin of the Atomic Scientists. „Erstmals drücken wir in Sekunden aus, wie nah die Welt an einer Katastrophe steht – nicht in Stunden oder Minuten wie früher.“

Ein weiterer historischer Präzendenzfall: Zum ersten Mal hat das Bulletin die Entscheidung nicht allein getroffen, sondern sich dafür mit der Organisation „The Elders“ zusammengetan – einem 2007 von Nelson Mandela gegründeten Zusammenschluss von führenden Politikern, die sich für Frieden und Menschenrechte einsetzen. „Wir teilen die Sorge über das Versagen der multilateralen Systeme im Angesicht der existenziellen Bedrohungen, denen wir gegenüberstehen“, sagt Elder-Mitglied und früherer UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon.

Atomares Tauziehen

Als Gründe für das Verstellen der Zeiger auf 100 Sekunden vor Mitternacht nennt das Komitee vor allem drei Faktoren: die stark gestiegene Gefahr eines Atomkriegs, den Klimawandel und die digitale Desinformation, die Misstrauen zwischen Ländern und innerhalb von Gesellschaften sät und so die Bedrohungen noch verstärkt. „Die internationale Sicherheitslage ist düster, nicht nur weil diese Bedrohungen existieren, sondern weil die Weltpolitiker zugelassen haben, dass die internationale politische Infrastruktur, die sie kontrollieren könnte, erodiert“, konstatiert das BAS.

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Konkret nennt das Komitee den Austritt der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran als wachsende Bedrohung, aber auch das beiderseitige Aufkündigen des Verbots von Mittelstrecken durch die USA und Russland. „Die Kooperation bei der Waffenkontrolle und Entwaffnung zwischen den USA und Russland ist quasi nichtexistent“, so das Komitee. Auch die atomare Aufrüstung des Iran und Nordkoreas und die damit verknüpften Konflikte seien noch immer ungelöst und verschlimmerten sich zusehends.

Gescheiterter Klimaschutz und digitale Desinformation

Ebenfalls ein Grund für das Verstellen der Doomsday Clock ist der Klimawandel und das anhaltende Scheitern der internationalen Klimaschutzbemühungen. „Beim UN-Klimagipfel letztes Jahr haben die nationalen Delegierten zwar schöne Reden gehalten, aber wenig konkrete Pläne vorgelegt, um die CO2-Emissionen weiter zu begrenzen“, sagen die BAS-Mitglieder. Das sei zu wenig – vor allem angesichts eines Jahres, in dem sich der menschengemachte Klimawandel in Wärmerekorden, ausgedehnten Bränden und schneller schmelzenden Gletschern manifestiert hat.

Eine weitere Gefahr sieht das Uhr-Komitee in der digitalen Desinformation: „Die fortschreitende Korruption der Informations-Sphäre hat die Atom- und Klimakrise noch verstärkt, denn auf ihr basieren Demokratie und öffentliche Entscheidungen“, so das BAS. „Im letzten Jahr haben Regierungen cybergestützte Desinformation gezielt genutzt, um Misstrauen in Institutionen und zwischen Ländern zu säen.“

Das Komitee der Weltuntergangs-Uhr appelliert an die internationale Gemeinschaft und vor allem die Weltpolitiker, endlich zu handeln. „Die Doomsday Clock steht auf 100 Sekunden vor zwölf und signalisiert die gefährlichste Situation, in der die Menschheit jemals war“, sagt die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson. „Es ist höchste Zeit zusammenzukommen, sich zu einen und zu handeln.“

Quelle: Bulletin of the Atomic Scientists

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