• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 25.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Moderne Medizintechnik für den Meeresboden

Bremer Geologen nutzen mobilen Computer Tomographen

In die "Röhre" geschickt werden normalerweise Menschen mit Tumoren oder komplizierten Knochenbrüchen. Doch Meeresgeologen am MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften durchleuchten auch Meeresboden in einem eigens angeschafften Computer Tomographen.
Gashydrate

Gashydrate

So können die Bremer Wissenschaftler – genau wie Mediziner – in ihre Untersuchungsobjekte in großem Detail hineinschauen, ohne sie zu aufzuschneiden, beziehungsweise zu zerstören. Dadurch erwarten sich die Geowissenschaftler große Fortschritte bei der Untersuchung vor allem von Gashydraten. Da das Gerät in einem LKW-Anhänger mobil untergebracht ist, kann es auch auf Expeditionen mitreisen, um die Untersuchungen an Material frisch vom Meeresboden zu ermöglichen.

„Zerstörungsfreie Untersuchung ist das Stichwort“, so Professor Gerhard Bohrmann, Vizedirektor des MARUM und Leiter der Arbeitsgruppe, die den Computer-Tomographen, kurz CT betreibt. „Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der Untersuchung von Gashydraten. Diese sind aber nur bei hohem Druck und niedriger Temperatur stabil. Unsere Proben vom Meeresboden nehmen wir daher zum Teil in Druckbehältern. So erreichen sie das Deck in dem Zustand, wie sie am Meeresboden vorliegen – verpackt in einem Druckbehälter.“

Gashydrate im Visier


Bohrkern wird eingelegt

Bohrkern wird eingelegt

Beim Öffnen des Behälters zerfallen die Gashydrate, da der Druck an der Oberfläche viel niedriger ist als am Meeresboden. Also muss der ungeöffnete Behälter geröntgt werden, um der eisähnlichen Verbindung aus Methan und Wasser ihre Geheimnisse zu entlocken – wichtiges Wissen, da am Meeresboden riesige Mengen Gashydrat lagern. Mit ihrem Gehalt an Methan, dem Hauptbestandteil unseres Erdgases, könnten sie eine wichtige Energiequelle sein.


„Doch um den Abbau sicher für Meeresumwelt, Klima und Mensch gestalten zu können, müssen wir noch sehr viel über den Stoff lernen“, so Bohrmann. Denn, erstens gibt es ganze Ökosysteme, die an, von und um Gashydrat-Vorkommen leben. Zweitens ist Methan, wenn es in die Atmosphäre entweicht, ein etwa 25-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Und drittens stabilisieren die eisartigen Gashydrate den Meeresboden genau dort, wo es steil hinab geht – an den Kontinentalrändern. Lösen sie sich auf oder werden abgebaut könnte dies Erdrutsche unter Wasser und so Tsunamis auslösen.

Keine medizinischen Untersuchungen


„Sollten wir also wirklich Gashydrate abbauen wollen, müssen wir vorher genau wissen, wie es entsteht, wie seine Struktur ist und wie es zerfällt. Und das können wir nur, wenn wir die natürlichen Proben unter den Druckbedingungen des Meeresbodens untersuchen“, so Bohrmann.

CT-Aufnahmen

CT-Aufnahmen

Schon einmal 2007 war das MARUM mit dem CT-Scanner auf dem Forschungsschiff Meteor unterwegs. Damals war das Gerät jedoch nur gemietet. „Die Firma, die das Gerät betrieben hat, hat nach Ende der Fahrt das Angebot gemacht, das wir das Gerät kaufen können, da sie keine wirtschaftliche Auslastung dafür erreichen konnten – für uns ein Glücksfall“, freut sich Friedrich Abegg, verantwortlicher Mitarbeiter für das Gerät.

Medizinische Untersuchungen dürfen die in der Bedienung des Gerätes unterwiesenen Wissenschaftler aber nicht machen – in die Röhre kommen am MARUM wirklich nur Proben vom Meeresboden.
(MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Kirsten Achenbach, 17.03.2008 - DLO)
 
Printer IconShare Icon