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Freitag, 31.03.2017
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NRW in der Klima-Falle?

Neue Studie zeigt Risiken des Klimawandels auf

Die Klimazukunft Nordrhein-Westfalens wird risikoreicher. Die Hochwassergefahr im Winter nimmt zu, im Sommer sind häufigere Trockenheiten zu erwarten: Dies hat eine neue Studie Potsdamer Wissenschaftler im Auftrag des Landesministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) ergeben.
CO2-Emittent Kraftwerk

CO2-Emittent Kraftwerk

Die Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben darin die Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Regionen und Sektoren in NRW untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen Bedarf für eine zukunftsweisende Politik auf.

„Die Klimaveränderungen laufen schneller ab als angenommen“, sagt Jürgen Kropp, der Leiter der Studie vom PIK. Darauf müsse man sich auch in Deutschland einstellen. Das Forscherteam um Kropp hat zwischen Mai 2008 und April 2009 die Verwundbarkeit von sieben Sektoren wie zum Beispiel Gesundheit, Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, oder Naturschutz in Nordrhein-Westfalen (NRW) untersucht. In der Studie zeigen die Wissenschaftler zudem auf, welche Möglichkeiten zur Anpassung bestehen.

Hochwasser

Hochwasser

Mehr Hoch- und Niedrigwasser


Ihre Modellierungen zeigen beispielsweise, wie viel Wasser die Flüsse NRWs zukünftig führen werden. Im Winter ist aufgrund stärkerer Niederschläge mit stärkeren Abflüssen, also auch mit erhöhter Hochwassergefahr zu rechnen.


Im Sommer kehrt sich dieser Effekt nach Angaben der Forscher um: Das Risiko für Niedrigwasser in den Flüssen nimmt zu, was unter anderem den Energiesektor betreffen würde, der auf ausreichend Flusswasser für Kühlzwecke angewiesen ist. Zudem kann aufgrund der Erwärmung und der damit verbundenen erhöhten Verdunstung in einigen Regionen die Grundwasserneubildung abnehmen.

Gesundheit in Gefahr


Die Erwärmung begünstigt auch die Verbreitung von Krankheitserregern, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden sowie die Verbreitung von Allergie auslösenden Pflanzen. Zudem könnten im Sommer häufiger Hitzewellen auftreten, was ein Risiko für ältere Menschen darstellt. Besonders deutlich wirkt sich dies in den Ballungszentren des Ruhrgebiets aus. Maßnahmen wie Grünflächen anzulegen, die Temperatur in öffentlichen Gebäuden zu regeln und Verhaltensänderungen der Betroffenen könnten dieses Risiko jedoch minimieren, berichten die Wissenschaftler.

Skitourismus ein Auslaufmodell?


Während der Sommertourismus durch die Zunahme von Sommertagen mit Temperaturen über 25 Grad Celsius profitieren könnte, wird Skitourismus in NRW trotz künstlicher Beschneiung nur noch eingeschränkt möglich sein. Nicht nur die natürlichen Schneetage nehmen nach den Ergebnissen der Klimaforscher deutlich ab, sondern auch die Tage, an denen Kunstschnee produziert werden könnte: Bis 2020 um bis zu 30 Prozent, bis 2050 sogar um bis zu 55 Prozent. „Der Skitourismus im Sauerland ist ein Auslaufmodell“, sagt Kropp.

In der Natur wirkt sich der Klimawandel bereits deutlich aus. Die Wachstumsphasen einiger Pflanzenarten im Jahresverlauf beginnen heute bereits um einige Tage früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Auch die Artenzusammensetzung könnte durch Klimawandel und Landnutzungsänderungen deutlich verändert werden. Die landwirtschaftlichen Ertragsaussichten für NRW sind insgesamt günstig. Trotz zunehmender Verdunstung wird in den meisten Regionen wahrscheinlich ausreichend Wasser vorhanden sein.

Mehr und stärkere Stürme


Häufigere und stärkere Stürme könnten jedoch speziell die besonders anfälligen monokulturellen Forstflächen in den Höhenlagen der Mittelgebirge gefährden. Das zeigt ein am PIK entwickelter Sturmwurfindex. Da auch die Waldbrandsaison künftig länger wird, steigt insgesamt das Waldbrandrisiko. Die Klimaänderungen haben aber zunächst keinen starken Einfluss auf das Wachstum der Wälder in NRW.

Um dies aber abschließend beurteilen zu können, müsste nach Ansicht der PIK-Wissenschaftler genauer untersucht werden, wie sich die Konkurrenz zwischen einzelnen Arten zukünftig auswirken wird.
(idw - Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, 29.04.2009 - DLO)
 
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