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Donnerstag, 27.07.2017
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"Von einem Neuanfang kann keine Rede sein"

Radsport hat kaum eine Chance, "sauber" zu werden

Kaum eine andere Sportart wurde in den letzten Jahren von so vielen schlagzeilenträchtigen Dopingskandalen erschüttert wie der Radsport. Und in kaum einer anderen Sportart plädieren Verbands- und Teamfunktionäre zurzeit ähnlich vehement für einen effektiven Kampf gegen die Einnahme unerlaubter leistungssteigernder Mittel. Doch viele dieser Ankündigungen seien reine Lippenbekenntnisse, sagt Frank Tolsdorf, Wirtschaftswissenschaftler und Sportökonom an der Universität Witten/Herdecke.
Leistung dank Doping?

Leistung dank Doping?

"Von einem sauberen Neuanfang im Profiradsport kann schon deshalb keine Rede sein, weil allein neun der 20 Pro-Tour-Teams ehemalige Dopingsünder in ihrem Management haben", so Tolsdorf, der am Lehrstuhl des renommierten Sportökonomen Prof. Dr. Bernd Frick promoviert und in seiner Dissertation das Thema "Doping als Wettkampfphänomen" erforscht.

Spitzenreiter bei der Beschäftigung ehemaliger aktiver Doper sei das Radsportteam Gerolsteiner. Drei der sechs sportlichen Leiter hätten in der Vergangenheit selbst Dopingmitteln benutzt. Zu den übrigen Teams, die nach den Recherchen des Wittener Sportökonomen ebenfalls überführte Doper im Management beschäftigen, gehören das Team CSC, das Team Rabobank und das Discovery Channel Pro Cycling Team. Selbst in der Führungsetage des Weltradsportverbandes UCI befänden sich ehemalige Dopingsünder in höchsten Positionen. So sei beispielsweise der Präsident des UCI Pro Tour Council (UPTC), Vittorio Adorni, einmal des Dopings und einmal des Betrugversuches bei einer Dopingprobe überführt worden.

Frank Tolsdorf sieht diese Beschäftigungspraxis als klares Indiz dafür, dass es zu keiner Selbstbereinigung des Radsportes kommen wird: "Wenn junge Fahrer sehen, dass ehemalige Dopingsünder jetzt im Topmanagement von Radsportteams und sogar des Weltverbandes tätig sind, verfehlt dies seine Wirkung nicht. Natürlich gehen diese Sportler dann davon aus, dass ihnen auch in Folge eines möglichen positiven Tests noch berufliche Optionen im Radsport offen stehen."


In seinen bisherigen Dopingstudien kam Tolsdorf zu dem Ergebnis, dass Doping nicht Ausdruck des Fehlverhaltens einzelner Sportler ist, sondern im System des Leistungssports selbst begründet liegt. Seine Analyse von knapp 200 Dopingfällen in der Leichtathletik zeigte, so Tolsdorf: "Es wird umso eher gedopt, je höher die Leistungsdichte der Spitzensportler ist, je mehr die Leistung durch Dopingmittel ansteigt, je laxer die Kontrollen sind, je geringer die Strafen ausfallen, je weniger die Dopingmittel die Gesundheit schädigen und je kürzer die noch zu erwartende Karriere ist."
(Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, 21.02.2007 - AHE)
 
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