Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Neuer Test für Malaria-Schutz
Schnelltest könnte besonderes Kindern helfen
Das Immunsystem des Menschen kann gegen Zuckermoleküle des Malariaerregers Antikörper bilden, die vor der schweren Krankheit schützen. Mit einem neuen Bluttest können diese Antikörper nun einfach und schnell nachgewiesen werden.

Malaria-Erreger Plasmodium
Malaria-Erreger Plasmodium
© CDC
Seit Jahren arbeitet ETH-Professor Peter Seeberger an einer Malariaimpfung auf Zuckerbasis. Nun hat er einen weiteren wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. Der Malariaerreger Plasmodium falciparum trägt auf seiner Oberfläche verschiedene giftige Zuckermoleküle - kurz GPI genannt - die sich einzeln identifizieren lassen. Die Forschungsgruppe von Seeberger entwickelte nun eine neue Methode, mit der gezeigt werden kann, dass die toxischen Zuckermoleküle des Malariaerregers eine spezifische Immunantwort in Erwachsenen auslösen. Die Arbeit wurde jetzt im Fachmagazin "Nature Chemical Biology" veröffentlicht.

Antikörper im Blut aus Malariagebieten
Tests zeigen, dass das Blut von Erwachsenen aus Malariagebieten Afrikas spezifische Antikörper gegen einzelne GPI enthält. Eine Erkrankung ist zwar trotz der Antikörper möglich, aber die Konsequenzen sind weniger schwerwiegend. Das Immunsystem er-kennt die giftigen Zuckermoleküle als Fremdkörper und blockt deren toxische Wirkung. Bei Europäern, die nicht in Risikogebieten leben, fehlen die entsprechenden Antikörper. Sobald europäische Probanden aber mit Malaria infiziert werden, nimmt die Anzahl der Antikörper stark zu. Zwischen der Menge an Antikörpern und dem Schutz gegen die Krankheit besteht ein direkter Zusammenhang.

Kostengünstiger Nachweis per Schnelltest
Die Erkenntnisse sind einer neuartigen Methode für den Nachweis der Antikörper zu verdanken. Faustin Kamena, Postdoc bei Seeberger, entwickelte einen besonderen Chip, mit dem sich relativ kostengünstig und mit kleinsten Mengen von Blutserum und Zuckermolekülen feststellen lässt, ob eine Person spezifische Antikörper gegen verschiedene GPI gebildet hat oder nicht. Die Forschenden verwenden dazu möglichst reines GPI, welches künstlich und in grossen Mengen im Labor produziert werden kann, wie die Seeberger Gruppe bereits in früheren Forschungsarbeiten unter Beweis stellte.

Bei der neuen Methode werden auf einen Glasobjektträger über 60 Felder aus gut stecknadelkopfgrossen Punkten aufgedruckt. Jedes Feldchen besteht aus mehreren "Häufchen" von unterschiedlichen GPI, die überdies in verschiedenen Konzentrationen vorliegen. Gibt man nun Blutserum auf ein solches Feld, binden allfällige Antikörper spezifisch an gewisse Zuckermoleküle. Anfärbungsmethoden machen sichtbar, an welchen GPI die Antikörper andockten.

Hilfe für Kleinkinder
Dank den Chip-Informationen können die Wissenschaftler gezielt jene Zuckermoleküle herstellen, die das Immunsystem erkennen muss. Die damit gewonnen Erkenntnisse zur natürlichen Resistenz sind sehr wichtig, um einen Malaria-Impfstoff auf Zuckerbasis zu entwickeln. Insbesondere Kinder in Malariagebieten könnte das zu Gute kommen.

Die Millionen Malariaopfer sind hauptsächlich Kleinkinder unter fünf Jahren, weil nur Erwachsene Antikörper gegen die Zucker des Malariaerregers bilden. Das Immunsystem von Kleinkindern ist jedoch noch nicht in der Lage, die giftigen Zuckermoleküle zu erkennen und zu bekämpfen. Deshalb ist nun eine gezielte Impfung nötig. Prof. Seeberger sagt: "Dieser Nachweis ist für uns ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer Malaria-Impfung, weil wir nun wissen, welche Antikörper bereits Erwachsene schützen."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Malaria, Antikörper, Krankheit, Infektion, Test, Ansteckung, Zucker, Seuche, Impfung, Medizin
Weitere News zum Thema
Die meisten Kinder sterben an vermeidbaren Infektionen (14.05.2012)
Zwei Drittel aller Todesfälle gehen auf gut behandelbare Krankheiten zurück
Insektizid DDT veränderte Speiseplan von Vögeln (18.04.2012)
Der amerikanische Schornsteinsegler frisst seit den 50er Jahren mehr Wanzen und weniger Käfer
Schlafkrankheit: Energie-Blockade tötet Erreger (11.04.2012)
Möglicher Ansatz zur Bekämpfung der Schlafkrankheit und anderer Tropenkrankheiten entdeckt
Resistente Malaria-Form breitet sich in Südostasien aus (10.04.2012)
Erreger ist gegen wirksamstes Mittel Artemisinin immun
Malaria fordert doppelt so viele Todesopfer wie geschätzt (03.02.2012)
WHO hat Sterblichkeit bei Erwachsenen stark unterschätzt
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Vitamine
Aids
Bakterien
Dossiers zum Thema
Rückkehr der Seuchen
Der Krieg gegen die Mikroben geht weiter
Blutsauger
Zecken, Mücken und Co.: Kleiner Stich mit bösen Folgen
Mit Gentechnik gegen die Infektion
Die Suche nach neuen Impfstoffen
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Vogelgrippe
Vom Tiervirus zur tödlichen Gefahr für den Menschen
Apoptose – der programmierte Zelltod
Die Lizenz zum Töten
AIDS
Auf der Suche nach der Wunderwaffe
News des Tages
140 Jahre altes Matheproblem gelöst
„Muttergene“ der Wurzelsymbiosen aufgedeckt
Computer steuern per Fingerzeig
Neuer Test für Malaria-Schutz
Funktion neu entdeckter Zellorganellen aufgeklärt
Wie wirkt ein Plakat optimal?
Bücher zum Thema
Der Kampf zwischen Mensch und Mikrobe
2 CDs (Audio CD) von Stefan H. E. Kaufmann (Erzähler), Klaus Sander (Produzent)
Wächst die Seuchengefahr?
von Stefan H. E. Kaufmann und Susan Schädlich
Menschen, Seuchen und Mikroben
Infektionen und ihre Erreger von Jörg Hacker
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen