• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 15.11.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Dohlen unterscheiden belebt und unbelebt

Unerwartete Bewegungen von Objekten versetzen Rabenvögel in Alarmbereitschaft

Überraschende Bewegungen: Nicht nur wir Menschen, auch Dohlen teilen die Welt offenbar automatisch in belebte und unbelebte Objekte ein. Ein Experiment zeigt: Werden die Rabenvögel mit einem sich scheinbar selbständig bewegenden Stock konfrontiert, reagieren sie irritiert und mit besonderer Vorsicht – denn die Bewegung entspricht nicht ihrer Erwartung. Womöglich hilft diese Unterscheidung zwischen belebt und unbelebt den Tieren dabei, potenzielle Bedrohungen zu erkennen.
Dohlen haben genaue Erwartungen darüber, welche Dinge sich selbständig bewegen sollten - und welche nicht.

Dohlen haben genaue Erwartungen darüber, welche Dinge sich selbständig bewegen sollten - und welche nicht.

Die meisten Dinge in der Natur lassen sich in zwei einfache Kategorien einteilen: Lebewesen, die sich selbständig bewegen, und unbelebte Objekte, die dies nicht tun. Diese Differenzierung nehmen wir Menschen offenbar automatisch vor. So reagieren schon Kleinkinder überrascht, wenn sich ein eigentlich lebloser Gegenstand plötzlich wie von Geisterhand zu bewegen beginnt. Dasselbe ist auch von in Gefangenschaft lebenden Primaten bekannt.

Die Fähigkeit, zwischen belebt und unbelebt zu unterscheiden, könnte bei der Einordnung von Umweltreizen helfen. Doch zu welchem Zweck? "Man geht davon aus, dass sich diese Fähigkeit unter anderem entwickelt hat, um soziale Interaktionen zu fördern. Ihre Bedeutung für wildlebende Tiere ist bisher allerdings noch nie untersucht worden", sagt Alison Greggor von der University of Cambridge.

Lebhafte Eindringlinge


Um dies zu ändern, haben die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen nun Dohlen (Corvus monedula) auf die Probe gestellt: Sehen die Rabenvögel die Welt ähnlich zweigeteilt wie wir? Für ihre Studie beobachteten die Forscher 27 brütende Paare in freier Wildbahn und konfrontierten diese mit ferngesteuerten Modellen: Mal war es eine Schlange, mal ein anderer Vogel und mal ein Stock, der im Nest der werdenden Vogeleltern auftauchte und sich dort bewegte.


Dabei zeichnete sich ab: Die Dohlen reagierten auf jeden Eindringling alarmiert, flogen weg und stießen Warnrufe aus. Auffällig aber: Am längsten mit der Rückkehr ins Nest warteten die Vögel, nachdem sie dort einen lebhaften Stock gesehen hatten. Dies deutet nach Ansicht des Wissenschaftlerteams darauf hin, dass diese Bewegung unerwartet für die Tiere war. Demnach gingen sie dann mit besonderer Vorsicht vor und versuchten zunächst, weitere Informationen über die seltsame Situation zu sammeln.

Gefährlich oder nicht?


Damit scheint nun klar: Auch Tiere wie Dohlen unterscheiden zwischen belebten, sich bewegenden und unbelebten Objekten. Wie genau die Vögel Erwartungen darüber entwickeln, welche Dinge sich bewegen sollten und welche nicht, ist noch unbekannt. "Unsere Ergebnisse legen aber nahe, dass diese Unterscheidung den Tieren bei der Bewertung potenzieller Bedrohungen hilft", schreiben die Wissenschaftler.

Denn neben Artgenossen oder Beute bewegen sich auch Räuber – von einem Stock geht dagegen in der Regel keine Gefahr aus. "Damit geht die mögliche Bedeutung dieser Fähigkeit über den rein sozialen Bereich hinaus – und könnte im Tierreich weiterverbreitet sein als bisher angenommen", schließt Greggor. (Royal Society Open Science, 2018; doi: 10.1098/rsos.181070)
(University of Exeter/ Royal Society, 25.10.2018 - DAL)
 
Printer IconShare Icon